> > > Jean Louis Nicode: Ein Liebesleben: Simon Callaghan, Klavier
Donnerstag, 14. November 2019

Jean Louis Nicode: Ein Liebesleben - Simon Callaghan, Klavier

Auf Schumanns Spuren


Label/Verlag: Hyperion
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ein genialer Innovator war Jean Louis Nicodé nicht, er wandelte vor allem auf Robert Schumanns Spuren. Als Epigone im besten Sinne hat er aber Beachtung verdient, wie Simon Callaghan mit dieser Werkauswahl demonstriert.

Simon Callaghan hat sich wie nur wenige Pianisten auf selten gespieltes Repertoire spezialisiert. Seine Diskographie umfasst unter anderem Konzerte von Roger Sacheverell Coke und Bernhard Scholz, zwei Komponisten, die heute völlig in Vergessenheit geraten sind. Dies kann man auch von Jean Louis Nicodé behaupten, jenem 1853 in Posen geborenen und 1919 in Dresden verstorbenen Tondichter, dem Callaghans neue CD gewidmet ist. Nicodés Œuvre ist vergleichsweise schmal und umfasst 34 Werke mit Opuszahl; Klavierwerke spielen darin die Hauptrolle. Die drei hier zu hörenden Kompositionen zeigen Nicodé als Nachfolger von Schumann und Brahms, wobei Ersterer auch ganz direkt als Vorbild genannt wird im 'Andenken an Robert Schumann' op. 6, einer Clara Schumann gewidmeten Sammlung von sechs Klavierstücken. Daneben erklingen die Variationen mit Fuge über ein Original-Thema op. 18 und der Zyklus 'Ein Liebesleben' op. 22, eine Sammlung von – wie es im Original heißt – ‚zehn Poësieen‘, heute würde man wohl eher von ‚Charakterstücken‘ sprechen.

Geniale Imitation

Die sechs Klavierstücke op. 6 erinnern so deutlich an Schumann (etwa an die 'Davidsbündlertänze' oder den 'Carnaval'), dass Nicodés persönliche Handschrift kaum noch zu erkennen ist. Dabei muss keineswegs zwingend schlechte Musik herauskommen, eine geniale Imitation kann – wenn auch nachschöpferisch – immer noch genial sein. Callaghan tut jedenfalls alles, was ein Interpret tun kann, um einen gelungenen Eindruck dieser Musik zu hinterlassen: Er agiert technisch souverän und mit einer hohen dynamischen Bandbreite, behält auch bei dichten Akkorden den Überblick und profitiert zudem von einem guten Klangbild, das auch beim abschließenden, virtuosen Stück ('Energisch, wild') für einen natürlichen Klang des Instrumentes sorgt. So erklingt Nicodés op. 6 als überzeugende Sammlung von sechs Stücken im Geiste Schumanns, die ihr Vorbild in den besten Momenten (fast) erreichen. Für jeden Musikfreund könnte es ein reizvolles Experiment sein, hier beim Blindhören den Komponisten raten zu lassen: Praktisch jeder Hörer, der auch nur ein wenig mit Schumanns Werk vertraut ist, würde hier auf Schumann tippen.

Beherrscher der Form

 

Individueller, aber auch weniger packend präsentieren sich die Variationen mit Fuge op. 18, ein Werk, in dem sich Nicodé als sicherer Beherrscher der Form zeigt. Dem relativ schlichten Thema gewinnt er elf abwechslungsreiche Variationen ab, bevor das Werk in einer (etwas langen) Fuge mündet. Auch hier beherrscht Callaghan die technischen und musikalischen Aspekte sicher, lässt sich die notwendige Zeit bei der Entfaltung der Melodien und bringt die vertrackte Fuge sicher ins Ziel. Etwas blasser, etwas weniger raffiniert als das op. 6 wirken die Variationen dennoch. Man bekommt fast ein wenig das Gefühl, Nicodé sei dann als Komponist am besten gewesen, wenn er sich am Stil eines Kollegen orientieren konnte. So auch beim 'Liebesleben', wo neben erneut Schumann auch Chopin seine Spuren hinterlassen hat. Die nicht nur dem Titel nach sehr lyrischen Stücke tragen zeittypische Überschriften wie 'Lied der Sehnsucht' oder 'Traum und Erwachen' und überzeugen durchaus mit ihrer musikalischen Substanz, wenn auch die Salonmusik hier und da gestreift wird. Callaghans Interpretation holt das Maximum aus diesen Miniaturen heraus, feinste dynamische Nuancierung gelingt dem britischen Pianisten ebenso wie ein geschmackvolles Rubato, ein legitimes Mittel in dieser ihrem Tonfall nach eher hochromantischen als spätromantischen Musik – obwohl komponiert zu Beginn der Moderne.

Wer Schumann, Chopin oder Brahms schätzt, wird auch Jean Louis Nicodé in sein Herz schließen – so das Fazit dieser CD, die hundert Jahre nach dem Tod des Komponisten zumindest einige seiner Werke wieder zum Leben erweckt. Ob Nicodé zu Recht oder Unrecht vergessen wurde, sei dahingestellt. Wie die Musik so vieler anderer (Spät-)Romantiker war sein Schaffen spätestens nach 1945 nicht mehr gefragt, doch jeder aufgeschlossene Hörer ist mit dieser CD eingeladen, den Zeitgeschmack kritisch zu hinterfragen und sich erst nach Kenntnisnahme des Werkes (und nicht zuvor) ein Urteil zu bilden. Dass dieses Zur-Kenntnis-Nehmen überhaupt möglich ist, verdanken wir dem Forscherdrang eines Simon Callaghan, der hoffentlich noch viele weitere Entdeckungen dieses Kalibers nachreichen wird.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Jean Louis Nicode: Ein Liebesleben: Simon Callaghan, Klavier

Label:
Anzahl Medien:
Hyperion
1
Medium:
EAN:

CD
034571282695


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Hyperion

Founded in 1980, Hyperion is an independent British classical label devoted to presenting high-quality recordings of music of all styles and from all periods from the twelfth century to the twenty-first. We have been described as 'Britain’s brightest record label'. In January 1996 we were presented with the Best Label Award by MIDEM's Cannes Classiques Awards. The jury was made up of the editors of most of the leading classical CD magazines in the world - Classic CD (England), Soundscapes (Australia), Répertoire (France), FonoForum (Germany), Luister (Holland), Musica (Italy), Scherzo (Spain), and In Tune (USA & Japan).

We named our label after an altogether splendid figure from Greek mythology. Hyperion was one of the Titans, and the father of the sun and the moon - and also of the Muses, so we feel we are fulfilling his modern role by giving the art of music to the world.

The repertoire available on Hyperion, and its subsidiary label Helios (Helios, the sun, was the son of Hyperion), ranges over the entire spectrum of music - sacred and secular, choral and solo vocal, orchestral, chamber and instrumental - and much of it is unique to Hyperion. The catalogue currently comprises nearly 1400 CDs and approximately 80 new titles are issued each year. We have won many awards.

Our records are easily available throughout the world in those countries served by our distributors. A list of the world's top Hyperion dealers, listed by country and city, can be found on our homepage. But if you have any difficulty please get in touch with the distributor in your territory. In Germany that is Note 1 Music Gmbh.


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