> > > Busoni, Ferruccio: Piano Music Vol.11: Wolf Harden, Klavier
Donnerstag, 22. Oktober 2020

Busoni, Ferruccio: Piano Music Vol.11 - Wolf Harden, Klavier

Bach mit den Ohren Busonis


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die elfte und vorläufig vorletzte Folge der Busoni-Einspielungen durch Wolf Harden ist wiederum geprägt durch die Liebe des Komponisten zu Johann Sebastian Bach und die Kompetenz des Interpreten.

Die elfte und vorläufig vorletzte Folge der Busoni-Einspielungen durch Wolf Harden ist erneut geprägt durch die Liebe des Komponisten zu Johann Sebastian Bach. Schon die 'Sonata brevis' ist deutlich von Bach geprägt, Doch findet der Komponist hier durchaus eigene Formulierungen, die der musikalischen Sprache der Zeit entsprechen, in der der Komponist gelebt und gearbeitet hat. Wolf Harden, dem das gesamte pianistische Werk Busonis anvertraut ist, erweist sich wiederum als kompetenter Anwalt dieses Komponisten. Er interpretiert die Komposition sehr einfühlsam. Einerseits betont er mit heftigem Anschlag die Härten des Stückes, andererseits reagiert er mit pianistischer Leichtigkeit und Weichheit auf die idyllischen Passagen dieses Werkes. Die polyphonen Teile der Komposition musiziert er recht durchsichtig. Überhaupt ist die Sorgfalt zu loben, mit der der Pianist die emotionalen Anteile gestaltet.

'Preludio al Corale en Fuga sopra un frammento di Bach' ist eine verkürzte Version der 'Fantasia Contrappuntistica', befasst sich entsprechend mit dem berühmten Thema B-A-C-H, mit dem 'Die Kunst der Fuge' des Meisters schließt. Busoni komponiert dieses Ende des Bachschen Vorbildes aus und fügt Fugen hinzu, deren Themen in der einen oder anderen Weise von der Kunst der Fuge abgeleitet sind, am ohrenfälligsten in der vierten Fuge. Das alles musiziert der Pianist unprätentiös und mit dynamischer Zurückhaltung und Nachdenklichkeit sowie großer Einsicht in die polyphonen Strukturen.

Makellose Sechzehntelketten

Wolf Harden fügt die Bearbeitung von 'Präludium, Fuge und Allegro' in Es-Dur hinzu. Es handelt sich hier ursprünglich um eine Komposition für Laute. Busoni lässt den Pianisten die Komposition Bachs zum größten Teil in der Originalversion spielen; nur an wenigen Stellen modifiziert er die Komposition; außerdem erlaubt er sich Freiheiten im Ablauf der drei Stücke. Das Klavier klingt hier wieder eher weich. Bewundernswert sind die makellosen Sechzehntelketten, die das Stück enthält.

Den Schluss der Aufnahme bilden zehn Choralvorspiele, in denen Busoni Choralbearbeitungen für das Klavier adaptiert. Die Tugenden des Pianisten kommen auch hier vollauf zur Geltung. Die Bearbeitungen durch Busoni, auch hier die wörtliche Übertragung der Orgelsätze auf das Klavier, sind als Zyklus gedacht, sie können jedoch auch einzeln gespielt werden. Mit großer Virtuosität wird die Bearbeitung des Chorals 'Nun freut euch, lieben Christen' gespielt, wieder mit blendend ausgespielten Sechzehntelketten. Auch die langsamen Choräle finden bei Wolf Harden einen einfühlsamen Interpreten.

In einer Zeit der historisch informierten Interpretation ragen die Bearbeitungen Busonis wie Fremdkörper hervor. Doch sind auch diese Bearbeitungen historisch, insofern sie das Verständnis der Bachschen Musik in der Spätromantik offenbaren. Es wird bei dieser Aufnahme deutlich, dass auch dieser Zugang zur Musik Bachs legitim ist. Jedenfalls macht Wolf Harden dies in seiner Interpretation hörbar.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Busoni, Ferruccio: Piano Music Vol.11: Wolf Harden, Klavier

Label:
Anzahl Medien:
Naxos
1
Medium:
EAN:

CD
747313398270


Cover vergössern

Busoni, Ferruccio


Cover vergössern

Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Naxos:

  • Zur Kritik... Liebesidylle auf der Alm : Dario Salvi hält mit der CD-Premiere der Oper 'Jery und Bätely' ein überzeugendes Plädoyer für die vergessene Komponistin Ingeborg von Bronsart. Weiter...
    (Karin Coper, )
  • Zur Kritik... Ein Oratorium in Gedenken an die Sklaverei: Paul Moravecs Oratorium 'Sanctuary Road' zeichnet musikalisch die Fluchtschicksale von Sklaven nach. Weiter...
    (Michaela Schabel, )
  • Zur Kritik... Zu wenig Abwechslung: Die hier zu hörenden fünf Violinkonzerte von Myroslaw Skoryk werden zwar solide musiziert, ähneln sich aber zu sehr, als dass man sie empfehlen könnte. Weiter...
    (Dr. Michael Loos, )
blättern

Alle Kritiken von Naxos...

Weitere CD-Besprechungen von Diederich Lüken:

  • Zur Kritik... Lutherische Marienverehrung: Diese CD enthält eine Huldigung Mariens in verschiedenen Kompositionen zu verschiedenen Zeiten. Dabei sind Entdeckungen zu machen, eröffnet durch einen ambitionierten Chor. Weiter...
    (Diederich Lüken, )
  • Zur Kritik... Gelungene Transkriptionen: Dass Johann Sebastian Bachs Musik durch Bearbeitungen nicht kaputtzukriegen ist, hat sich seit Jahren herumgesprochen. Das Cellini Consort hat nun eine Version für drei Gamben erstellt – durchaus erfolgreich. Weiter...
    (Diederich Lüken, )
  • Zur Kritik... Unter dem Sternenmantel: Franziskanische Orgelmusik aus den USA: Erik Simmons lässt die wohltönenden, aber auch wenig abwechslungsreichen Klänge von Carson Cooman in das Ohr des Hörers träufeln. Weiter...
    (Diederich Lüken, )
blättern

Alle Kritiken von Diederich Lüken...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Auf der Suche nach dem richtigen Stil: Mit seiner Neueinspielung von Carl Reineckes Erster Sinfonie macht sich cpo selbst Konkurrenz. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Plastische Glaubensbekundungen : Von eindrucksvoller kompositorischer Dichte und Ausdrucksvielfalt sind die beiden Symphonien, die Bernstein in recht jungem Alter schrieb. Die Arktische Philharmonie unter Christian Lindberg spielt das keineswegs unterkühlt in gigantischem SACD aus. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
  • Zur Kritik... Liebesidylle auf der Alm : Dario Salvi hält mit der CD-Premiere der Oper 'Jery und Bätely' ein überzeugendes Plädoyer für die vergessene Komponistin Ingeborg von Bronsart. Weiter...
    (Karin Coper, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (10/2020) herunterladen (3612 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich