> > > Gounod, Charles: La nonne sanglante: accentus Insula orchestra, Laurence Equilbey
Samstag, 25. Januar 2020

Gounod, Charles: La nonne sanglante - accentus Insula orchestra, Laurence Equilbey

Gruselig


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Dirigentin Laurence Equilbey rettet eine mediokre Gounod-Inszenierung durch ausgezeichnete musikalische Wiedergabe.

Das Opernschaffen von Charles Gounod ist immer wieder für eine Entdeckung gut. Früher höchst erfolgreich, vereint 'La nonne sanglante' (1854) auch musikalisch Elemente der frühromantischen Schaueroper mit jenen der Grand Opéra (vergleichbar auch etwa Meyerbeers 'Robert le diable'). Die Sühnung einer Bluttat unter zentraler Mitwirkung der (Un)Toten bietet reichlich Stoff zur Charakterzeichnung, zu Verwicklungen und zum Schluss auch einer ‚Erlösung‘. Das heute selten aufgeführte Werk ist hier in einem Mitschnitt aus der Opéra comique Paris von 2018 zu erleben – fast zwangsläufig mit Eingriffen in den Notentext (auch Kürzungen) und den heute üblichen Regiemätzchen und ohne die damals selbstverständliche opulente Ausstattung (Inszenierung: David Bobée). Die Vorgeschichte der Oper, die sich eigentlich von selbst ergeben sollte, wird in die Ouvertüre verlegt – um die Handlung ‚verständlicher zu machen‘ – in Wirklichkeit ihr erschreckend viel von ihrem Charme nimmt. Natürlich verzichtet die Regie auch auf die Verklärung der Nonne und ihres einstigen Mörders, der sich nun selbst zum Opfer ergeben hat.

Hochkarätiger Tenor

Die Dirigentin Laurence Equilbey führt das Insula orchestra zu Höchstleistungen – ihr ‚eigener‘ Chor accentus (Chordirektion: Christophe Grapperon) kann an marginalen dramatischen Stellen da nicht ganz mithalten, ist aber in den lyrischen Momenten von hoher Prägnanz und steter Klangschönheit (man spürt jeden Moment Equilbeys Ausbildung bei den besten der Chorleitung). Mit Michael Spyres als Rodolphe kann die Produktion auf einen der derzeit gefragtesten Tenöre zur französischen Oper zugreifen, einen darstellerisch wie musikalisch hochkarätigen Sänger, der die Qualitäten der Musik in schönster Weise realisiert. Der Sänger verfügt über lyrische Wärme, aber auch über heroische Attacke, die in Spitzentönen kulminieren kann, die immer von hoher Kultur sind. Jederzeit überzeugt er in der an Schwierigkeiten (dramaturgischen wie vokalen) reichen Partitur, in Momenten nahe am Wahn(sinn), der Verzweiflung, des Überschwangs.

Als geliebte Agnès, die zunächst Rodolphes Bruder Théobald versprochen ist, kann Vannina Santoni apartes Timbre und eine in jeder Lage gut ansprechende Stimme beisteuern; eigentlich wünscht man sich mehr Momente, wo man sie in der Oper erleben darf. Luc Bertin-Hugault als Graf von Luddorf bietet geschmeidigen leichten Bass auf, der ihm kaum Statur gibt, während Jérôme Boutillier als Baron von Moldaw darstellerisch wie vokal deutlich stärker überzeugt. Darstellerische Stärke überwiegt im Falle der Altistin Marion Lebègue als Nonne, die stimmlich nur weniger Facetten fähig ist. Das Timbre des Baritons Jean Teitgen als Pierre der Eremit ist jenem der beiden Adeligen klanglich zu ähnlich, als dass gerade der Opernbeginn klaren Charakter gewänne. Überzeugender ist der Tenor Enguerrand de Hys, der als Nachtwächter vokal stärker die religiöse Komponente zu transportieren vermag als Teitgen. Zusammen mit Olivia Doray macht Hys viel aus dem ‚Bauernpaar‘ Anna/Fritz, das hier zu Rodolphes Albtraum wird. Die Sopranistin Jodie Devos bietet einen charmanten Beitrag in der anspruchsvollen Partie des Pagen Arthur. Leider gestatten weder Equilbey noch die Regie dem Sänger des Théobald (Vincent Eveno) einen angemessenen Bereich an interpretatorischer Entfaltung, was der Pikanterie der Gesamtsituation deutlich abträglich ist.

Das Booklet transportiert das Regiekonzept stärker als das Konzept der Oper selbst – insbesondere die Inhaltsangabe ist unangemessen kurz. Kein Bonus jenseits der Untertitelung. Musikalisch wird die Produktion (trotz der Eingriffe in den Notentext) auf dem an Einspielungen und Mitschnitten ausgesprochen armen Tonträgermarkt sicher länger von Wert bleiben als in der visuellen Inkarnation.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Features:
Regie:







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    Gounod, Charles: La nonne sanglante: accentus Insula orchestra, Laurence Equilbey

Label:
Anzahl Medien:
Naxos
1
Medium:
EAN:

DVD
747313563258


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Gounod, Charles


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Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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