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Donnerstag, 22. Oktober 2020

From Belcanto to Jazz - Opera Phantasies from 150 years - Volker Reinhold, Ralph Zedler

Auf ihrer neuen Einspielung entdecken Volker Reinhold und Ralph Zedler Geigervirtuosen als Komponisten.


Label/Verlag: MDG
Detailinformationen zum besprochenen Titel


From Belcanto to Jazz. Opera Phantasies from 150 Years

Wer sensationell geigt, hat mitunter auch Lust, die persönlichen Favoriten improvisierend im Geiste der ursprünglichen Komponisten zusammenzufügen. Diese doppelt begabten Talente zu entdecken, haben sich Volker Reinhold (Violine) und Ralph Zedler (Klavier) zum Ziel gemacht. So wie heute große Hits in neu verpackten Medleys zu hören sind, gab es bereits im 19. Jahrhunderts wunderbare Opernphantasien um berühmte Arien. Mit seiner dritten CD stellt das Künstlerduo vier unbekannte Komponisten vor. Jedes Stück mindestens 15 Minuten lang, bekommt man einen guten Einblick in die Werkstruktur und in die außerordentliche Interpretationsbreite Reinholds und Zedlers.

Antonio Bazzini (1818-1897) war einer der ersten italienischen Virtuosen, der europaweit unterwegs war. Gefördert von Niccolò Paganini, entstanden Kontakte nach Deutschland zu Joseph Joachim, mit dem Bazzini in Folge regelmäßig auftrat. Ab 1864 wandte sich Bazzini nach seiner virtuosen Frühphase motivisch-thematischen Kompositionen zu. Seine Fantasia nach Motiven von Guiseppe Verdis 'La Traviata' (1871) macht den Anfang der CD 'From Belcanto to Jazz'. Bazzini verwendet nur Material von Violettas Partie und kreiert damit ein musikalisches Charakterbild dieser Edelkurtisane entlang der ersten sieben sphärischen Takte, dem Seufzermotiv ‚Che gli dirò?‘, der Arien 'Alfredo, Alfredo di questo core', 'Addio, del passato' und einem absteigenden sechstönigen Leitmotiv der Titelheldin. 

Henri Vieuxtemps (1820-1881) zählt nach Paganini zu den größten Geigenvirtuosen des 19. Jahrhunderts. Zu hören ist auf der CD dessen Fantasie über Charles Gounods 'Faust' (1869) und etwas später seine Fantasie über Bellinis 'Norma' (1844). Vieuxtemps fokussiert natürlich auf die Virtuosität der Geige, lässt aber auch dem Pianisten Raum für ausdrucksstarke Solopartien. Aus Gounods 'Faust' nimmt Vieuxtemps die bekannten, damals sehr erfolgreichen Passagen und erreicht durch Einleitung und Zwischenspiele im Sinne Gounods eine sehr ansprechende Gesamtkomposition.

Grandioses Ende

Noch viel faszinierender ist die Bellini-Fantasie, bei der Paganinis 'Moses-Fantasie' in Anlehnung an Rossinis 'Mosè in Egitto' Pate stand. Wie bei Paganini wird dieses 18-minütige Werk nur auf der G-Saite gespielt, im Gegensatz zu Paganini nicht um eine Terz, sondern von Reinhold um eine Quart höher gestimmt. Der Herrenchor bildet den kantablen Rahmen, abrupt unterbrochen von einem dramatischen Mittelteil, der sich schnell beruhigt, in Orevesos Auftrittsarie überleitet, in die Normas berühmte Arie 'Casta diva' eingebettet ist und in rasanten Violinen-Kolorationen ein grandioses Ende findet.

Zwischen Vieuxtemps Kompositionen wirkt die Fantasie nach Glinkas Nationaloper 'Ein Leben für den Zaren' (1910) des tschechischen Geigers und Komponisten František Ondříček (1857-1922) zunächst sehr ruhig. Originalpassagen werden großflächig aneinandergereiht, wobei national majestätischer Ausdruck mit außerordentlich lyrischen Klangfarben wechselt und in volkstümlich tänzerischer Dynamik endet. 

Mit Igor Frolovs (1937-2013) Konzertfantasie über Themen aus Gershwins 'Porgy and Bess' (1991) kommen Reinhold und Zedler gerade noch in die Zielgerade des Jazz, für die Interpreten eine optimale Komposition, um ihr ausdrucksstarkes Zusammenspiel jazzig swingend unter Beweis zu stellen. Virtuos von Anfang bis Ende komponiert und interpretiert ist 'From Belcanto to Jazz' eine CD, bei der jedes Stück eine echte Entdeckung ist.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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    From Belcanto to Jazz - Opera Phantasies from 150 years: Volker Reinhold, Ralph Zedler

Label:
Anzahl Medien:
MDG
1
Medium:
EAN:

CD SACD
760623213460


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Bazzini, Antonio
Vieuxtemps, Henri


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MDG

Die klangrealistische Tonaufnahme

»Den beim Sprechen oder Musizieren entstehenden Schall festzuhalten, um ihn zu konservieren und beliebig reproduzieren zu können, ist eine Idee, die seit langem die Menschen beschäftigte. Waren zunächst eher magische Aspekte im Spiel, die die Phantasie beflügelten wie etwa bei Giovanni deila Porta, der 1598 den Schall in Bleiröhren auffangen wollte, so führte mit fortschreitender Entwicklung naturwissenschaftlichen Denkens ein verhältnismäßig gerader Weg zur Lösung...« (Riemann Musiklexikon)

Seit Beginn der elektrischen Schallaufzeichnung ist der Tonmeister als »Klangregisseur« bei der Aufnahme natürlich dem Komponisten und dem Interpreten, aber auch dem Hörer verpflichtet. Die Mittel zur Tonaufzeichnung sind hinlänglich bekannt. Die Kriterien für ihren Einsatz bestimmt das Ohr. Deshalb für den Hörer hier eine Beschreibung unserer Hörvorstellung.

Lifehaftigkeit

In der Gewißheit, daß der Konzertsaal im Wohnzimmer (leider) nicht realisierbar ist, konzentriert sich unser Bemühen darauf, die Illusion einer Wirklichkeit zu vermitteln. Die Musik soll im Hörraum so wiedererstehen, daß spontan der Eindruck der Unmittelbarkeit entsteht, das lebendige Klanggeschehen mit der ganzen Atmosphäre der »Lifehaftigkeit« erlebt wird. Da wir praktisch ausschließlich menschliche Stimmen und »klassische« Instrumente - auch sie haben ihren Ursprung im Nachahmen der Stimme - aufnehmen, konzentriert sich unsere Klangvorstellung auf natürliche Klangbalance und tonale Ausgeglichenheit im Ganzen, und instrumentenhafte Klangtreue im Einzelnen. Darüber hinaus natürliche, ungebremste Dynamik und genaueste Auflösung auch der feinsten Spannungsbögen. Weitestgehend bestimmend für die Illusion der Lifehaftigkeit ist auch die Ortbarkeit der Klangquellen im Raum: freistehend, dreidimensional, realistisch.

Musik entsteht im Raum

Um diesen »Klangrealismus« einzufangen, ist bei den Aufnahmen von MDG eine natürliche Akustik unbedingte Voraussetzung. Mehr noch, für jede Produktion wird speziell in Hinblick auf die Besetzung und den Kompositionsstil der passende Aufnahmeraum ausgesucht. Anschließend wird »vor Ort« die optimale Plazierung der Musiker und Instrumente im Raum erarbeitet. Dieser ideale »Spielplatz« ermöglicht nun nicht nur die akustisch beste Aufnahme, sondern inspiriert durch seine Rückwirkung die Musiker zu einer lebendigen, anregenden Musizierlust und spannender Interpretation. Können Sie sich die Antwort des Musikers vorstellen auf die Frage, ob er lieber in einem trockenen Studio oder in einem Konzertsaal spielt?

Die Aufnahme

Ist der ideale Raum vorhanden, entscheidet sich der gute Ton an den Mikrofonen - verschiedene Typen mit speziellen klanglichen Eigenheiten stehen zur Auswahl und wollen mit dem Klang der Instrumente im Raum in Harmonie gebracht werden. Ebenso wichtig für eine natürliche Abbildung ist die Anordnung der Mikrofone, damit etwa die richtigen Nuancen in der solistischen Darstellung oder die Kompensation von Verdeckungseffekten realisierbar werden. Das puristische Ideal »nur zwei Mikrofone« kann selten den komplexen Anforderungen einer Aufnahme mit mehreren Instrumenten gerecht werden. Aber egal wie viele Mikrofone verwendet werden: Stellt sich ein natürlicher Klangeindruck ein, ist die Frage nach dem Zustandekommen des »Lifehaftigen« zweitrangig. Entscheidend ist, es klingt so, als wären nur zwei Mikrofone im Spiel.

Ohne irgendwelche »Verschlimmbesserer« wie Filter, Limiter, Equalizer, künstlichen Hall etc. zu benutzen, sammeln wir die Mikro-Wellen übertragerlos in einem puristischen Mischpult und geben das mit elektrostatischem Kopfhörer kontrollierte Stereosignal linear und unbegrenzt an den AD-Wandler und zum digitalen Speicher weiter. Dadurch bleiben auch die feinsten Einschwingvorgänge erhalten. Auf der digitalen Ebene wird dann ohne klangmanipulierende Eingriffe mit dem eigenen Editor in unserem Hause das Band zur Herstellung der Compact Disc für den Hörer erstellt, für Ihr hoffentlich großes Hörvergnügen.


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