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Donnerstag, 6. August 2020

Portrait of a Lover - Maciej Frackiewicz, Akkordeon

Würdiger Preisträger


Label/Verlag: Genuin
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Der Akkordeonist Maciej Frackiewicz präsentiert seine faszinierende Preisträger.

Das Akkordeon, 1829 patentiert, ist ein relativ junges Instrument, für das erst in den 1960er Jahren ein eigenes Repertoire komponiert wurde. Maciej Frackiewicz sieht es als ‚seine Mission‘ an, das Akkordeon-Repertoire durch eigene Kompositionen, Transkriptionen und Auftragswerke zu erweitern. Der 30-jährige polnische Musiker gilt inzwischen als Shooting-Star. Über 80 Werke hat er bereits komponiert. 2018 gewann er den Deutschen Musikwettbewerbs. Jetzt ist seine Preisträger-CD beim Label Genuin erschienen.

Frackiewicz ist nicht auf die Moderne fixiert, spielt gerne auch ältere Werke. Die musikalische Balance ist ihm wichtig. Das Bewusstsein für historisches Musizieren, die früheren Techniken und Klangdifferenzierungen bildet die Basis für die Moderne. So ist auf der CD neben Werken aus dem 20. und 21. Jahrhundert ganz unerwartet eine Barockkomposition zu hören.

Unter dem gängigen Titel 'Portrait of a Lover' erschließt Frackiewicz mit außergewöhnlicher Subtilität, verblüffender Klanglichkeit und rasanter Rhythmik ein spannendes Repertoire, das oft sehr experimentell wirkt, durch folkloristische Zitate immer wieder geerdet wirkt. Die Facetten inniger Liebe und Pein verwandelt Frackiewicz in schwindelerregende Tonalitäten, die doch immer wieder harmonisch eingefangen werden.

Ungewohnte Klangwelten

Schon das erste Stück, Alfred Schnittkes vierteilige 'Gogol Suite' (1980), von Yuri Shishkin als 'Revis Fairy Tale' für Akkordion arrangiert, begeistert durch ungewohnte Klangwelten. Aus einem einfachen russischen Kinderlied entwickelt Frackiewicz die Freude des Sichmögens in eine tonal intensive Liebesbeziehung in flirrenden Höhen mit Gänsehauteffekt. Mit Anklängen an argentinische Tangorhythmik entstehen klangliche Zweisamkeiten von einer berührenden Innigkeit, die sich im vierten Teil raffiniert nach wiederholten Retardierungen in die Fröhlichkeit einer schwungvollen Polka verwandelt. 

Daraufhin wirkt Luciano Berios 'Sequenza XIII' (1995) in lang gezogenen Tönen wie ein elegischer Abgesang einer verlorenen Beziehung, in der Tangomotive als Minizitate einer Liebe nur noch selten aufleuchten, von melancholisch lyrischen Tonstimmungen überlagert werden, die sich in Halbtönen ständig verändern und durch rhythmisches Vibrieren zu einem Psychogramm eines verlassenen Menschen verdichten. Bei Witold Lutoslawskis 'Bukoliki-Bulolics' (1952), von Frackiewicz selbst arrangiert, werden fünf kleine pittoreske Sequenzen kombiniert, die zwischen tänzerischer Lebhaftigkeit und träumerischem Sich-Beruhigen oszillieren. 

Höchste psychische Anspannung

Mit faszinierender Zartheit und feinen Trillerphrasierungen gespielt, folgt Jean-Philippe Rameaus fünfe Suite aus 'Nouvelles Suites de Pièces de Clavecin' (1728). 'L‘Entretien des Muses' entführt in die verspielten Welten des Barocks, eine herrliche Hommage an die Musen, die durch 'La Poule', die Henne, lautmalerisch herumpickend in Wiederholungsschleifen, amüsant parodiert wird. Mit Mikolaj Majkusiak 'Dyad' (2016) wird das 'Portrait of a Lover' zum Klangexperiment. Unter sonoren Dauertönen in extremen Höhen und Tiefen flirren Melodiesplitter, Akkordakzentuierungen, Tonskalen als Ausdruck höchster psychischer Anspannung hin und her. Dieselbe Liebesthematik klingt in Astor Piazzollas ambivalenter Klangsprache in 'Flora‘s Game from 3 Preludes' (1987), transkribiert von Richard Galliono, zwischen sehnsuchtsvoller Melodik und zackiger Rhythmik ganz anders. 

Das titelgebende Werk, Zygmunt Krauzes 'Portret kochanki/Portrait of a Lover' (2018), Frackiewicz gewidmet, zeigt zum Schluss noch einmal dessen ungewöhnliches Talent, mit dem Akkordeon unterschiedlichste Tonwelten zum Klingen zu bringen, experimentelle Musik in tonalen Eisregionen zu verorten und gleichzeitig emotionale Harmonien assoziieren zu lassen. 'Portrait of a Lover' ist von Beginn bis Ende ein faszinierendes, mit jedem Stück aufs Neue überraschendes Musikerlebnis.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Portrait of a Lover: Maciej Frackiewicz, Akkordeon

Label:
Anzahl Medien:
Genuin
1
Medium:
EAN:

CD
4260036256659


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Genuin

Im Jahr 2002 standen die jungen Tonmeister von GENUIN vor einer wichtigen Entscheidung: Sollte man sich weiterhin lediglich auf das Aufnehmen und Produzieren konzentrieren, oder auf die zahlreichen Nachfragen und positiven Rückmeldungen von Musikern und Fachzeitschriften eingehen und ein eigenes Label ins Leben rufen? In einer Zeit, in der praktisch alle großen Klassik-Label ihre Produktion eingestellt oder zumindest stark gedrosselt hatten, fiel die Entscheidung nicht leicht – aber sie fiel einstimmig aus: zugunsten einer offiziellen Vertriebsplattform für die GENUIN-Aufnahmen. Und der Erfolg hat nicht lange auf sich warten lassen.

Das Label GENUIN hat sich in seinem zwölfjährigen Bestehen zu einem Geheimtipp unter Musikern und Musikliebhabern entwickelt. Schon vor dem Leipzig-Debüt im Oktober 2004, einem Antrittskonzert im Robert-Schumann-Haus mit Paul Badura-Skoda, wurden die CDs in den deutschlandweiten Vertrieb gebracht und von Fachpresse und Musikerwelt hochgelobt. Inzwischen werden GENUIN-CDs in den meisten Ländern Europas sowie in Japan, Süd-Korea, Hongkong und den USA vertrieben.

Das Erfolgsrezept von GENUIN: Die gesamte Produktion, also die Beratung der Künstler bei Aufnahmeraum und Repertoire, die Vorbereitung und Durchführung der Aufnahme selbst, der Schnitt mit allen notwendigen Korrekturen, generelle Entscheidungen beim Cover- und Bookletentwurf bis hin zur fertigen Veröffentlichung liegen in der Hand der Tonmeister. Nur so haben die Musiker den größtmöglichen Entfaltungsspielraum bei der Einspielung und Gestaltung ihrer CDs. Und gleichzeitig kann bis zuletzt eine gleichbleibend hohe Qualität garantiert werden.

GENUIN bietet auch abseits ausgetretener Pfade etablierten Künstlern genauso wie der Nachwuchsgeneration die Möglichkeit, Musik nach eigenen Vorstellungen zu verwirklichen. Das macht sich positiv bemerkbar für die Hörer der mittlerweile mehr als 300 GENUIN-CDs mit Interpreten wie Paul Badura-Skoda, Nicolas Altstaedt oder der Dresdner Philharmonie.


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