> > > Wilms, Johann Wilhelm: Piano Quartets op.22, op.30: Valentin Klavierquartett
Donnerstag, 9. Juli 2020

Wilms, Johann Wilhelm: Piano Quartets op.22, op.30 - Valentin Klavierquartett

Farbenfroh


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Stilistisch nicht ganz sichere Würdigung zweier wirkungsvoller Klavierquartette des frühen 19. Jahrhunderts.

Spätestens seit der fulminanten Einspielung zweier Sinfonien durch Concerto Köln ist der vornehmlich in den Niederlanden erfolgreiche Beethoven-Zeitgenosse Johann Wilhelm Wilms (1772–1847) kein Unbekannter mehr. Die Frische und Farbigkeit seiner Kompositionen hat schon mehrfach die Kritik zu Begeisterungsstürmen hingerissen. Die hier vorgelegten Klavierquartette C-Dur op. 22 und F-Dur op. 30 entstanden vor 1808 bzw. 1812, stehen aber Mozart oder Hummel zumeist näher als Beethoven (die langsamen Sätze zeigen, dass Wilms aber keineswegs in die eine oder andere Richtung festgelegt werden kann) – gerade der innovative Zug, der Wilms‘ Position zwischen der Wiener Klassik und der Romantik so spannend macht, ist hier nicht vorhanden. Das bedeutet nicht, dass die beiden viersätzigen Werke nicht von höchster technischer Fertigkeit sind, mit flüssiger Melodieerfindung, reizvollen harmonischen Wendungen und vor allem ausgezeichneter kammermusikalischer Verarbeitung.

Diese reizvolle Musik wird durch das Valentin Klavierquartett mit viel Liebe, aber gelegentlich stilistisch etwas undifferenziert dargeboten. Da gibt es einerseits weitgehenden Verzicht auf Vibrato, andererseits aber auch Tempi, die zu einem historisch informierten Aufführungsstil nicht recht passen. Auch gerät der Klang denn doch allzu häufig etwas dick und nicht ganz durchhörbar, während andererseits die hohen Streicherlagen nicht immer ganz sicher wirken. Vor allem aber haben wir hier eine an der üblichen Art Beethoven zu spielen geschulte Spielweise, mit betont ‚bekenntnishaftem‘ Ton, der das Verständnis der Musik keineswegs unbedingt befördert.

Verfestigte Perspektiven

Bei aller Differenziertheit im Spiel gibt es doch immer wieder Momente, da man sich fragt, wie intensiv die Musiker sich von der tradierten ‚romantischen‘, teilweise fast das Sentimentale streifende Sichtweise lösen können oder ob nicht doch gewisse verfestigte Perspektiven dem intendierten Ziel entgegenstehen; so überzeugen den Rezensenten gelegentlich auftauchende Anklänge an Portamenti ebenso wie eine konsequente Anwendung von wenig/viel Vibrato durch nicht hinreichende Einbindung in den Gesamtduktus der Interpretation nur bedingt. Das Valentin Klavierquartett pflegt einen warmen Mischklang, der von einem nicht zu brillant gestimmten Flügel hörbar profitiert. So haben wir auf jeden Fall sympathische, das Herz erwärmende Interpretationen der beiden Werke, die aber nicht in letzter Konsequenz überzeugen. Solches kann man vom Booklettext nicht sagen, der in seiner Klarheit sowohl was die Einordnung in die Gattungsgeschichte als auch in Wilms‘ Schaffen betrifft vorbildlich ist.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Wilms, Johann Wilhelm: Piano Quartets op.22, op.30: Valentin Klavierquartett

Label:
Anzahl Medien:
cpo
1
Medium:
EAN:

CD
761203524723


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Wilms, Johann Wilhelm
 - Piano Quartet op. 30 in F major - Adagio - Allegro
 - Piano Quartet op. 30 in F major - Larghetto
 - Piano Quartet op. 30 in F major - Allegro
 - Piano Quartet op. 22 in C major - Allegro
 - Piano Quartet op. 22 in C major - Adagio
 - Piano Quartet op. 22 in C major - Scherzando. Allegro - Trio
 - Piano Quartet op. 22 in C major - Polonaise. Allegretto


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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