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Montag, 30. März 2020

Guillaume Dufay - The Orlando Consort

Aus ferner Zeit


Label/Verlag: Hyperion
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Guillaume Dufay und das Orlando Consort – das ist eine wunderbare Partnerschaft auf Augenhöhe.

Guillaume Dufay (ca. 1400–1474) wird im Booklet der aktuell bei Hyperion erschienenen Produktion des Orlando Consort als wohl ‚zugänglichster Komponist‘ der Zeit vor 1500 bezeichnet. Die in diesem Programm versammelten Sätze sind mit Bezeichnungen wie Ballade, Rondeau oder Virelai geeignet, das zu unterstreichen: Dufay als einer der großen Liedkomponisten der Zeit, vielleicht sogar darüber hinaus. Auch der Vergleich mit der Musik eines seiner Vorläufer, des für Dufay prägenden Johannes Ciconia, verdeutlicht das: Die Sätze des letzteren wirken heute verschlossener und fremder. Vielleicht ist es die angesprochene Verständlichkeit, die Dufay über seine Zeit hinaus als Größe mit Langzeitwirkung etablieren half.

Fruchtbarer Dialog

Am Beginn der Folge stehen zwei eigentümliche Werke: Mit 'Je vous pri' eine sogenannte ‚kombinative Chanson‘, die mehrere Textebenen und musikalische Lagen miteinander in fruchtbaren Dialog bringt. Und mit 'O tres piteulx' eine Verbindung aus Motette und Chanson, für die Zeit nicht ungewöhnlich, im Werk Dufays aber selten: Nach der Eroberung von Konstantinopel 1453 hatte Dufay vier Klagelieder komponiert – das einzig überlieferte ist das hier erklingende. Neben der Schönheit der Musik erinnert der Verlust der anderen drei Sätze daran, wieviel vom Gesamtwerk Dufays und Kollegen verloren gegangen ist. Ansonsten sind nach diesen vierstimmigen Kompositionen noch sechzehn weitere zu drei Stimmen in verschiedenen Kombinationen zu hören. Im ersten Zugriff wirken sie durchscheinender, luzider; zugleich sind sie um keinen Deut weniger komplex gebaut – rhythmisch ambitioniert, maximale stimmliche Gewandtheit fordernd. Beeindruckend ist, wie sehr diese Musik über die zeitliche und ästhetische Distanz eines halben Jahrtausends frisch und unmittelbar wirkt: Das spricht für das schöpferische Genie Guillaume Dufays.

Gegenwärtig und frisch

Natürlich spricht dieser Umstand ebenso für die herausragende Klasse des englischen Orlando Consorts: In der Besetzung mit Matthew Venner (Altus), Mark Dobell (Tenor), Angus Smith (Tenor) und Donald Greig (Bariton) entfalten sich eine ungemeine stilistische Erfahrung und Einfühlung. Gerade diese Qualitäten haben die vier Vokalisten schon oft bewiesen, zuletzt eindrucksvoll in einer ebenfalls bei Hyperion erschienen Reihe mit Musik des um ein Jahrhundert älteren Guillaume de Machaut. Wie dort ist bei Dufay behände applizierte Expertise ohne Besserwisserei zu erleben – das stupende Wissen um die Musik wird mit leichter Hand in Klänge übertragen, die sensibel sind und doch kraftvoll, die aufgeladen sind mit geballter Historie und doch so voller Gegenwart, dass man vom klingenden Ergebnis einfach nur angerührt sein kann. Und wie bei Machaut ist eine veritable solistische Präsenz vor allem von Matthew Venner und Mark Dobell zu verzeichnen: Stimmtechnisch, in Sachen sängerischer Geste und Überzeugungskraft mangelt es hier an gar nichts, ist weit und breit nichts Mediokres zu verzeichnen. Angus Smith und Donald Greig komplettieren das Bild auf hohem Niveau, reüssieren dabei vor allem mit der nicht selten undankbaren Aufgabe, die präzis ausformulierten Sätze zu grundieren.

Gesungen wird in durchweg frischen Tempi; Betulichkeit lassen die vier Herren gar nicht erst aufkommen. Rhythmisch pointierte Bewegung prägt die Szene. Intoniert wird über knapp 80 Minuten ohne den Hauch einer Trübung. Wie schon angedeutet: Man sollte dynamisch nicht nur zarte Vorsicht erwarten; es sind viele klangfreudige, ja sinnenfrohe Gesten zu hören. Venner & Co. geben sich ganz den geradezu erratisch gezackten und gewundenen Linien hin, lassen sich forttragen, ohne je die Kontrolle über das Geschehen zu verlieren. Die technische Realisierung gerät bei aller wunderbaren Größe gefasst und ist von einer durchscheinenden Klarheit, die begeistert: Man wähnt sich dank dieses Abbildes mitten in der Musik. Guillaume Dufay und das Orlando Consort – das ist eine wunderbare Partnerschaft auf Augenhöhe.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Guillaume Dufay: The Orlando Consort

Label:
Anzahl Medien:
Hyperion
1
Medium:
EAN:

CD
034571282367


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Dufay, Guillaume


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Hyperion

Founded in 1980, Hyperion is an independent British classical label devoted to presenting high-quality recordings of music of all styles and from all periods from the twelfth century to the twenty-first. We have been described as 'Britain’s brightest record label'. In January 1996 we were presented with the Best Label Award by MIDEM's Cannes Classiques Awards. The jury was made up of the editors of most of the leading classical CD magazines in the world - Classic CD (England), Soundscapes (Australia), Répertoire (France), FonoForum (Germany), Luister (Holland), Musica (Italy), Scherzo (Spain), and In Tune (USA & Japan).

We named our label after an altogether splendid figure from Greek mythology. Hyperion was one of the Titans, and the father of the sun and the moon - and also of the Muses, so we feel we are fulfilling his modern role by giving the art of music to the world.

The repertoire available on Hyperion, and its subsidiary label Helios (Helios, the sun, was the son of Hyperion), ranges over the entire spectrum of music - sacred and secular, choral and solo vocal, orchestral, chamber and instrumental - and much of it is unique to Hyperion. The catalogue currently comprises nearly 1400 CDs and approximately 80 new titles are issued each year. We have won many awards.

Our records are easily available throughout the world in those countries served by our distributors. A list of the world's top Hyperion dealers, listed by country and city, can be found on our homepage. But if you have any difficulty please get in touch with the distributor in your territory. In Germany that is Note 1 Music Gmbh.


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