> > > Gernsheim, Friedrich: String Quartets Vol.1: Diogenes Quartett
Sonntag, 22. September 2019

Gernsheim, Friedrich: String Quartets Vol.1 - Diogenes Quartett

Kammermusik vom Allerfeinsten


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Diogenes Quartett wirft einen intensiven Blick auf den Streichquartettkomponisten Gernsheim.

Die cpo-Edition mit Kammermusik von Friedrich Gernsheim geht mit den insgesamt fünf Streichquartetten in die nächste Runde. Sein erstes Streichquartett schrieb Gernsheim (1839–1916) 1872, also rund dreiunddreißigjährig, während seiner vor Rotterdam und Berlin zu datierenden ersten substanziellen beruflichen Zeit als Lehrer am Konservatorium, Leiter des städtischen Gesangvereins und Kapellmeister am Stadttheater in Köln. Vielleicht kann man das erste Quartett als urban-ambitioniert bezeichnen, eine Komposition, mit der Gernsheim die Erwartungen hoch stellt und auch erfüllt. Das c-Moll-Werk mit der Opuszahl 25 zeigt einen Komponisten, unter anderem Absolvent des Leipziger Konservatoriums, der den Musikgeschmack seiner Zeit verstanden hat und sich in einer der schwierigsten aller Gattungen mit hohem Anspruch, feinem kontrapunktischen Gespür und auch sonst außerordentlichen technischen Fähigkeiten vorstellt. Dagegen ist das geringfügig kürzere dritte Quartett in F-Dur op. 51, 1885 während seiner Zeit als Leiter der Musikschule der Gesellschaft zur Beförderung der Tonkunst in Rotterdam entstanden, ein entspannteres Werk, das den etablierten Musiker, der um seinen Wert weiß und sich unbeirrt treu bleiben wird, auf der Höhe seiner Fähigkeiten zeigt.

Mit differenzierter Linienführung

Das Diogenes Quartett stellt vor allem das Miteinander der Stimmen und die Zwischentöne in beiden Kompositionen ganz außerdentlich heraus – die dynamischen Schattierungen innerhalb der kontrapunktischen Strukturen sind kongenial ausgeleuchtet. Man kann fast in jedem Moment jede Stimme einzeln gut verfolgen, gleichzeitig ist das kunstvolle Geflecht jederzeit präsent. Durch die ‚Individualisierung‘ der Stimmen (hier gibt es also keine ‚Klanghomogenisierung‘, die jeder kontrapunktischen Durchdringung entgegenstände) erhalten die Interpretationen teilweise etwas fast Modernes, gerade auch in der Raumplatzierung (selten habe ich Cellopizzicati und die Verteilung von Harmonien auf die vier Instrumenten derart klar gehört). Manchem mag diese bei anderen Ensembles präferierte Dominanz eines homogenen Klangerlebnisses fehlen – doch haben wir hier eben keine ‚stromlinienförmigen‘ Darbietungen, sondern echte Kammermusik vom Allerfeinsten.

Leider entspricht der Booklettext nicht der durchdachten Herangehensweise – die Werke selbst werden allzu kurz abgehandelt, der Komponist wider Willen eher mit Vorurteilen bedacht: Es ist unwahrscheinlich, dass Gernsheims Musik wegen seiner jüdischen Abstammung aus den Konzertprogrammen verschwand, vielmehr gehört sie einer Epoche an, die mit seinem Tod im Untergehen begriffen war. Heute können wir die Musikgeschichte entspannter betrachten und den Wert von Gernsheims Kammermusik ohne Not vollen Herzens genießen. Gerade in solch herausragenden Interpretationen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Gernsheim, Friedrich: String Quartets Vol.1: Diogenes Quartett

Label:
Anzahl Medien:
cpo
1
Medium:
EAN:

CD
761203738724


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Gernsheim, Friedrich
 - String Quartet No. 3 op. 51 in F major - Allegro
 - String Quartet No. 3 op. 51 in F major - Allegro scherzando - molto vivace e giocoso - Tempo I
 - String Quartet No. 3 op. 51 in F major - Andante molto cantabile
 - String Quartet No. 3 op. 51 in F major - Tema con Variazioni.
 - String Quartet No. 1 op. 25 in C minor - Allegro energico
 - String Quartet No. 1 op. 25 in C minor - Andante con moto
 - String Quartet No. 1 op. 25 in C minor - Allegro
 - String Quartet No. 1 op. 25 in C minor - Rondo all'Ongarese.


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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