> > > Schumann, Clara: Klaviertranskriptionen: Jozef de Beenhouwer, Klavier
Sonntag, 20. Oktober 2019

Schumann, Clara: Klaviertranskriptionen - Jozef de Beenhouwer, Klavier

Dienerin der Meister


Label/Verlag: MDG
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Jozef De Beenhouwer ergänzt seine Diskografie der Klaviermusik Clara Schumanns um Klaviertranskriptionen von Kompositionen anderer.

In ihren Konzerten hat Clara Schumann naturgemäß auch Kompositionen anderer gespielt, die im Original nicht für Klavier solo gedacht waren; dies war gängige Praxis im 19. Jahrhundert und kam nach dem Zweiten Weltkrieg im ‚seriösen‘ Konzertleben in Verruf, ehe die Transkription, das Arrangement, die Paraphrase oder die Bearbeitung bei Musikern wie Forschern neues Interesse weckte. Joachim Draheim hat hier einen bunten Strauß gebunden, in dem die Musik Robert Schumanns fast naturgemäß zentralen Raum einnimmt, mit Transkriptionen von insgesamt sieben Stücken Schumanns für Pedalflügel (aus den Opera 56 und 58), insgesamt elf Liedtranskriptionen sowie dem zweihändigen Klavierauszug der Ouvertüre zur Oper 'Genoveva' op. 81.

Ergänzt wird diese ‚Schumanniade‘ durch Transkriptionen zweier Sätze aus den beiden Serenaden op. 11 bzw. 16 von Johannes Brahms, des 'Andante cantabile' aus William Sterndale Bennetts 'Three Diversions' op. 17/2 sowie ein kurzes Albumblatt Clara Schumanns selbst über den Choral 'Ein feste Burg ist unser Gott'. Anlässlich Clara Schumanns 200. Geburtstag ist diese brillant aufgenommene SACD eine wichtige Ergänzung ihrer Diskografie.

Bedächtige Tempi

Liedtranskriptionen und Klavierauszüge blieben bis in die Grammophon-Ära wichtiges Medium, um sich mit der Musik für ambitioniertere Besetzungen auseinanderzusetzen. Clara Schumann wusste um den Effekt, den solche Umarbeitungen machen sollten, und nutzte zur Realisierung all ihre technischen Fertigkeiten. Leider bietet Jozef De Beenhouwer, der sich umfassend mit Clara Schumanns Klavierschaffen auseinandergesetzt hat, im vorliegenden Fall keine Pianistik, die den legendären Fähigkeiten der Grande Dame formidable gemäß wären – gelegentlich bleibt die Gestaltung hinter den Möglichkeiten des Originals zurück ('Genoveva'-Ouvertüre), bleibt De Beenhouwers Spiel sozusagen indirekt verhangen – zumeist durch eine eher bedächtige Tempowahl (besonders auffallend etwa in 'Singet nicht in Trauertönen' – hier eher eine zurückhaltende Introspektion denn eine exuberante ‚Ode an die Freude‘), die in vielen Fällen, etwa in der berühmten 'Mondnacht', natürlich durchaus Effekt macht.

Merkwürdigerweise ist manchmal (etwa in den Brahms-Klavierauszügen) die Artikulation ein wenig trocken – sicher nicht in Einklang mit Clara Schumanns Intentionen (liegt es vielleicht am verwendeten Instrument? Leider erfahren wir über dieses im Booklet nichts). In sich schlüssiger geraten De Beenhouwer die Überarbeitungen genuiner Klavierkompositionen, allen voran die kontrapunktisch komplexen Stücke, die original für Pedalklavier entstanden, oder Bennetts ursprünglich vierhändiges Andante; hier kommt Schumanns Poesie, verbunden mit Clara Schumanns Eigenheiten (etwa der Arpeggierung von Akkorden, die Clara wegen ihrer kleineren Hände systematisch einführte), auf das Schönste zur Geltung, auch wenn man sich noch mehr Anschlagsvariationen und -nuancen hätte wünschen können. So verdienstvoll De Beenhouwers Dienst an Clara Schumanns Transkriptionstätigkeit an sich sein mag – es ist noch Luft nach oben und für eine Referenzeinspielung fehlt der Produktion denn doch noch das entscheidende Quantum.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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    Schumann, Clara: Klaviertranskriptionen: Jozef de Beenhouwer, Klavier

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Anzahl Medien:
MDG
1
Medium:
EAN:

CD
760623211565


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Schumann, Clara


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MDG

Die klangrealistische Tonaufnahme

»Den beim Sprechen oder Musizieren entstehenden Schall festzuhalten, um ihn zu konservieren und beliebig reproduzieren zu können, ist eine Idee, die seit langem die Menschen beschäftigte. Waren zunächst eher magische Aspekte im Spiel, die die Phantasie beflügelten wie etwa bei Giovanni deila Porta, der 1598 den Schall in Bleiröhren auffangen wollte, so führte mit fortschreitender Entwicklung naturwissenschaftlichen Denkens ein verhältnismäßig gerader Weg zur Lösung...« (Riemann Musiklexikon)

Seit Beginn der elektrischen Schallaufzeichnung ist der Tonmeister als »Klangregisseur« bei der Aufnahme natürlich dem Komponisten und dem Interpreten, aber auch dem Hörer verpflichtet. Die Mittel zur Tonaufzeichnung sind hinlänglich bekannt. Die Kriterien für ihren Einsatz bestimmt das Ohr. Deshalb für den Hörer hier eine Beschreibung unserer Hörvorstellung.

Lifehaftigkeit

In der Gewißheit, daß der Konzertsaal im Wohnzimmer (leider) nicht realisierbar ist, konzentriert sich unser Bemühen darauf, die Illusion einer Wirklichkeit zu vermitteln. Die Musik soll im Hörraum so wiedererstehen, daß spontan der Eindruck der Unmittelbarkeit entsteht, das lebendige Klanggeschehen mit der ganzen Atmosphäre der »Lifehaftigkeit« erlebt wird. Da wir praktisch ausschließlich menschliche Stimmen und »klassische« Instrumente - auch sie haben ihren Ursprung im Nachahmen der Stimme - aufnehmen, konzentriert sich unsere Klangvorstellung auf natürliche Klangbalance und tonale Ausgeglichenheit im Ganzen, und instrumentenhafte Klangtreue im Einzelnen. Darüber hinaus natürliche, ungebremste Dynamik und genaueste Auflösung auch der feinsten Spannungsbögen. Weitestgehend bestimmend für die Illusion der Lifehaftigkeit ist auch die Ortbarkeit der Klangquellen im Raum: freistehend, dreidimensional, realistisch.

Musik entsteht im Raum

Um diesen »Klangrealismus« einzufangen, ist bei den Aufnahmen von MDG eine natürliche Akustik unbedingte Voraussetzung. Mehr noch, für jede Produktion wird speziell in Hinblick auf die Besetzung und den Kompositionsstil der passende Aufnahmeraum ausgesucht. Anschließend wird »vor Ort« die optimale Plazierung der Musiker und Instrumente im Raum erarbeitet. Dieser ideale »Spielplatz« ermöglicht nun nicht nur die akustisch beste Aufnahme, sondern inspiriert durch seine Rückwirkung die Musiker zu einer lebendigen, anregenden Musizierlust und spannender Interpretation. Können Sie sich die Antwort des Musikers vorstellen auf die Frage, ob er lieber in einem trockenen Studio oder in einem Konzertsaal spielt?

Die Aufnahme

Ist der ideale Raum vorhanden, entscheidet sich der gute Ton an den Mikrofonen - verschiedene Typen mit speziellen klanglichen Eigenheiten stehen zur Auswahl und wollen mit dem Klang der Instrumente im Raum in Harmonie gebracht werden. Ebenso wichtig für eine natürliche Abbildung ist die Anordnung der Mikrofone, damit etwa die richtigen Nuancen in der solistischen Darstellung oder die Kompensation von Verdeckungseffekten realisierbar werden. Das puristische Ideal »nur zwei Mikrofone« kann selten den komplexen Anforderungen einer Aufnahme mit mehreren Instrumenten gerecht werden. Aber egal wie viele Mikrofone verwendet werden: Stellt sich ein natürlicher Klangeindruck ein, ist die Frage nach dem Zustandekommen des »Lifehaftigen« zweitrangig. Entscheidend ist, es klingt so, als wären nur zwei Mikrofone im Spiel.

Ohne irgendwelche »Verschlimmbesserer« wie Filter, Limiter, Equalizer, künstlichen Hall etc. zu benutzen, sammeln wir die Mikro-Wellen übertragerlos in einem puristischen Mischpult und geben das mit elektrostatischem Kopfhörer kontrollierte Stereosignal linear und unbegrenzt an den AD-Wandler und zum digitalen Speicher weiter. Dadurch bleiben auch die feinsten Einschwingvorgänge erhalten. Auf der digitalen Ebene wird dann ohne klangmanipulierende Eingriffe mit dem eigenen Editor in unserem Hause das Band zur Herstellung der Compact Disc für den Hörer erstellt, für Ihr hoffentlich großes Hörvergnügen.


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