> > > Mozart, Wolfgang Amadeus: Die Zauberflöte: Live from The Salzburg Festival
Samstag, 24. August 2019

Mozart, Wolfgang Amadeus: Die Zauberflöte - Live from The Salzburg Festival

Generationenwechsel


Label/Verlag: Arthaus Musik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Aus der historischen Distanz erweist sich die Salzburger 'Zauberflöte' 1982 als nicht ganz so gut wie seinerzeit von der Presse gepriesen.

1978 inszenierte Jean-Pierre Ponnelle für die Salzburger Festspiele 'Die Zauberflöte' in der Felsenreitschule. Der Fernsehmitschnitt erfolgte erst im August 1982 (wie bei Arthaus üblich, wird kein genaues Datum genannt, dabei hätte der ORF sicher Auskunft geben können – die Salzburger Festspiele selber, anders als Glyndebourne, teilen das Mitschnittdatum in ihrer Onlinedatenbank nicht mit). Das kann Vorteile, aber auch Nachteile haben. In diesem Fall hat Ponnelle die Produktion kontinuierlich begleitet, die so reifen und ihren eigenen Puls finden konnte. Seit der Premiere gab es ein paar Besetzungsänderungen – unter anderem wurde Peter Schreier Eric Tappys Nachfolger in der Partie des Tamino, und Walter Berry übernahm von José van Dam den Part des Sprechers. So haben wir in der vorliegenden Aufführung zwei berühmte Salzburger Papagenos quasi nebeneinander – Berry und Christian Boesch, der spätestens mit der Salzburger Produktion die Partie zu seiner Signaturpartie machte. Boesch ist ein lebendiger, spritziger Papageno, der im besten Sinne die Rolle lebendig macht und auch keineswegs nur die lustig-leichten Aspekte der Figur herausarbeitet. Rein vokal mag seine Stimme nicht so viel Schmelz und wienerischen Charme haben wie Berrys, doch gleicht er darstellerisch dies mehr als nur aus. In Gudrun Sieber, die die Partie auch in dem Münchner Mitschnitt 1983 übernahm, hat er eine lebhafte und charmante Partnerin.

Königinnen der Nacht

Eine weitere Interpretin, die in der Münchner Inszenierung von August Everding und in der Salzburger Aufführung zu erleben ist, ist Edita Gruberová, erklärter Liebling nicht nur des österreichischen Opernpublikums, als Königin der Nacht. Unter der Lupe des Live-Mitschnittes erweisen sich Gruberovás Koloraturen als nicht immer ganz exakt, auch die anderen Verzierungen als nicht immer genau auf den Punkt. Gruberovás Stimme war immer ein bisschen Geschmackssache, und anderswo überzeugt sie mehr. Aber wir haben auch eine andere Königin der Nacht hier im Ensemble – nachdem sie die nächtliche Königin aufgegeben hatte, übernahm Edda Moser hier die Erste Dame, neben Ann Murray als Zweiter Dame (die Dritte Dame ist Ingrid Mayr, schon Premiereninterpretin 1978). Wo Moser eine absolut luxuriöse Erste Dame ist, mit schöner szenischer Präsenz und auch beachtlicher vokaler Schönheit, ist Murrays Beitrag nicht ganz auf einer Höhe. Bedingt ist dies durch gewisse Schärfen in ihrem Timbre, die bewirken können, dass sie Moser sogar etwas in den Hintergrund drängt – ganz ungewollt, wohl eher aufnahmetechnisch bedingt; auch Mayr harmoniert mit den beiden anderen Sängerinnen in der dynamischen Abstimmung nicht ganz optimal.

Mehrere der Interpreten dieser Produktion können auf eine jahrzehntelange 'Zauberflöten'-Erfahrung zurückblicken. Peter Schreier war vor der Salzburger Übernahme zweimal ein hervorragender Tamino im Plattenstudio, ehe seine Stimme unter Colin Davis an musikalischer Schönheit einbüßte; gleiches kann man auch hier an der einen oder anderen Stelle hören – und einen Mangel an visueller Jugendlichkeit kann man ihm nicht absprechen. Ponnelle trotz ihm aber frische Spielfreude und volle Hingabe in die Produktion ab. Noch etwas problematischer steht die Sache mit Martti Talvela, der die Partie des Sarastro schon 1969 unter Georg Solti im Studio eingespielt hatte. Hier ist nicht nur sein Sprechpart immer wieder denkbar unidiomatisch, auch gesanglich hat er einen großen Teil seiner herrlichen Farben verloren.

Innigkeit

Ileana Cotrubas, die die Pamina 1980 unter Levine im Rahmen der Salzburger Wiederaufnahme auch im Studio eingespielt hatte, kann bei aller darstellerischen Dichte vokal nicht ganz an die qualitativ glücklichsten Interpretinnen heranreichen – zu unstet ist ihre Stimme, zu wenig ‚mozartisch‘ ihr Timbre (obschon sie in den 1970er- und 1980er-Jahren diverse Male für unterschiedlichste Mozartpartien herangezogen wurde). Ihre Innigkeit lässt an Grümmer und andere denken, doch wäre ihr Sprechpart sowie auch ihre Liniengestaltung noch optimaler vorstellbar gewesen. Während man über den Monostatos von Horst Hiestermann besser den Mantel des Schweigens deckt, sei ein besonderes Lob an die drei Knaben, Solisten des Tölzer Knabenchors, ausgesprochen, die vielen ihrer etablierten Kollegen nahezu die Schau stehlen.

Aufnahmetechnisch bedingt leiden der Wiener Staatsopernchor wie auch die Wiener Philharmoniker unter Problemen der Homogenität und Prägnanz. James Levine liefert einen gediegen-frischen, aber nicht herausragenden Beitrag, unter anderen Dirigenten klingen die Philharmoniker denn doch um entscheidende Nuancen ‚mozartischer‘. Leider ist nicht nur die Klangtechnik, sondern auch die Bildregie etwas bejahrt – Brian Large fehlen immer wieder in der Felsenreitschule Kameras für Halbtotale und Nahaufnahmen, so dass das Gesamtergebnis heute nicht mehr so überzeugt wie seinerzeit als echtes Liveerlebnis.

Interpretation:
Klangqualität:
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Booklet:
Features:
Regie:







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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Mozart, Wolfgang Amadeus: Die Zauberflöte: Live from The Salzburg Festival

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Arthaus Musik
1
12.04.2019
Medium:
EAN:

DVD
4058407093893


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Mozart, Wolfgang Amadeus


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Arthaus Musik

Arthaus Musik wurde im März 2000 in München gegründet und hat seit 2007 seinen Firmensitz in Halle (Saale), der Geburtsstadt Georg Friedrich Händels.

Das Pionierlabel für Klassik auf DVD veröffentlicht nunmehr seit 13 Jahren hochkarätige Aufzeichnungen von Opern, Balletten, klassischen Konzerten, Jazz, Theaterinszenierungen sowie ausgesuchte Dokumentationen über Musik und Kunst. Mit bis zu 150 Veröffentlichungen pro Jahr sind bisher über 1000 Titel auf DVD und Blu-ray erschienen. Damit bietet Arthaus Musik den weltweit umfangreichsten Katalog von audiovisuellen Musik- und Kunstproduktionen und ist seit Gründung des Labels international führender Anbieter in diesem Segment des Home Entertainment Marktes.

In vielen referenzgültigen Aufzeichnungen sind die größten Künstler unserer Zeit wie auch aus vergangenen Tagen zu hören und zu sehen. Unter den Veröffentlichungen finden sich Aufnahmen mit Plácido Domingo, Cecilia Bartoli, Luciano Pavarotti, Maria Callas, Jonas Kaufmann, Elīna Garanča; mit Dirigenten wie Carlos Kleiber, Claudio Abbado, Nikolaus Harnoncourt, Lorin Maazel, Pierre Boulez, Zubin Mehta; aus Opernhäusern wie der Mailänder Scala, der Wiener Staatsoper, dem Royal Opera House Covent Garden, der Opéra National de Paris , der Staatsoper Unter den Linden, der Deutschen Oper Berlin und dem Opernhaus Zürich.

Zahlreiche Veröffentlichungen des Labels wurden mit internationalen Preisen ausgezeichnet, darunter der Oscar-prämierte Animationsfilm ?Peter & der Wolf? von Suzie Templeton, die aufwändig produzierte ?Walter-Felsenstein-Edition? und die von Sasha Waltz choreographierte Oper ?Dido und Aeneas?, die beide den Preis der deutschen Schallplattenkritik erhielten. Mit dem Midem Classical Award wurden u. a. die Dokumentationen ?Herbert von Karajan ? Maestro for the Screen? von Georg Wübbolt und ?Celibidache ? You don?t do anything, you let it evolve? von Jan Schmidt-Garre ausgezeichnet. Die Dokumentation ?Carlos Kleiber ? Traces to nowhere? von Eric Schulz erhielt den ECHO Klassik 2011.

Mit der Tochterfirma Monarda Arts besitzt Arthaus Musik eine ca. 900 Produktionen umfassende Rechtebibliothek zur DVD-, TV- und Onlineauswertung. Seit 2007 entwickelt das Unternehmen kontinuierlich die Sparte Eigenproduktion mit der Aufzeichnung von Opern, Konzerten, Balletten und der Produktion von Kunst- und Musikdokumentationen weiter.

Arthaus Musik DVDs und Blu-ray Discs werden über ein leistungsfähiges Vertriebsnetz, u.a. in Kooperation mit Naxos Global Distribution in ca. 70 Ländern der Welt aktiv vertrieben. Darüber hinaus veröffentlicht und vertreibt Arthaus Musik die 3sat-DVD-Edition und betreut für den Buchhandel u.a. die Buch- und DVD-Edition über Pina Bausch von L’Arche Editeur, Preisträger des Prix de l’Académie de Berlin 2010.


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