> > > Rossini, Gioachino: Sigismondo: Chor des Bayerischen Rundfunks, Münchner Rundfunkorchester, Kari-Lynn Wilson
Freitag, 14. August 2020

Rossini, Gioachino: Sigismondo - Chor des Bayerischen Rundfunks, Münchner Rundfunkorchester, Kari-Lynn Wilson

Wahnsinnsfacetten


Label/Verlag: BR-Klassik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ein Muss ist dieser 'Sigismondo' gewiss nicht, aber Rossini-Raritäten-Fans und Freunde schöner Stimmen kommen an dieser Veröffentlichung vermutlich nicht vorbei.

Wahnsinn auf Opernbühnen gebiert oft die schönste Musik und erweist sich nicht selten als ungemein unterhaltsam. Letzteres trifft auf die stets vernachlässigte Rossini-Oper 'Sigismondo' aus dem Jahr 1814 nur bedingt zu – aber Gioachino Rossinis Musik ist voll an großen Einfällen, modernen Formideen und einem Esprit, der weitaus berühmteren Opern des Komponisten in nichts nachsteht. Viel Verwirrung mit einer spürbaren Prise Langeweile bietet vor allem das krude Libretto, das schon bei der Uraufführung das Publikum kaum zu fesseln im Stande war. Die Geschichte vom fiktiven polnischen König Sigismondo, der, sich in Schuldgefühlen verstrickend, von seiner totgeglaubten Frau ‚verfolgt‘ fühlt, seinem intriganten Vertrauten und der so gar nicht toten Ehefrau Aldimira, die quasi unerkannt die Gemüter erregt, bis es zum Hauruck-Happy-End kommt, ist so wackelig wie letztlich konventionell. Es geht aber bei heutiger Betrachtung gar nicht so sehr um eine dramaturgisch klug gebaute Erzählung als vielmehr um die Einblicke ins Seelenleben der Protagonisten, die Rossini meisterhaft in Töne setzt. Das mag für ein auf Spektakel wartendes Opernpublikum nicht durchgehend spannend sein, aber das macht das Werk an sich nicht gleichsam uninteressant. Gerade die großen Arien und Duette faszinieren in ihrer Struktur – und wenn hervorragende Künstler am Werk sind, ist der 'Sigismondo' mehr als genießbar.

Souveräne Ausführung

Das beweist aktuell der Mitschnitt einer konzertanten Aufführung der Oper im Münchner Prinzregententheater vom Oktober 2018 zum 150. Todestag des Komponisten. Der Bayerische Rundfunk hat die klanglich tadellose Aufnahme beim hauseigenen Label auf zwei CDs herausgebracht und bereichert somit die leider nachvollziehbar klägliche Diskografie des 'Sigismondo'. Eine Sensation, die nun eine Renaissance einleiten würde, ist auch dieser Mitschnitt nicht, aber die Einspielung macht aufgrund der liebevollen Behandlung einer Rarität und deren höchst souveränen Ausführung schlichtweg Freude beim Hören. Die Solisten bewältigen die enormen Belcanto-Anforderungen ihrer Partien mit Leichtigkeit und Authentizität, während Keri-Lynn Wilson am Pult des glänzend aufgelegten Münchner Rundfunkorchesters vor allem lückenlose (und dabei leider auch recht kantenlose) Schönheit und Eleganz bietet. Das passt, wackelt nicht, funktioniert in hörbarem Einverständnis mit den Solisten, den Chorherren und den Instrumentalisten, reißt den Hörer zuhause aber auch nicht vom Sitz.

Muss es vielleicht auch nicht, wenn man schlicht den Melodien und vokalen Rouladen folgen will und das wie auch immer beurteilte Drama beiseitelässt. Auf dieser Basis gefällt die fulminante Darbietung der koreanischen Sopranistin Hera Hyesang Park als Aldimira ungemein gut. Eine glockenklare Höhe ist nur das Sahnehäubchen auf einer in allen Lagen stabil durchgebildeten Stimme, die mit den geforderten Tiefen ebenso Effekt erzielt wie mit beeindruckender Koloraturgewandtheit. Dass Park auch den Mut zu dramatischem Zupacken und gelegentlicher Färbung auf Kosten der Tonschönheit beweist, entschädigt erfreulich für den ansonsten gepflegten, eher zurückhaltenden Stil.

Erstklassiges Rossini-Trio

Das erstklassige Rossini-Trio im Vordergrund vervollständigen die Mezzosopranistin Marianna Pizzolato als Sigismondo mit ihrer herrlich warmen und wendigen Stimme, die hervorragend mit jener von Park verschmilzt, und der Ladislao von Kenneth Tarver. Der Tenor meistert die Höhenflüge, irren Skalen und schwindelerregenden ‚Vokalschleifen‘ mit Bravour. Dabei erstaunt vor allen Dingen die enorme Leichtigkeit, mit der Tarver agiert. Nichts scheint ihm Probleme zu bereiten, die Anstrengung verschwindet gänzlich hinter einer aus dem Ärmel geschüttelten Glanzleistung. Sein Rollenporträt veredelt den vorliegenden Mitschnitt enorm und macht wieder einmal deutlich, dass Kenneth Tarver ein Platz in der ersten Reihe großer Rossini-Interpreten gebührt.

All die anderen Partien sind ohne Fehl und Tadel besetzt, treten aber im quantitativen Erscheinen deutlich hinter die drei Hauptrollen: Guido Loconsolo als Zenovito, Il Hong als stimmlich seriöser König Ulderico, der Bariton Gavan Ring als Radoski und Rachel Kelly als attraktive Anagilda. Ein Muss ist dieser 'Sigismondo' gewiss nicht, aber Rossini-Raritäten-Fans und Freunde schöner Stimmen kommen an dieser Veröffentlichung vermutlich nicht vorbei.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Rossini, Gioachino: Sigismondo: Chor des Bayerischen Rundfunks, Münchner Rundfunkorchester, Kari-Lynn Wilson

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
BR-Klassik
2
30.08.2019
146:00
2018
Medium:
EAN:
BestellNr.:
Booklet
CD
4035719003277
900327


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Rossini, Gioacchino


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"Der italienische Komponist Gioachino Rossini ist vor allem durch seine Opern bekannt; etliche der Ouvertüren und Arien waren seinerzeit echte Ohrwürmer – und sie blieben es bis in unsere Tage. Obwohl heute in erster Linie seine komischen Opern aufgeführt werden, liegen doch mehr als der Hälfte seiner Bühnenwerke ernste Themen zugrunde. Um eine veritable Rarität handelt es sich bei dem Bühnenwerk „Sigismondo“, das 1814 am berühmten Teatro La Fenice in Venedig aufgeführt, danach aber nur selten nachgespielt wurde. Vermutlich gefiel dem zeitgenössischen Publikum die zugrundeliegende Geschichte nicht, denn musikalisch ist das Werk kaum weniger überzeugend als die im Jahr zuvor entstandene „Italienerin in Algier“ oder der zwei Jahre später folgende „Barbier von Sevilla“. Das Sujet – eine böswillig in Misskredit gebrachte und von ihrem Ehemann verstoßene Frau lebt im Verborgenen, bis sie wiedergefunden, rehabilitiert und wieder mit ihrem Gemahl vereint wird – fußt indes auf einer langen Tradition und Rossini führt seinen Protagonisten, den fiktiven König Sigismondo, in seinen psychischen Extremzuständen vor: durch Verwirrung und geistige Umnachtung werden innere Befindlichkeiten offenbar; erst das Delirium bringt die Wahrheit ans Licht. Diese „Wahnsinnsoper“ ist in ihrer Thematik also ebenso hochaktuell, wie in ihrer musikalischen Sprache – denn Rossini zählt zu den top ten der meistaufgeführten Komponisten unserer Zeit. Das kaum bekannte, aber dringend zu entdeckende Meisterwerk wurde am 14. Oktober 2018 (im Rossini-Jahr, kurz vor dem 150. Todestag des Komponisten) im Münchner Prinzregententheater in konzertanter Form aufgeführt; in seiner Originalsprache und von Interpreten, die im leicht erscheinenden und dabei so schwer zu singenden Rossinifach bestens erfahren sind: in den Hauptpartien der Mezzosopranistin Marianna Pizzolato mit der Hosenrolle des Sigismondo, dem Tenor Kenneth Tarver als Ladislao und der Sopranistin Hyesang Park als Aldimira. Außerdem wirkt der Chor des Bayerischen Rundfunks mit. Das Münchner Rundfunkorchester spielt unter Leitung von Keri-Lynn Wilson. Bei BR Klassik erscheint nun die live-Aufzeichnung dieses außergewöhnlichen Opernereignisses – eines Sängerfests, das dem Publikum Beifallsstürme entlockte und auch die Kritiker begeisterte, – auf zwei CDs mit knapp 150 Minuten Spielzeit und mit informativen Booklet in deutscher und englischer Sprache. Hyesang Park – Aldimira (Sopran) Marianna Pizzolato – Sigismondo (Mezzosopran) Rachel Kelly – Anagilda (Mezzosopran) Kenneth Tarver – Ladislao (Tenor) Gavan Ring – Radoski (Bariton) Guido Loconsolo – Zenovito (Bassbariton) Il Hong – Ulderico (Bass) Olga Watts, Hammerflügel Chor des Bayerischen Rundfunks Yuval Weinberg, Einstudierung Münchner Rundfunkorchester Keri-Lynn Wilson, Leitung "


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BR-Klassik

Herausragende Musikaufnahmen der drei Klangkörper des Bayerischen Rundfunks werden unter einer gemeinsamen Marke den Musikfreunden angeboten. Das Label heißt BR-KLASSIK. Zum Start sind acht Tonträger sowie eine DVD am 18. September 2009 veröffentlicht worden. Mittlerweile umfasst der gesamte Katalog über 150 Aufnahmen.

Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, das Münchner Rundfunkorchester und der Chor des Bayerischen Rundfunks genießen sowohl in der Region als auch international einen außergewöhnlichen Ruf in Bezug auf Qualität, künstlerische Kreativität und die Vermittlung von klassischer Musik. Im Konzertsaal und in Hörfunk- und Fernsehübertragungen sind die drei Klangkörper regelmäßig zu hören. Herausragende Konzerte, besonders gelungene Interpretationen und selten zu hörende Werke werden nun unter der gemeinsamen Marke BR-KLASSIK auf dem hauseigenen Label dokumentiert.

Das CD-Label BR-KLASSIK ist organisatorisch bei der BRmedia Service GmbH angesiedelt, dem für die Zweitverwertungen zuständigen Tochterunternehmen des Bayerischen Rundfunks, und wird von Stefan Piendl als Label-Manager geleitet. Mit ihm konnte der Bayerische Rundfunk einen erfolgreichen, externen Experten mit umfassender, internationaler Erfahrung für die Mitwirkung an seinem neuen Label BR-KLASSIK gewinnen.

In der Reihe BR-KLASSIK ARCHIVE bringt das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks historische Aufnahmen des Labels zu Gehör. Z.B. war an zwei denkwürdigen Konzertabenden die Pianistin Martha Argerich zu Gast, 1973 unter Leitung von Eugen Jochum mit Mozarts Klavierkonzert KV 456 sowie zehn Jahre später mit Beethovens Klavierkonzert Nr. 1 unter Seiji Ozawa.

Im Vertrieb werden die Neuerscheinungen von BR-KLASSIK weltweit durch NAXOS betreut. Damit ist eine bestmögliche Präsenz auf allen wichtigen internationalen Märkten gewährleistet. Zu einer modernen Vertriebsstruktur gehört selbstverständlich auch die Möglichkeit des digitalen Downloads über Musikportale wie iTunes, Spotify u.a.. Auch dieser Vertriebsweg wird über die Firma NAXOS erschlossen. Die Naxos Music Library präsentiert zudem für Universitäten und öffentliche Bibliotheken via Internet einen ständig wachsenden Katalog mit Tausenden von Titeln weltweit führender Labels. Studenten, Lehrpersonal und andere Benutzer können sich jederzeit einloggen und in der Bibliothek, im Hörsaal, im Studentenwohnheim, im Büro oder zu Hause das komplette Repertoire abrufen - auch die Aufnahmen von BR-KLASSIK.


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