> > > Fritz Volbach: Es waren zwei Königskinder, Symphony op.33 in B minor: Sinfonieorchester Münster, Golo Berg
Mittwoch, 8. April 2020

Fritz Volbach: Es waren zwei Königskinder, Symphony op.33 in B minor - Sinfonieorchester Münster, Golo Berg

Nicht ohne Formeln


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Dem Sinfonieorchester Münster gelingt eine Ehrenrettung Volbachs, aber keine Interpretation, die jeder Freund sinfonischer Musik um 1900 unbedingt im Regal haben muss.

Für einen Zeitgenossen Richard Strauss‘ oder Edward Elgars ist der aus Wipperfürth stammende Fritz Volbach (1861–1940) stilistisch eher ein ‚Rückgewandter‘. Dies mag vor allem an einer eher untypischen Ausbildung (das Musikstudium erfolgte eher nebenbei) und der Tatsache liegen, dass das Komponieren auch später nur ein Nebenbereich neben seiner Dirigiertätigkeit vor allem in Berlin, Mainz, Tübingen und seit 1918 Münster war (daneben profilierte er sich als Musikhistoriker). Die Symphonische Dichtung 'Es waren zwei Königskinder' op. 21 (1900) gehörte zu seinen erfolgreichsten Kompositionen, die neben Orchestermusik und Chorsymphonik u. a. auch eine komische Oper und Kammermusik umfassen.

Dass Volbach das Orchester seiner Zeit gut kannte, spiegelt sich auch in seiner akademischen Laufbahn (1910 bzw. 1915 veröffentlichte er Lehrbücher über Instrumentation) – er wusste genau, ‚was man tut‘ (und was eben nicht). Dieser Blick auf die musikalische Konvention spiegelt sich fast naturgemäß in seiner Musik, die eher Liszt und Wagner denn Brahms nahesteht. Die Sinfonie h-Moll op. 33 (1908) steht stilistisch Hubert Parry oder Alexander Glazunov nicht ganz fern steht, doch gibt es auch Nach-Echos an Brahms, Bruckner und andere. Qualitativ kann er an diese Genannten nicht ganz heranreichen, geraten seine musikalischen Formulierungen immer wieder in Richtung des Formelhaften. Am spannendsten ist Volbach in dem metrisch zwischen Zweier und Dreier wechselnden Scherzo.

Prominentes Blech

Besonders auffallend in Volbachs Instrumentationstechnik ist der exponierte Gebrauch der Blechbläser – ungedeckt durch andere Orchesterteile, etwa das Holz oder die Streicher. Dies bedeutet eine besondere interpretatorische Schwierigkeit, da man die Qualität eines Orchesters nicht selten durch das Ertönen der Blechbläser ‚in nuce‘ und seine Integration in das Orchesterganze ‚überprüfen‘ kann. Das Sinfonieorchester Münster, das Volbachs Musik seit 1920 in unregelmäßigen Abständen immer wieder einmal gespielt hat, kann unter Chefdirigent Golo Berg diesen Forderungen des Komponisten nicht ganz entsprechen. Wo die Musiker im Mischklang einander Sicherheit geben, vermögen sie mitzureißen, und auch und gerade im langsamen Satz der Sinfonie, der teilweise klar nach Schumanns 'Rheinischer' modelliert ist (mit effektvollem Einsatz der Basstuba), bietet auch der Hornist ein beglückendes Solo. Doch schon bald danach zeigen die Blechbläser wieder, dass die an sie gestellten Anforderungen, gerade im ‚ungedeckten‘ Zustand, hoch sind. So gelingt den Musikern zwar eine Ehrenrettung Volbachs, aber keine Interpretation, die jeder Freund sinfonischer Musik um 1900 unbedingt im Regal haben muss.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Fritz Volbach: Es waren zwei Königskinder, Symphony op.33 in B minor: Sinfonieorchester Münster, Golo Berg

Label:
Anzahl Medien:
cpo
1
Medium:
EAN:

CD
761203788620


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Volbach, Fritz
 - Es waren zwei Königskinder op.21 -
 - Symphony No.33 in B minor - Lebhaft und trotzig
 - Symphony No.33 in B minor - Scherzo. Presto
 - Symphony No.33 in B minor - Adagio molto
 - Symphony No.33 in B minor - Mächtig, feierlich - lebhaft, bestimmt


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Dirigent(en):Berg, Golo
Orchester/Ensemble:Sinfonieorchester Münster


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
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