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Samstag, 7. Dezember 2019

Portrait Gottlob Frick - Der schwärzeste Bass - Gottlob Frick, Berliner Philharmoniker, Wiener Philharmoniker, Staatskapelle dresden

Schwabenbass-Legende


Label/Verlag: Profil - Edition Günter Hänssler
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Auf den ersten Blick mag es so scheinen, als wäre dieses Porträt Gottlob Fricks eine Wiederauflage der ewig gleichen Frick-Highlights, aber es gibt bei genauerem Hinsehen und Hinhören eben doch noch eine ganze Menge 'Neues' zu entdecken und zu genießen.

Er war einer der gefragtesten und prägnantesten Bassisten der Nachkriegszeit: der 1994 verstorbene Gottlob Frick. Eine Vielzahl an Studioaufnahmen und Livemitschnitten belegen die lange und vielseitige Karriere des Sängers, an dem man in alten Opernquerschnitten und Gesamtaufnahmen, vor allem bei EMI oder auch Eurodisc, nicht vorbeikommt. Wer ihn einmal als Osmin in der 'Entführung aus dem Serail' gehört hat, als Sarastro oder als Kezal in der 'Verkauften Braut', der wird den latent schwäbelnden Tonfall und die prachtvoll dunkle Bassstimme nicht mehr vergessen. Ebenso setzte sein Hagen in der 'Götterdämmerung', sein König Marke oder auch der Philipp in Verdis 'Don Carlo' Maßstäbe, ganz zu schweigen von den Bassbuffo-Partien in den Opern Albert Lortzings – ein Rollenfach, das heute kaum noch mit dieser komödiantischen Souveränität, sprachlicher Fertigkeit und stimmlichem Glanz besetzbar ist.

Kurz: Gottlob Frick ist eine Sängerlegende. Und weshalb das so ist, kann man in einem neuen 4-CD-Set beim Label Profil nachhören. Die Zusammenstellung besteht in großen Teilen aus bereits erhältlichen Ausschnitten der oben erwähnten EMI-Querschnitte oder Einzelaufnahmen, die ebenfalls schon in dem ein oder anderen Frick-Porträt veröffentlicht wurden. Aber es gibt auch ein paar hübsche Fundstücke und Querverweise zwischen den Labels, vor allem aber sieben CD-Premieren, darunter – endlich – das komplette erste Bild des vierten Aktes 'Don Carlo', mit einer edlen Besetzung aufgenommen 1963 in Berlin, die es in Sammlerkreisen bislang nur auf LP kursierte.

Schiere Bassgewalt

Die erste der vier CDs ist weitestgehend Fricks Wirken in komischen Opern gewidmet, ergänzt durch die balsamisch vorgetragene Arie des Brogni aus Halévys 'La Juive', in der Frick eine solche quasi ‚räumliche Verdrängung‘ ausstrahlt, dass man es nicht wagen würde, dem sich artikulierenden Charakter zu widersprechen. Im berühmten 'Don Giovanni'-Mitschnitt von den Salzburger Festspielen 1956 ist Frick als Komtur neben Cesare Siepi und Fernando Corena zu erleben. Die schiere Bassgewalt schüchtert ein – wenngleich Frick bei Mitropoulos‘ breiten Tempi hörbar an seine Grenzen kommt. Der schwäbelnde Osmin ist vertreten, ebenso der Sarastro und besonders eindrücklich der Bartolo in Mozarts 'Hochzeit des Figaro': Wie geschickt der Sänger die ihm nicht in die Wiege gelegte Schnellsprechnummer am Ende der Arie meistert, ist schon beeindruckend. Das gilt auch für den Basilio und den Bartolo in Rossinis 'Barbier von Sevilla' aus dem deutschsprachigen EMI-Querschnitt unter Wilhelm Schüchter von 1957.

Wirkliche Schätze, wenngleich schon lange bekannt und veröffentlicht, sind die Lortzing-Aufnahmen Fricks: Wer bei dieser 'Fünftausend Taler'-Arie aus dem 'Wildschütz' oder dem urkomischen 'Sancta justizia' mit anschließender Singschule aus 'Zar und Zimmermann' (mit dem erstklassigen Chor der Deutschen Oper Berlin) nicht lachen muss, hat seinen Humor verloren. Des weiteren ist Frick als Falstaff in Nicolais Oper, als Abul Hassan im 'Barbier von Bagdad', als Bauer in Orffs 'Die Kluge' sowie als Cuperus in Egks 'Die Zaubergeige' – eine Aufnahme der Deutschen Grammophon – und als Henker in der völlig vergessen Oper 'Tandaradei' von Hans-Hendrik Wehding aus dem Jahr 1949 zu hören.

Ergreifend

Die zweite CD erinnert an den wunderbaren Pogner Fricks in der alten Kempe-Aufnahme der 'Meistersinger von Nürnberg', an den Hagen und Daland unter Franz Konwitschny, aber auch an Tschaikowskys Gremin in 'Eugen Onegin' und die Verdi-Partien Fricks: Fiesco in 'Simon Boccanegra' und Procida in der 'Sizilianischen Vesper' – natürlich alles in deutscher Sprache gesungen. Und auf eben dieser CD gibt es das besagte komplette Bild aus Verdis 'Don Carlo'. Neben dem ergreifenden 'Sie hat mich nie geliebt' Fricks, fasziniert vor allem das Bass-Duell mit dem Großinquisitor von Kurt Böhme, dicht gefolgt vom luxuriösen Quartett mit Hildegard Hillebrecht, Marcel Cordes und Hertha Töpper, die am Ende des Bildes ein fulminantes 'O don fatale' auf Deutsch herausschleudern darf.

Wie aktiv und stilistisch versiert Frick auch im Bereich der Oratorien und des Liedes war, führt die dritte CD vor Augen: Haydns 'Schöpfung' und die 'Jahreszeiten' sind mit entwaffnender Authentizität vorgetragen und die Schlichtheit, die der Bassist für die volksliedhaften Kompositionen von Kreutzer, Nessler, Zelter & Co. findet, ist bemerkenswert, auch wenn die Kompositionen an sich in ihrer Gediegenheit heute irritieren mögen. Gottlob Frick singt hier aber auch Kunstlieder, mit denen der Sänger auf Tonträger bislang kaum vertreten war, z. B. Schuberts 'Grenzen der Menschheit' oder Loewes 'Die Uhr'.

Als Bonus liegt die vierte und äußerst kurze CD bei, die einen privaten, wiedergefundenen Bandmitschnitt enthält, nämlich das Duett aus Smetanas 'Verkaufter Braut' mit Frick und seinem Kollegen Fritz Wunderlich. Aufgenommen wurde dieses Schmankerl mit Klavierbegleitung im Juni 1964 in Fricks Heimatgemeinde Ölbronn. Was für ein Schatz!

Auf den ersten Blick mag es so scheinen, als wäre dieses Porträt eine pure Wiederauflage der ewig gleichen Frick-Highlights, aber es gibt bei genauerem Hinsehen und Hinhören eben doch noch eine ganze Menge ‚Neues‘ zu entdecken und zu genießen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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    Portrait Gottlob Frick - Der schwärzeste Bass: Gottlob Frick, Berliner Philharmoniker, Wiener Philharmoniker, Staatskapelle dresden

Label:
Anzahl Medien:
Profil - Edition Günter Hänssler
4
Medium:
EAN:

CD
881488180473


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Profil - Edition Günter Hänssler

Profil - The fine art of classical music
EDITION GÜNTER HÄNSSLER - EIN LABEL MIT "PROFIL"
Bei der Gründung seiner "EDITION GÜNTER HÄNSSLER" und dem neuen Label "PROFIL" betrat Produzent Günter Hänssler, der ehemalige Chef des erfolgreichen Labels Hänssler Classics, mit einer ganz klaren Philosophie und Zielsetzung den Klassik-Markt:
"Nur ein Label mit einem klaren PROFIL, mit einem eindeutigen Wiedererkennungseffekt hat heute noch eine Chance auf dem heiß umkämpften CD-Markt - um die Liebhaber klassischer Musik heute mit einem Produkt zu überzeugen braucht man Originalität, Innovation und optimierte Vertriebswege."
Der Name PROFIL ist Programm. Günter Hänssler denkt in Serien. Nur groß angelegte Projekte haben heute noch eine Chance, sich nachhaltig auf dem Markt wiederzufinden. So entstanden international hoch gepriesene und mehrfach mit internationalen Preisen ausgezeichnete Editionen wie die EDITION STAATSKAPELLE DRESDEN oder die GÜNTER WAND EDITION.
Die Repertoire-Politik ist charakteristisch. Eine Auswahl erster internationaler Künstler finden sich im Programm von PROFIL ebenso wieder wie erfolgreiche Newcomer der Klassikszene, darunter das mehrfach preisgekrönte Klenke-Quartett, das in der Interpretation von Kammermusik in den letzten Jahren neue Maßstäbe setzen konnte.
Ergänzt wird das Repertoire durch ausgewählte, digital aufwendig restaurierte historische Aufnahmen, Interpretationen von legendärem Ruf in neuer, bisher nicht gekannter digitaler Klangqualität. Auf diese Weise schlägt PROFIL die Brücke von der Vergangenheit in die Gegenwart und versteht sich so auch als Bewahrer musikalischer Traditionen.
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