> > > Beethoven - Sibelius: Christian Tetzlaff, Deutsches Symphone-Orchester Berlin, Robin Ticciati
Dienstag, 7. April 2020

Beethoven - Sibelius - Christian Tetzlaff, Deutsches Symphone-Orchester Berlin, Robin Ticciati

D und d


Label/Verlag: Ondine
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Christian Tetzlaff spielt Violinkonzerte von Beethoven und Sibelius.

Die Violinkonzerte von Beethoven und Sibelius werden auf Tonträger selten gemeinsam eingespielt. Die zusammen veröffentlichten legendären Interpretationen von David Oistrach (Sibelius) und Zino Francescatti (Beethoven) bei Sony Classical bilden eher die Ausnahme. Auch der vielseitig aktive Christian Tetzlaff hat die beiden kanonischen Dreisätzer in D-Dur und in d-Moll vor mehr als zehn Jahren jeweils schon einmal getrennt eingespielt – Beethovens op. 61 mit David Zinman und dem Tonhalle-Orchester, Sibelius‘ op. 47 mit Thomas Dausgard und dem Danish National Symphony Orchestra. Dass Tetzlaff mit Robin Ticciati und dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin beide Konzerte jetzt hier als ‚Zweitlektüren‘ auf einer Stereo-CD vereint hat, mag darum etwas übertrieben erscheinen, passt jedoch zu Tetzlaffs Praxis der Aktualisierung – hat er die Bach‘schen Sonaten und Partiten mittlerweile doch bereits dreimal eingespielt. Zum Vorwurf machen möchte man ihm das nur ungerne, kommen doch stets spannende Lesarten bekannter Werke dabei heraus.

Kontraste

Im deutschsprachigen Booklet-Interview hebt Tetzlaff dann auch gleich auf die grandiose künstlerische Verbindung mit Robin Ticciati ab, der dem Deutschen Symponie-Orchester Berlin ja mittlerweile als Chefdirigent vorsteht. Dass es sich dabei um keine Marketingfloskel handelt, lässt sich zum Glück nachhören. Vollzieht Tetzlaff im wilden Schlusssatz des Sibelius-Konzerts etwa auch nur ein leichtes Crescendo, findet dieses im Orchester gleichsam seinen Widerhall. Selbst kleine Phrasen und agogische ‚Mätzchen‘ wirken mit dem Orchester abgestimmt. Zuallerst aber fällt im Unterschied zur Dausgard-Aufnahme auf, dass die Geige hier klangbildlich sehr viel mehr in den Vordergrund gestellt wird. Glücklicherweise heißt das im Gegenzug jedoch nicht, dass die Tutti-Stellen bei Sibelius vernachlässigt werden. Überhaupt wirkt Tetzlaffs Zugriff dieses Mal romantischer, und trotz aller gestalterischen Individualität, gleichsam traditioneller. Im 'Adagio di molto' wird mehr vibriert als beim ersten Mal, im 'Allegro moderato' mehr expansiv gesungen und die expressive Spannung vollends ausgereizt, während im 'Allegro ma non tanto' der Tanz auf dem Vulkan mit leicht angezogenem Tempo gefeiert wird.

Paukenkadenz bei Beethoven

Auf ganz anderem Gebiet bewegt man sich im Beethoven-Konzert. Robin Ticciati lässt mit historisch informierter Schlankheit musizieren und gewinnt vor allem den Streichern des Deutschen Symponie-Orchesters Berlin so manch ungewöhnliche Farbe ab. Man achte nur auf die erstaunliche Schattierung des Paukenmotivs zu Beginn der Durchführung. Apropos Pauke: Christian Tetzlaff spielt hier Beethovens ausufernde Kadenz(en) inklusive Paukeneinschub aus der Klavierfassung des Violinkonzerts. Hierdurch wird der heitere Gesamtgestus des D-Dur-Konzerts noch heiterer und Tetzlaffs gewandt phrasierter Vortrag quasi ins Buffoneske ausgeweitet. Dass er auch hier wieder den gesamten Bereich zwischen Griffbrett und Steg ausnutzt und so für zahlreiche individuelle Akzente sorgt, lässt des öfteren hinhorchen und sorgt dafür, dass diese Einspielung nicht zwischen den zahllosen anderen untergehen dürfte.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Beethoven - Sibelius: Christian Tetzlaff, Deutsches Symphone-Orchester Berlin, Robin Ticciati

Label:
Anzahl Medien:
Ondine
1
Medium:
EAN:

CD
761195133422


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Beethoven, Ludwig van
Sibelius, Jean


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Ondine

The roots of Ondine date back to 1985 when founder Reijo Kiilunen released the very first Ondine album under the auspices of the renowned Finnish Kuhmo Chamber Music Festival. The label's initial mission was to produce one live album at the Festival each season. The fourth album, however, featured Einojuhani Rautavaara's opera Thomas (ODE 704-2), raising major international attention and opening the ground for overseas distribution. Kiilunen, who was running the Festival's concert agency and had begun the recording activity part-time, soon decided to devote himself fully to the development of this new business, producing and editing the first 50 releases himself. Since 2009 the company has been a part of the Naxos Group.

Today Ondine's extensive catalogue includes nearly 600 recordings of artists and ensembles such as conductor and pianist Christoph Eschenbach, conductors Vladimir Ashkenazy, Vasily Petrenko, Mikhail Pletnev, Esa-Pekka Salonen, Hannu Lintu, Jukka-Pekka Saraste, Sakari Oramo, Leif Segerstam and John Storgårds, orchestras such as The Philadelphia Orchestra, Orchestre de Paris, London Sinfonietta, Bavarian Radio Symphony Orchestra, BBC Symphony Orchestra, Los Angeles Philharmonic, Russian National Orchestra, Czech Philharmonic, Finnish Radio Symphony Orchestra, Helsinki Philharmonic and Tampere Philharmonic, sopranos Soile Isokoski and Karita Mattila, baritone Dmitri Hvorostovsky and Gerald Finley, violinist Christian Tetzlaff, violist David Aaron Carpenter, cellist Truls Mørk and pianist Olli Mustonen.

The label has also had a long and fruitful association with Finnish composers Einojuhani Rautavaara, Magnus Lindberg and Kaija Saariaho, having recorded the premieres of many of their works and garnering many awards along the way.


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