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Freitag, 24. September 2021

Fall - Ensemble Musikfabrik, Clement Power, Emilio Pomarico

Musikalischer Metadiskurs


Label/Verlag: WERGO
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ein bedeutender skurriler Beitrag in der Edition Musikfabrik.

Folge 16 der Edition Musikfabrik mit dem knappen Sammeltitel 'Fall' umfasst drei ganz unterschiedliche Kompositionen ganz unterschiedlichen Anspruchs. Während 'La chute d’Icare' von Brian Ferneyhough (1987/88, hier dirigiert von Diego Masson) sich ganz in die musikhistorische Tradition stellt, klanglich gleichzeitig ganz jetztzeitig ist, erkundet Stephan Winkler in 'Von der Gewissensnot der Insekten' (2012, unter der Leitung des Londoners Clement Power) die instrumentale Verklanglichung von ‚Sprache‘, sozusagen um einen musikalischen Metadiskurs (inspiriert wurde Winkler durch ein Streitgespräch zwischen dem Linguisten Noam Chomsky und dem Philosophen Michel Foucault).

Oscar Bettisons 'Livre des Sauvages' (2012, unter der Leitung Emilio Pomaricos) spreizt den Diskurs über ein im 19. Jahrhundert durch einen französischen Missionar in Kanada entdecktes Schriftstück, das dieser einer vergangenen Spezies zuschrieb (und gleichzeitig die Tatsache, dass es in deutscher Kurrentschrift geschrieben und in ihm klar lesbare Namen und Wörter auftauchen, unterschlug). Die musikalische Ironie knüpft hörbar an Darius Milhaud an und leitet nicht zuletzt hieraus ihren Witz ab. Tiefer verbunden sind die drei vorgestellten Werke nicht, die aber die musikalischen Fähigkeiten und Fertigkeiten des Edition Musikfabrik in vorzüglichster Weise erhellen. Es mag von Interesse sein, dass der Digipack der vorliegenden Produktion in den Händen des Rezensenten zerfallen ist.


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Fall: Ensemble Musikfabrik, Clement Power, Emilio Pomarico

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
WERGO
1
05.07.2019
Medium:
EAN:
CD
4010228686920

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Ferneyhough, Bryan
Winkler, Stephan


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WERGO

Als 1962 die erste Veröffentlichung des Labels WERGO erschien - Schönbergs "Pierrot lunaire" mit der Domaine musicale unter Pierre Boulez -, war dies ein Wagnis, dessen Ausgang nicht abzusehen war. Werner Goldschmidt, ein Kunsthistoriker, Sammler und Enthusiast im besten Sinne, war es, der - gemeinsam mit dem Musikwissenschaftler Helmut Kirchmayer - den Grundstein zu dem Label legte, das seit inzwischen 50 Jahren zu den führenden Labels mit Musik unserer Zeit zählt.
Noch immer hält WERGO am Anspruch, unter den Goldschmidt seine "studioreihe neue musik" gestellt hatte, fest: die hörende wie lesende Beschäftigung mit der neuen Musik anzuregen und in Produktionen herausragender InterpretInnen und von FachautorInnen verfassten ausführlichen Werkkommentaren zu dokumentieren.
Auf mehr als 30 Schallplatten kam die Reihe mit roter und schwarzer Schrift auf weißem Cover, dann wurde die Unternehmung zu groß für einen Einzelnen. Seit 1967 engagierte sich der Musikverlag Schott zunehmend für das Label, 1970 schließlich nahm Schott das Label ganz in seine Obhut. Seither wurden mehr als 600 Produktionen veröffentlicht, die ungezählte Preise erhalten haben und ein bedeutendes Archiv der Musik des 20. und 21. Jahrhunderts darstellen.
Kaum einer der arrivierten zeitgenössischen Komponisten fehlt im Katalog. Ergänzt wird dieser Katalog seit 1986 durch die inzwischen auf über 80 Porträt-CDs angewachsene "Edition Zeitgenössische Musik" des Deutschen Musikrats, die mit Werken junger deutscher KomponistInnen bekannt macht. Neben dieser Zusammenarbeit bestehen Kooperationen mit dem Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe ("Edition ZKM") und dem Studio für Akustische Kunst des Westdeutschen Rundfunks ("Ars Acustica"). Im Bereich "Weltmusik" kooperiert WERGO eng mit dem Berliner Haus der Kulturen der Welt und der Abteilung Musik des Ethnologischen Museums Berlin. Die "Jewish Music Series" stellt die vielfältigen Musiktraditionen der jüdischen Bevölkerungen der Kontinente in ihrer ganzen Bandbreite vor. Zahlreiche Veröffentlichungen mit Computermusik sind in der Reihe "Digital Music Digital" erschienen. Neue Editionen wie die legendäre "Contemporary Sound Series" des Komponisten Earle Brown oder die des Ensembles musikFabrik kamen in den vergangenen Jahren hinzu.
Die Diversifizierung, die das Programm von WERGO seit seiner Gründung erfahren hat, ist der Weitung des zeitgenössischen musikalischen Bewusstseins ebenso geschuldet wie sie zu dieser stets beitrug - eine Aufgabe, der sich WERGO auch in Zukunft verpflichtet fühlt.


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