> > > Hidwa. Lullabies for Troubled Times: Dima Orsho, Gesang
Sonntag, 17. November 2019

Hidwa. Lullabies for Troubled Times - Dima Orsho, Gesang

An Schlaf ist nicht zu denken


Label/Verlag: Dreyer - Gaido
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Außergewöhnliche 'Hidwas' (Schlaflieder) von Dima Orsho verbinden auf spannende Weise Orient und Okzident.

Wenn man der Sängerin Dima Orhos eines nicht vorwerfen kann, dann ist das Einseitigkeit. Nach ihrer Ausbildung im Fach Operngesang am Boston Conservatory hat sich die syrische Sängerin im klassischen Konzertbetrieb ebenso einen Namen gemacht wie als Komponistin – auch für Filmmusik. Dabei bleibt sie jedoch stets der Musiktradition ihres Heimatlandes Syrien verbunden, die sie wiederum gern mit Jazz vermischt.

Dieser kurze Überblick über Orshos Schaffen macht bereits deutlich, was für ein traditionsverbundener Freigeist in der Sängerin steckt. Diesen nutzt sie als Inspirationsquelle für ihre vielfältigen Projekte. 'Hidwa' heißt ihr neuestes Album, das beim Label Dreyer Gaido erschienen ist und den poetischen Untertitel 'Lullabies for troubled times' trägt. Nur dass die CD ihrem Titel zum Trotz die eigene Entdeckerlust weckt. Bei den neun Werken handelt es sich nur dem Namen nach um Schlaflieder. In Wirklichkeit erzählen sie Geschichten von Sorgen, Erfahrungen, Gefühlswelten und fernen Ländern, bei denen es den Hörer am Ende nach einer Fortsetzung drängt.

Europäischer Einfluss

Die hier versammelten Hidwas basieren auf unterschiedlichsten Musiktraditionen Syriens und Mesopotamiens, erhalten jedoch durch die Musiker und Arrangements einen hörbaren europäischen Einfluss. 'Hidwa' und 'Trip to Ghouta' sind darüber hinaus Eigenkompositionen Orshos, '3rd Circle' stammt aus der Feder von Manfred Leuchter, der die Sängerin ebenfalls mit dem Akkordeon unterstützt. Interessant ist auch eine Neuinterpretation von Manuel de Fallas 'Nana'. Jedes der Lieder erfährt von Orsho und den sie begleitenden Musikern Jasser Haj Youssef (Violine & Viola d‘amore), Manfred Leuchter (Akkordeon), Salman Gambarov (Klavier), Robert Landfermann (Bass) und Bodek Janke (Schlagzeug & Perkussion) eine individuelle Betrachtungsweise. Sie thematisieren Ängste vor Krieg, Einsamkeit und Unsicherheit, spenden aber auch mütterlichen Trost und geben vor allem Hoffnung.

Der Zauber der Aufnahmen liegt in Orshos klarer Stimme mit ihrem warmen, samtweichen Timbre. Bestes Beispiel hierfür ist Gabriel Asaads 'Nom Habib'. Als Einstieg in das Album weiß bereits 'Ya Dayem' den Zuhörer zu fesseln. Mit seinem reduzierten instrumentalen Beginn und dem einfallenden wehmütigen Gesang entwickelt der erste Titel der CD einen passenden Prolog-Charakter. Schnell verschmelzen Stimme und Klavier im Zusammenspiel zu einer untrennbaren Einheit, in deren Hintergrund die Violine für eine angenehme Reibung sorgt.

Ausdrucksstarke Stimme

Selbst wer die arabische Sprache und ihre diversen Dialekte nicht versteht, verliert sich in der ausdrucksstarken Stimme Orshos. So auch in ihrer Komposition 'Hidwa': Die Instrumente erzeugen einen weiten Klangraum, der leicht Bilder fernöstlicher Wüstenstädte vor dem inneren Auge entstehen lässt. In der Instrumentierung und besonders im Klavierspiel zeigt sich deutlich die Fusion der Musikkulturen. Der Gesamtklang besteht aus einem ausgewogenes Kräfteverhältnis von Stimme und Instrumenten. Als Gegenpol wirkt das darauffolgende 'Trip to Ghouta' mit seinen dominanten Jazzelementen umso europäischer.

Die Zwischenspiele dienen als Erweiterung des Gesangs und erzählen die Geschichte weiter, selbst wenn Orsho schweigt. Jeder Musiker ist mit Herzblut bei der Sache und mühelos geht ein Solo in das nächste über. Mit jedem Titel wechseln die Instrumente auch ihren Charakter, was das Album zu einer spannenden Angelegenheit macht und Eintönigkeit vorbeugt. Es weckt den Drang nach Abenteuer und kommt seinem Ziel nahe, Lieder aus dem arabischen Kulturkreis einem globalen Publikum zugänglich zu machen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Hidwa. Lullabies for Troubled Times: Dima Orsho, Gesang

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Dreyer - Gaido
1
05.04.2019
Medium:
EAN:

CD
4260014871157


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Dreyer - Gaido

Das in Münster ansässige, 2001 von Michael Dreyer und Hugo Germán Gaido gegründete Label DREYER-GAIDO hat sich in den letzten Jahren durch seine exquisiten Produktionen einen ausgezeichneten Ruf in der Klassik- und Weltmusik-Szene erarbeitet. Michael Dreyer ist Initiator und künstlerischer Leiter des Morgenland Festivals Osnabrück. Für seine interkulturelle Arbeit erhielt er 2009 den Praetorius-Musikpreis des Landes Niedersachsen.


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