> > > Weber, Carl Maria von: Oberon: Stadttheater Gießen, Michael Hofstetter
Sonntag, 17. November 2019

Weber, Carl Maria von: Oberon - Stadttheater Gießen, Michael Hofstetter

Zauberhaft authentisch


Label/Verlag: OehmsClassics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Dieser Gießener 'Oberon' ist ein Projekt, das sich ungeniert neben die wenigen großen Vorgänger auf dem Plattenmarkt stellen kann und dabei so manche ältere Einspielung an Authentizität und Konsequenz übertrifft.

Endlich kommt mal wieder eine aktuelle Produktion von Carl Maria von Webers 'Oberon' auf CD heraus. Die letzte Gesamteinspielung unter der Leitung von John Eliot Gardiner stammt aus dem Jahr 2002, und sie ist neben Rafaels Kubeliks BR-Einspielung von 1970 und den 'Oberon'-Versuchen von Marek Janowski und James Conlon in überschaubarer Gesellschaft einiger weniger historischer Mitschnitte. Restlos überzeugend ist kaum eine der bisherigen Aufnahmen, irgendein Manko gibt es immer – sei es sprachlicher bzw. vokaler Natur oder sei es einfach der Tatsache geschuldet, dass Webers 'Oberon' in seiner Nummernstruktur und recht losen Dramaturgie schwierig zu greifen ist. Die Dialoge der deutschen Übertragung machen selten Freude, helfen auch nur bedingt weiter, weil zahlreiche Personen zu Wort kommen, die sich dann musikalisch nicht beteiligen. Die Verwirrung wird dadurch nicht kleiner. Wie schön, wenn wie in der vorliegenden Neueinspielung beim Label Oehms ein konsequenter Weg gefunden wird, Webers herrlicher Musik zu ihrem Recht zu verhelfen und die Handlungsstationen knapp und zweckdienlich abzuhandeln.

Schlanker, lebendiger Klang

Diese Gießener Produktion vom Dezember 2016 und Januar 2017 überzeugt in ihrer Konzeption und bietet einen schlanken wie lebendigen Klang, der Webers Orientmärchen von aller Erdenschwere befreit. Das wird schon in der Ouvertüre deutlich, die luftig und virtuos zu federn beginnt. Da klingt Webers Komposition unerhört frisch und mutig. Michael Hofstetter liefert am Pult seiner Philharmonischen Orchesters Gießen eine schwungvolle und detailverliebte Interpretation, die der spezifischen Atmosphäre des 'Oberon' wegen auf Originalinstrumente setzt: Naturhörner, Naturtrompeten, Holzflöten und eng mensurierte Posaunen, wie Hofstetter im Beiheft bemerkt.

Die mitreißende Ouvertüre ist aber nur der Startpunkt für ein abstruses Märchenabenteuer, in dem hier die sechs handelnden Charaktere eine stimmlich mehr als gute Figur machen. Was alle Solisten gemeinsam haben, ist die klare Artikulation, eine Achtsamkeit und Genauigkeit, neben kunstvollem Gesang auch Inhalte zu vermitteln. Das ist ungemein wohltuend und verdient besondere Beachtung. Eindrucksvoll bewältigt Mirko Roschkowski die fordernde Partie des Hüon von Bordeaux. Er ist kein kraftvoller Heldentenor mit der stimmlichen Potenz eines Helge Rosvaenge oder Placido Domingo in dieser Rolle, aber Roschkowski ist ein kluger Gestalter und Stilist. Sein Hüon bleibt im Kern ein empfindsamer junger Mann, der Heldentaten vollbringt und dabei an seine emotionalen Grenzen stößt. Selten hat man Hüons Gebet so innig und zart gehört. Und auch das markige 'Von Jugend auf im Kampfgefild‘' differenziert der Tenor mit Feingefühl und Liebe zum Detail. Allein wie er verführerisch in der Höhe die Kopfstimme beimischt, bevor er durchaus heldisch zupacken kann und sein durchdringendes Metall unter Beweis stellt, ist das Hören dieses Mitschnitts wert.

Fulminante ‚Ozean-Arie‘

Die Rezia von Dorothea Maria Marx steht dem Kollegen in nichts nach. Auch sie ist ‚leichter‘ besetzt, als man das bei Rezia ansonsten gewohnt ist. Aber dieser Umstand unterstreicht effektvoll Rezias Jugendlichkeit und für die Sängerin, die auch die Königin der Nacht, die Lucia di Lammermoor und Verdis Violetta und Gilda im Repertoire hat, sind all die Läufe und Spitzentöne keine Hürden. Zupacken kann sie allemal: Fulminant, wie sie sich der dramatischen ‚Ozean-Arie‘ entledigt und wie anrührend ihr das 'Traure, mein Herz' gelingt. Da vermisst man nur wenige Rollenvorgängerinnen.

Auch die Fatime und der Scherasmin sind hervorragend aus dem Gießener Ensemble besetzt: Marie Seidler punktet mit warmem und seelenvollem Mezzosopran, dem die orientalischen ‚Al! Al!‘-Rufe so komödiantisch leicht gelingen wie einst einer Hetty Plümacher. Und Grga Peroš glänzt mit edlem vokalem Balsam – vielleicht fast eine Spur zu schön und die Komik des Scherasmin leicht unterlaufend. Dafür greift sich Clemens Kerschbaumers charaktervoll eleganter Oberon alles, was mit einer feinen Prise Komik und Laszivität gewürzt werden kann. Und mit der Besetzung des Puck gelingt der Gießener Produktion ein wirklicher Theatercoup: Der Countertenor Dmitry Egorov ist die akustisch perfekte Verkörperung des schelmischen, so gar nicht alltäglichen Waldgeistes. Anstelle der holprigen Dialoge führt Roman Kurtz als sachlicher, wenngleich atmosphärischer Erzähler durch das Werk.

Hofstetters Gießener 'Oberon' ist ein Projekt, das sich ungeniert neben die wenigen großen Vorgänger auf dem Plattenmarkt stellen kann, und dabei so manche ältere Einspielung an Authentizität und Konsequenz übertrifft.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Weber, Carl Maria von: Oberon: Stadttheater Gießen, Michael Hofstetter

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
OehmsClassics
1
12.07.2019
Medium:
EAN:

CD
4260034869844


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Weber, Carl Maria von


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OehmsClassics

Ein erfülltes Leben ist ohne Musik kaum denkbar. Musik spiegelt unsere Wahrnehmung der Umwelt und die Realität heutiger wie vergangener Zeiten. Gute Musik ist immer neu, immer frisch, immer wieder entdeckenswert. Deshalb bin ich überzeugt: Es gibt nicht -die- eine, definitive, beste Interpretation der großen Werke der Musikgeschichte. Und genau das macht klassische Musik so spannend: Jede Musikergenerationen experimentiert, entdeckt neue Blickwinkel, setzt unterschiedliche Schwerpunkte - derselbe Notentext wird immer wieder von anderen Strömungen belebt.

Deshalb ist ein Musikstück, egal aus welchem Jahrhundert, auch immer Neue Musik. OehmsClassics hat es sich zur Aufgabe gemacht, am Entdecken der neuen Seiten der klassischen Musik mitzuwirken.

Unser Respekt vor den künstlerischen Leistungen der legendären Interpreten ist gewiss. Unser Ziel als junges CD-Label sehen wir jedoch darin, den interpretatorischen Stil der Gegenwart zu dokumentieren. Junge Künstler am Anfang einer internationalen Karriere und etablierte Künstler, die neue Blickwinkel in die Interpretationsgeschichte einbringen - sie unterstützen wir ganz besonders und geben ihnen ein Forum, um auf dem Tonträgermarkt präsent zu sein.

Sie, liebe Musikhörer, bekommen damit die Gelegenheit, heute die Musikaufführung zu Hause nachzuvollziehen, die Sie gestern erst im Konzertsaal oder Opernhaus gehört haben. Wir laden Sie ein, gemeinsam mit uns die neuen Seiten der klassischen Musik zu erleben!


Ihr
Dieter Oehms


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