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Dienstag, 7. Juli 2020

Schubert, Franz: Music for Violin I - Ariadne Daskalakis, Paolo Giacometti, Die Kölner Akademie, Michael A. Willens

Elegant und im natürlichen Fluss


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ariadne Daskalakis und ihre Partner schlagen eine neue Seite in der Schubert-Violininterpretation auf.

Der reichen Schubert-Diskografie einen weiteren Beitrag zuzugesellen, bedarf einiger Ambition. Die Geigerin Ariadne Daskalakis kommt von einer ganz besonderen Perspektive, die so bislang in der Tat noch nie eingenommen wurde – sie spielt in zwei Folgen sämtliche Werke für Violine und Klavier oder Orchester ein, in der ersten Folge die drei Konzertwerke D 438, 354 und 580 sowie die g-Moll-Sonat(in)e D 408 und die C-Dur-Fantasie D 934. Schon die drei Konzertwerke, das Konzertstück D-Dur D 345, das Rondo A-Dur D 438 und die Polonaise B-Dur D 580, erweisen den nachhaltigen Wert der Produktion – mit Leichtigkeit fegt Daskalakis, zusammen mit der Kölner Akademie unter Michael Alexander Willens, auf historischen Instrumenten und mit angemessener Spielpraxis viele ‚modernere‘ ältere Aufnahmen (auch Gidon Kremer) mit Leichtigkeit hinweg vom diskografischen Parnass. Endlich versteht man die Verortung der Musik an der Schwelle zwischen Klassik und Romantik. Daskalakis und das Orchester musizieren ohne Überdruck und mit feinem Gespür und erreichen so nicht nur einen natürlichen Fluss, sondern auch einen rundum überzeugenden Ausdruck. Nur für das A-Dur-Rondo gibt es schon beachtliche Konkurrenz im historisch informierten Bereich, eine kammermusikalische Fassung mit Vera Beths und den Smithsonians und eine Orchestereinspielung mit Elizabeth Wallfisch und dem Brandenburg Consort unter Roy Goodman, beide aus den 1990er-Jahren – höchste Zeit also für eine Neueinspielung, auch wenn die früheren Interpretationen kaum ‚gealtert‘ wirken.

Geistvolle Interpretation

Bei den Werken für Violine und Klavier gibt es naturgemäß weit größere Konkurrenz. Die C-Dur-Fantasie hat Paolo Giacometti selbst schon einmal eingespielt, in einer Einrichtung mit Cello (mit Pieter Wispelwey). Unter den historisch informierten Musikern sind Isabelle Faust mit Alexander Melnikov (unter Verzicht auf Hammerflügel, aber mit beeindruckendem Ergebnis) oder Anton Steck mit Robert Hill erwähnenswert. Leicht kann hier die Linienführung der Violine ein wenig ‚sauer‘ geraten, weil ohne oder mit wenig Vibrato jede Intonationstrübung (auch jede gefühlte) unmittelbar wirkt. An Daskalakis Spiel wie auch an den Hammerflügel von Salvatore Lagrassa (ca. 1815, aus der Sammlung Beunk) muss man sich hier erst ein wenig gewöhnen, auch weil der Hammerflügel im Mezzoforte und darüber hinaus über einen durchaus eigenen Ton verfügt, der von dem ansonsten herrlich warmen, silbrigen Anschlag im Piano etwas ablenkt. Doch Giacometti und Daskalakis nehmen schnell durch ihre geistvolle, lebendige Interpretation ein. Man darf nicht die emotionale Durchdringung ‚modern‘ spielender Musiker erwarten, die andere Qualitäten der Musik hervorheben können als die historisch informierten Musiker, die dafür ganz andere Gefilde erkunden können. Das zurückgehaltene Tempo der zentralen Variationen über das Lied 'Sei mir gegrüßt' mag nicht ganz das vorgeschriebene Andantino sein, auch der Hammerflügel nicht ganz so gut zur Geltung kommen wie anderswo, doch ist das eine vergleichsweise marginale Einschränkung.

In der Sonate g-Moll spielen die Musiker in den ersten beiden Sätzen (anders als viele andere) sämtliche Wiederholungen, und mehr noch als in den anderen Werken kommt hier eine Qualität der Produktion zum Tragen, die die Neueinspielung über die meisten vorherigen heraushebt – der ausgezeichnete SACD-Klang, der der Musik viel Platz zum Atmen lässt und den Aufnahmeort als wichtigen Faktor mit einbezieht. Ein äußerst vielversprechender Auftakt zu einer Gesamteinspielung, auf deren zweite Folge man sich freuen kann.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Schubert, Franz: Music for Violin I: Ariadne Daskalakis, Paolo Giacometti, Die Kölner Akademie, Michael A. Willens

Label:
Anzahl Medien:
BIS Records
1
Medium:
EAN:

CD SACD
7318599923635


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Schubert, Franz


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BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


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