> > > Elgar, Edward: Caractacus: Huddersfield Choral Society, Orchestra of Opera North, Martyn Brabbins
Sonntag, 27. September 2020

Elgar, Edward: Caractacus - Huddersfield Choral Society, Orchestra of Opera North, Martyn Brabbins

British Belcanto


Label/Verlag: Hyperion
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die 1898 komponierte, in sechs Szenen organisierte Kantate 'Caractacus' ist Elgars wohl opernhafteste Partitur. Chor und Orchester liefern in Martyn Brabbins' neuer Einspielung eine grandiose Kulisse für mehr oder weniger gute Solisten.

Edward Elgar (1857-1934) war keineswegs ein Vielschreiber und brauchte lange zur kompositorischen Reife: Erst in den 1890er Jahren gelang dem Mitdreißiger mit einer Reihe von größeren Werken für die alljährlichen Chor-Festivals in Worcester und um Worcester herum der Durchbruch. Gattungsfragen stehen hier hinter dem gesellschaftlichen und ästhetischen Nutzen einer mehr oder minder umfangreichen Komposition für Chor und Orchester zurück: Jene gegenüber den späteren Oratorien Elgars fast unbeachtete Werkreihe, die 1892 mit der balladenhaften, heute stark unterschätzten viersätzigen Chor-Symphonie 'The Black Knight' ihren Anfang nahm, endete 1898 mit der fast abendfüllenden Szenen-Folge um den letzten, vergeblichen Widerstand der Briten unter ihrem Anführer Caractacus gegen die römischen Eroberer am Fluss Severn in Elgars Heimatregion.

Ein ebenso regionales wie nationales Thema also, in der die Chöre nationalistische Momente ebenso spiegeln wie das ‚romantische‘ Figurenpaar des Barden Orbin und der Tochter von Caractacus, Eigin, die Betroffenheit und den Zusammenhalt der Einzelnen in Krisenzeiten. Die grandiose, von der Idee her fast barock wirkende Schluss-Szene, in der Kaiser Claudius in Rom die britischen Gefangenen begnadigt und freundschaftlich-friedlich in die Stadt wie das römische Reich integriert, erlaubt in Brexit-Zeiten durchaus ein ironisches Lächeln. Ihre Musik allerdings nicht: Vom einleitenden Triumphmarsch mit Chor-Beteiligung über die musikalisch und dramaturgisch zugespitzte Auseinandersetzung zwischen Claudius und Caractacus bis hin zum wieder triumphalen, im erhabenen Choral Gemeinschaft herstellenden Chor-Finale besitzt gerade diese Schluss-Szene einen höchst überzeugenden opernhaften Zug: Man könnte fast von Elgars 'Aida' sprechen (mit Happy End allerdings und einer in keinem Opernhaus auffindbaren Orgel als Orchesterverstärkung).

Nicht nur das final eng gefügte Solisten-Quartett mit Eigin und Orbin besitzt Belcanto-Qualitäten, sondern auch das 'Lamento' von Caractacus nach der Niederlage in Szene 4 oder das ebenfalls in ein Chor-Finale führende Duett von Eigin und Orbin am Ende der idyllischen dritten Szene am Severn (die von einem pastoralen orchestralen 'Woodland Interlude' eingeleitet wird). Wenn irgendwo das verborgene Potenzial Elgars als dramatischem Bühnenkomponist deutlich wird, dann in diesem Werk kurz vor seinem Durchbruch als Symphoniker mit den 'Enigma Variations' (es gab schon 1928 Gedanken von A. K. Holland in der 'Musical Times' zu diesem Thema). Auch die großen Chor-Anteile stören wie in manchen Verdi-Opern keineswegs den dramatischen Fortgang, sondern stützen ihn durch die Perspektiven der szenisch bedeutsamen Kollektive.

'Caractacus' quasi als Elgars 'Aida'

Nach dieser kleinen Apologie dieses zu wenig bekannten, melodisch oft überraschend eingängigen und handwerklich dicht gearbeiteten Werks muss nun der Blick auf die Qualitäten und Schwächen dieser neuen, 2018 in der Stadthalle von Huddersfield aufgenommen Produktion folgen. Es ist die dritte Studioeinspielung dieses Werks nach der älteren digitalen Referenz unter Richard Hickox (Chandos 1993) und der ersten Gesamtaufnahme unter Charles Grives von 1977 (EMI, heute Warner), die mit der eindrucksvollsten Sängerschar aufweist. Nur Elgan Llŷr Thomas kommt in der neueren Aufnahme an Robert Tear als Barde Orbin heran, vielleicht noch Alastair Miles in seiner kleineren Rolle als Kaiser Claudius. Gerade der direkte finale Vergleich seiner nach wie vor klangschönen Stimme mit Roland Woods insbesondere im Lauten extrem Vibrato-reichen Bariton als Caractacus lässt einen fast einen Rollentausch wünschen: Schon in dessen Auftrittsnummer 'Watchman! Alert' lässt Woods brutales, fast eine Terz umspannendes Vibrato tatsächlich aufschrecken; im Fortgang des ersten Auftritts zeigen sich aber auch Ansätze einer gefälligeren Legatokultur und intensiver Textausgestaltung, so dass hinsichtlich der Hauptrolle ein recht gespaltener Eindruck entsteht.

Starkes Vibrato, aber auch intensive Ausdrucksvermittlung

Elizabeth Llewellyn zeigt vergleichbare Qualitäten und Probleme eines eher fraulich-stattlichen Soprans mit reichlich Vibrato und Strahlkraft in der Höhe, wo manchem eine leichtere, mädchenhafte Stimme angemessener erscheinen könnte. Als fünfter Solist schlüpft Christopher Purves adäquat in die Rolle des Erz-Druiden – in der zweiten, einer Quasi-Hexen-Szene – und eines weiteren Barden, der das Los der Briten beklagt. Die Leistungen der Huddersfield Choral Society sind auf Premier-League-Niveau, das Orchestra of Opera North spielt eher solide mit manchmal etwas blassen Streicher-Spitzen in einem doch oft etwas zu kompakten, die Orchesterstimmen zu sehr verschmelzenden Gesamt-Klangbild (Sport-affinen Hörern könnte man somit damit kommen, dass die Ensembles ein wenig die schwankenden, aber auch manchmal mitreißenden aktuellen Leistungen der Proficlubs aus Huddersfield und Leeds zwischen erster und zweiter englischer Fußball-Liga spiegeln; Hickox und Groves entsprechen da schon eher Premier-League-Traditionen in London und Liverpool). Die Aufnahme macht trotz kleiner Abstriche aber – dank eines umsichtigen und temperamentvollen Dirigats – zweifellos auch Spaß, birgt echte Ohrwürmer und bringt uns eine faszinierende, lebendige Seite Elgars und des britischen Belcanto vor allem auf der Chor-Ebene nahe.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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    Elgar, Edward: Caractacus: Huddersfield Choral Society, Orchestra of Opera North, Martyn Brabbins

Label:
Anzahl Medien:
Hyperion
1
Medium:
EAN:

CD
034571282541


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Elgar, Edward


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Hyperion

Founded in 1980, Hyperion is an independent British classical label devoted to presenting high-quality recordings of music of all styles and from all periods from the twelfth century to the twenty-first. We have been described as 'Britain’s brightest record label'. In January 1996 we were presented with the Best Label Award by MIDEM's Cannes Classiques Awards. The jury was made up of the editors of most of the leading classical CD magazines in the world - Classic CD (England), Soundscapes (Australia), Répertoire (France), FonoForum (Germany), Luister (Holland), Musica (Italy), Scherzo (Spain), and In Tune (USA & Japan).

We named our label after an altogether splendid figure from Greek mythology. Hyperion was one of the Titans, and the father of the sun and the moon - and also of the Muses, so we feel we are fulfilling his modern role by giving the art of music to the world.

The repertoire available on Hyperion, and its subsidiary label Helios (Helios, the sun, was the son of Hyperion), ranges over the entire spectrum of music - sacred and secular, choral and solo vocal, orchestral, chamber and instrumental - and much of it is unique to Hyperion. The catalogue currently comprises nearly 1400 CDs and approximately 80 new titles are issued each year. We have won many awards.

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