> > > Cavalli, Francesco: Gli amori d'Apollo e di Dafne: Ensemble Elyma, Gabriel Garrido
Dienstag, 20. Oktober 2020

Cavalli, Francesco: Gli amori d'Apollo e di Dafne - Ensemble Elyma, Gabriel Garrido

Komisch-ernstes Opernspektakel vom Feinsten


Label/Verlag: Glossa
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Diese Cavalli-Aufnahme gehört zu den lebendigsten und stimmigsten auf dem momentanen Plattenmarkt. Und im Zuge einer sich langsam etablierenden Cavalli-Pflege erinnert sie mit Nachdruck an ein für die Bühne entdeckenswertes Frühwerk des Venezianers.

Es ist ein herrlicher Reigen an Liebesvarianten und bösen wie urkomischen Kommentaren zur hormonellen Verfassung der Götter und Menschen: Francesco Cavallis 'Gli amori d‘Apollo e di Dafne' auf ein Libretto Giovan Francesco Busenellos, der beispielsweise auch den Text zu Claudio Monteverdis 'L‘incoronazione di Poppea' lieferte. Das opernhafte Treiben um die mythologische Geschichte von Apollo und der Nymphe Dafne kam in Cavallis Vertonung 1640 in Venedig zur Uraufführung.

Unverkennbar atmet dieses Stück Musiktheater den Geist der venezianischen Operntradition, in der komische und ernste Elemente gleichberechtigt nebeneinander bestehen. Schau- und Unterhaltungswert waren beträchtlich, immerhin handelte es sich nicht um eine höfische Veranstaltung, sondern ein Opernspektakel für zahlendes Publikum in Zeiten des Karnevals. Eine knappe Zusammenfassung der Handlung ist quasi unmöglich, viele Parallelstränge erweitern die berühmte Metamorphose der Dafne in einen Lorbeerbaum, nachdem Apollo ihr erotisch aufdringlich nachgestellt hat. Es wimmelt nur so vor Göttern, Ammen, Menschen und anderen Wesen, die sich schonungslos beleidigen oder umschwärmen, die fremdgehen oder übereinander herfallen, da werden Pfeile von in Windeln gepackten Liebesgöttern verschossen und ein Zauberer macht sich Gedanken, was das alles zu bedeuten hat.

Lebendig

Nun ist die eben beim Label Glossa auf zwei CDs veröffentlichte Aufnahme dieser selten gespielten Cavalli-Oper keine Neueinspielung. Bereits 2007 und 2008 war der argentinische Dirigent Gabriel Garrido mit seinem Ensemble Elyma und einer versierten Solistenriege im Studio. Die kurz darauf bei Helikon/Harmonia Mundi erschiene Doppel-CD stand 2009 sogar auf der Liste des Preises der deutschen Schallplattenkritik. Nun gibt es also eine Neuedition dieser lebendigen Aufnahme, platzsparender im Umfang, aber mit einem mehrsprachigen Beiheft und dem Abdruck des gesamten Librettos – letzteres leider nur in italienischer Sprache, was die Nachvollziehbarkeit der spaßigen und ebenso tiefgründigen Texte unnötig erschwert. Immerhin gibt es eine brauchbare Inhaltsangabe, die einzig aufgrund dramaturgischer Verzahnungen wild durch den Ablauf der einzelnen Akte springt.

Dass sich die Wiederauflage von Garridos Einspielung lohnt, machen schon die ersten Takte der Sinfonia deutlich: Das sprüht vor Lebendigkeit und Leidenschaft und vor allem stilistischer Versiertheit. Mutig orientiert sich der Dirigent mit seinen Musikern am Theaterspektakel-Gedanken, lässt es krachen und donnern und ebenso tänzeln und sehnsuchtsvoll schmachten. Das sorgfältig besetzte Solistenensemble versteht es, Figuren, Typen und Charaktere mit Schmiss und liebevoller Hingabe zum Leben zu erwecken. Anders Dahlin als Apollo ist ein hoher Tenor der Luxusklasse, der bis heute in diesem Fach und Repertoire international gefragt ist. Er changiert wunderbar zwischen fast counterigen Höhen und tenoraler Attitüde. Die Grenzen sind fließend, die angepeilten Effekte sind klug gesetzt, ergeben sich stets aus dem Zusammenspiel von Text und Musik. Dahlin macht seinem Namen als traumwandlerisch sicherer Stilist alle Ehre.

Jugendliche Frische

Als Dafne atmet Rosa Domínguez‘ dunkel abgetönter Sopran jugendliche Frische und Attraktivität. Wenn sie singt, weiß man, dass Apollo ihr auch ohne Amors Pfeil verfallen wäre. Einen Ausfall gibt es im gesamten Ensemble nicht. Alle Solisten begeistern mit ihrer Souveränität und klingendem Herzblut. So sorgt María Hinojosa Montenegro als Filena nicht nur mit ihrem Auftritt für einen bleibenden Wow-Effekt. Dieses 'Quel bel fior di giovinezza' sprüht vor Temperament und ungekünstelter Energie. Bei den Tenören gefallen besonders David Hernández als etwas jünglingshaft klingender Greis Titone sowie Stephan Van Dyck als untreuer Ehemann Cefalo. Nobel sind der Zauberer Alfesibeo und Sonno mit der samtenen Bassstimme von Furio Zanasi besetzt, während Ismael González einen leicht spröden, aber nicht minder beeindruckenden Peneo gibt und Salvo Vitale als Göttervater Giove mit einem Augenzwinkern stimmlich etwas protzig aufwartet. Ein kindlich, keifiger Amor entringt sich der Kehle von Paola Quagliata und als alte Cirilla bedient der Countertenor Paulin Bündgen die geforderte Travestie humor- und geschmackvoll. In der langen Liste seien auch die liebestolle, schönstimmige Aurora von Emanuela Galli, die Venus von Mariana Rewersky, der Pan von Valerio Contaldo und die anrührend klagende Procris von Marisú Pavón nicht vergessen.

Diese Cavalli-Aufnahme gehört zu den lebendigsten und stimmigsten auf dem momentanen Plattenmarkt. Und im Zuge einer sich langsam etablierenden Cavalli-Pflege erinnert sie mit Nachdruck an ein für die Bühne entdeckenswertes Frühwerk des Venezianers.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Cavalli, Francesco: Gli amori d'Apollo e di Dafne: Ensemble Elyma, Gabriel Garrido

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Glossa
2
03.05.2019
Medium:
EAN:

CD
8424562235199


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Cavalli, Francesco


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Glossa

Spaniens renommiertestes Klassiklabel wurde 1992 von Carlos Céster und den Brüdern José Miguel und Emilio Moreno gegründet. Sein "Hauptquartier" hat es in San Lorenzo del Escorial in den Bergen nahe Madrid. Zahlreiche herausragende Künstler und Ensembles aus dem Bereich der Alten Musik (z.B. Frans Brüggen und das Orchestra of the 18th Century, La Venexiana, Paolo Pandolfo, Hervé Niquet und sein Concert Spirituel u.v.a.) finden sich im Katalog des Labels. Doch machte GLOSSA von Anfang an auch wegen der innovativen Gestaltung und Produktionsverfahren von sich reden. Zu nennen wären hier die Einführung des Digipacks auf dem Klassikmarkt und dessen konsequente Verwendung, der Einsatz von Multimedia Tracks oder die Platinum-Serie mit ihrem avantgardistischen Design. Innerhalb der vergangenen knapp zwei Jahrzehnte konnte GLOSSA so zu einem der interessantesten Klassiklabels auf dem Markt avancieren. Zu verdanken ist dies nicht zuletzt auch dem Spiritus rector und Gesicht des Labels, Carlos Céster.


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