> > > Tchaikovsky, Peter: Liturgy of St. John Chrysostom, Nine Sacred Choruses: Latvian Radio Choir, Sigvards Klava
Montag, 16. September 2019

Tchaikovsky, Peter: Liturgy of St. John Chrysostom, Nine Sacred Choruses - Latvian Radio Choir, Sigvards Klava

Kultiviert, aber nicht steril


Label/Verlag: Ondine
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Sigvards Klava und der lettische Radiochor präsentieren eine sehr gelungene Aufnahme mit geistlicher Chormusik von Pjotr Tschaikowskij.

Wirklich bekannt sind Tschaikowskijs Chorwerke ja nicht, und das gilt sogar für sein Hauptwerk auf diesem Feld, die 'Liturgie des heiligen Johannes Chrysostomos' op. 41. Hat man sich da beim Label Ondine vielleicht gedacht, es wird schon niemand merken, dass dies keine vollständige Aufführung ist? Jedenfalls sind auf einer neuen Platte nur zehn von eigentlich 15 Sätzen der Liturgie enthalten. Das ist zwar durchaus in Ordnung und überhaupt nicht ungewöhnlich, denn Tschaikowskijs Werk enthält einige Abschnitte, die im Grunde außerhalb eines liturgischen Kontextes, also nur für die konzertante Aufführung, wirklich nicht besonders interessant sind. Irgendwo erwähnen müsste man es allerdings schon, und das hielt man offenbar nicht für nötig.

Kultivierter Klang

Künstlerisch allerdings ist die Aufnahme ausgesprochen gelungen, und das war zu erwarten: Der lettische Radiochor klingt auf dieser erst im Januar aufgenommenen Platte strahlend und lässt, dirigiert von Sigvards Klava, die Klänge frei strömen. Technisch ist die Leistung der Sänger sehr gut. Der Gesamtklang wirkt unangestrengt, ohne Druck gesungen, dennoch kann der Chor aber, wenn nötig, Kraft und Wucht entfalten, wobei man hier freilich nicht die Maßstäbe älterer russischer Aufnahmen anlegen darf, in denen diese Seite oft sehr viel stärker betont wird: Einen quasi ekstatischen Klangrausch strebt der lettische Radiochor hier eindeutig nicht an, vielmehr einen stets kultivierten Klang, ohne dabei jedoch ins Sterile zu geraten. Dazu passen auch die Tempi dieser neuen Interpretation. Tschaikowskijs Werk ist, von wenigen Stellen abgesehen, durch ruhige Klänge, durch einen akkordischen Satz fast ohne rasche Bewegung geprägt, mit ‚gemächlich‘ lässt sich eine häufig vorkommende Vortragsbezeichnung übersetzen. Manche Interpreten verleitet das zu extrem breiten und langsamen Tempi, und das hat auch einen sehr starken Reiz. Sigvards Klava hält die Tempi mit seinem Chor hingegen eher flüssig, walzt sie ganz im Gegensatz zu manchen anderen Aufnahmen nie besonders breit aus.

Die Balance der Stimmgruppen scheint geradezu vorbildlich ausgewogen. Die Akustik der St. John‘s Church in Riga lässt keine Wünsche offen, sie verleiht dem Chorklang angenehmen Hall, dabei bleibt dennoch alles transparent und deutlich hörbar. Da hier, wie gesagt, keine vollständige und dazu auch noch eher rasch musizierte Interpretation vorliegt, ist auf der Platte noch Platz für Tschaikowskijs 'Neun geistliche Chöre'. Die klingen ganz anders, sind melodischer und insbesondere die Sopranstimme liegt meist nicht so hoch. Dem Chor kommt das ganz offenbar entgegen, denn diese Chöre wirken eher noch überzeugender. Das beginnt schon mit den drei überaus sanften und in weiten Teilen sehr ruhigen und leisen Gesängen der Cherubim. Ein Juwel ist in dieser Aufnahme besonders der vorletzte der Chöre, in dem drei solistische Sängerinnen die Strophen singen, während der ganze Chor mit einem gleichbleibenden ‚Refrain‘ antwortet. Das ist dank der Solistinnen großartig gelungen, leider werden allerdings nur die erste und vierte Strophe gesungen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Tchaikovsky, Peter: Liturgy of St. John Chrysostom, Nine Sacred Choruses: Latvian Radio Choir, Sigvards Klava

Label:
Anzahl Medien:
Ondine
1
Medium:
EAN:

CD
761195133620


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Tschaikowsky, Peter


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Ondine

The roots of Ondine date back to 1985 when founder Reijo Kiilunen released the very first Ondine album under the auspices of the renowned Finnish Kuhmo Chamber Music Festival. The label's initial mission was to produce one live album at the Festival each season. The fourth album, however, featured Einojuhani Rautavaara's opera Thomas (ODE 704-2), raising major international attention and opening the ground for overseas distribution. Kiilunen, who was running the Festival's concert agency and had begun the recording activity part-time, soon decided to devote himself fully to the development of this new business, producing and editing the first 50 releases himself. Since 2009 the company has been a part of the Naxos Group.

Today Ondine's extensive catalogue includes nearly 600 recordings of artists and ensembles such as conductor and pianist Christoph Eschenbach, conductors Vladimir Ashkenazy, Vasily Petrenko, Mikhail Pletnev, Esa-Pekka Salonen, Hannu Lintu, Jukka-Pekka Saraste, Sakari Oramo, Leif Segerstam and John Storgårds, orchestras such as The Philadelphia Orchestra, Orchestre de Paris, London Sinfonietta, Bavarian Radio Symphony Orchestra, BBC Symphony Orchestra, Los Angeles Philharmonic, Russian National Orchestra, Czech Philharmonic, Finnish Radio Symphony Orchestra, Helsinki Philharmonic and Tampere Philharmonic, sopranos Soile Isokoski and Karita Mattila, baritone Dmitri Hvorostovsky and Gerald Finley, violinist Christian Tetzlaff, violist David Aaron Carpenter, cellist Truls Mørk and pianist Olli Mustonen.

The label has also had a long and fruitful association with Finnish composers Einojuhani Rautavaara, Magnus Lindberg and Kaija Saariaho, having recorded the premieres of many of their works and garnering many awards along the way.


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