> > > Marienmusik aus dem Evangelischen Dom St.Marien zu Wurzen: Jugendkantorei des Wurzener Domes, Johannes Dickert
Donnerstag, 22. Oktober 2020

Marienmusik aus dem Evangelischen Dom St.Marien zu Wurzen - Jugendkantorei des Wurzener Domes, Johannes Dickert

Lutherische Marienverehrung


Label/Verlag: Querstand
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Diese CD enthält eine Huldigung Mariens in verschiedenen Kompositionen zu verschiedenen Zeiten. Dabei sind Entdeckungen zu machen, eröffnet durch einen ambitionierten Chor.

Die reizvolle Idee der vorliegenden CD besteht darin, die lutherische Verehrung Mariens durch die Jahrhunderte hin darzustellen. Dabei enthält sie Kompositionen von Komponisten, die nicht einmal dem Namen nach bekannt sind, so wie Józef Swider (*1954) oder Vytautas Miskinis (1930-2014). Die Lebensdaten dieser Komponisten mögen nicht dazu verführen, hier eine avanciert moderne Musik zu erwarten – sie ist rückwärtsgewandt. Es sind Sätze, die von einer ambitionierten Kantorei, also von musikalischen Laien ausführbar sind. Darin haben sie ihre Berechtigung und ihre Qualität.

Ein Laienchor ist es dann auch, die diese und die anderen Kompositionen aufführt, unter dem Dirigat des Kirchenmusikdirektors Johannes Dickert. Es handelt sich um die Jugendkantorei des Wurzener Doms. Sie besteht aus etwa 40 Sängerinnen und Sängern zwischen 16 und 30 Jahren. Einige von ihnen haben den Laienstatus verlassen und studieren in verschiedenen Städten Mitteldeutschlands. Es ist kein ganz kleiner Chor, aber auch kein großer. Ein typischer Chorklang stellt sich ein, so wie man es gewohnt ist, aber in hoher Qualität. Die Intonation ist sehr gut, die Höhen sind manchmal ein wenig gepresst – das kann man getrost überhören. An anderer Stelle sind sie dann rein und volltönend. An ein, zwei Stellen klingt der Chor ein wenig forciert. An wenigen Stellen leistet er sich auch ein etwas poltriges Portato, wo ich lieber ein Legato gehört hätte. Das sind aber nur kleine Einwände an einer Chorleistung, die durch und durch hörenswert ist.

Breites Spektrum

Das Programm beginnt mit Werken vom Ende des 15. und dem 16. Jahrhundert: Michael Lohr, Andreas Hammerschmidt, Heinrich Schütz und Hans Leo Hassler. Darauf folgen Werke aus der Zeit der Romantik: Felix Mendelssohn-Bartholdy, Joseph Gabriel Rheinberger und Carl Martin Reinthaler. Drei Gospels folgen; hier der Chor zeigt sich hier fast völlig verändert, der so andersartigen Musik angemessen, ja, auch mitreißend. Im 20. Jahrhundert angelangt, kehrt der Chor zu seinem ‚normalen‘ Klang zurück. Einige Sätze werden von einer Truhenorgel begleitet. Bemerkenswert ist eine Vertonung des Magnificat von Charles Villiers Standford. Hier verlässt die Orgel den Status der Begleitung und wird zum gleichberechtigten Partner des Chores.

Garniert wird das Programm mit Orgelwerken: Dietrich Buxtehude mit einem Magnificat, Johann Sebastian Bach mit 'Meine Seele erhebt den Herrn' BWV648 und César Franck mit drei Sätzen aus der Sammlung 'L'Organist'. Das wird sehr achtbar gespielt ,ohne irgendwelche Besonderheiten. Immer dann, wenn ein neues Zeitalter beginnt, wird die Orgelmusik gleichsam als Angelpunkt eingesetzt.

Eine besondere Erwähnung verdient das Booklet. Es enthält ein umfangreiches, lesenswertes Essay über die reformatorische Marienverehrung. Die Geschichte der Orgel zu Wurzen kommt hinzu, allerdings ohne Disposition und Registrierungen. Alle Texte sind abgedruckt und die Vitae der Ausführenden sind verzeichnet. Insgesamt handelt es sich um eine empfehlenswerte Aufnahme für Liebhaber von Kirchenmusik und Chorklang.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Marienmusik aus dem Evangelischen Dom St.Marien zu Wurzen: Jugendkantorei des Wurzener Domes, Johannes Dickert

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Querstand
1
12.06.2019
Medium:
EAN:

CD
4025796019032


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Querstand

Mit viel Liebe zum Detail bringt das querstand-Label dem interessierten Hörer die Vielfalt und Schönheit der klassischen Musik auf wenig ausgetretenen Pfaden näher. Das Label hat sich seit 1994 durch die Produktion hochwertiger klassischer CDs einen ausgezeichneten Ruf erworben. Über 500 Produktionen werden weltweit vertrieben, wobei ein Augenmerk auf Orgelmusik liegt. Die Gesamteinspielung der Orgelwerke von Johann Ludwig Krebs (bisher 11 CDs) und des Kantaten- und Orchesterwerkes des berühmten Bachschülers bilden ein Glanzlicht des Labels, dem mit der Serie ?Die Orgeln von Gottfried Silbermann? (8 CDs) ein weiteres zur Seite gestellt wurde (Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik 2003). Auch im kammermusikalischen und sinfonischen Bereich wurden zahlreiche CDs veröffentlicht, etwa mit dem Gewandhausorchester Leipzig. Mit der Aufnahme des Passionsoratoriums ?Der Tod Jesu? von Carl Heinrich Graun mit dem MDR Rundfunkchor und dem MDR Sinfonieorchester unter Howard Arman gewann das Label 2005 einen ECHO Klassik-Award. Im Jahre 2013 erhielt die 9-CD-Box mit allen Sinfonien Anton Bruckners, eingespielt von Herbert Blomstedt mit dem Gewandhausorchester Leipzig, den ICMA (International Classical Music Award). Mit Verlagssitz im Thüringischen Altenburg kann querstand von der einzigartigen Vielfalt der mitteldeutschen Musiklandschaft profitieren, die sich auch im Verlagsprogramm niederschlägt. Neben den vielseitigen Einflüssen der fantastischen Orgellandschaft der Region, ist es auch die Nähe zur Musikstadt Leipzig mit ihrer wunderbaren Tradition und facettenreichen Szene, auf die das Label besonderes Augenmerk richtet.


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