> > > The Romantic Piano Concerto: Howard Shelley, Tasmanian Symphony, Howard Shelley
Freitag, 29. Mai 2020

The Romantic Piano Concerto - Howard Shelley, Tasmanian Symphony, Howard Shelley

Immer weiter auf Entdeckungsreise


Label/Verlag: Hyperion
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Neben Clara Schumanns Klavierkonzert verblassen die drei anderen Werke auf dieser CD etwas, vor allem das überlange Konzertstück von Ferdinand Hiller.

Howard Shelleys Entdeckungsfreude ist ungebrochen. Der britische Pianist forscht seit vielen Jahren intensiv im riesigen Repertoire der (spät-)romantischen Klavierkonzerte und hat dort schon so manchen musikalischen Edelstein gefunden. William Sterndale Bennett, Cipriani Potter und Theodor Döhler lauten die Namen der Komponisten, deren Konzerte Shelley (neben vielen anderen) in der Reihe 'The Romantic Piano Concerto' eingespielt hat. Dass nicht jede Entdeckung von gleichem Wert ist, also neben dem einen oder anderen echten Meisterwerk auch durchschnittliche Stücke stehen, liegt in der Natur der Sache – den Rang eines Schumann oder Brahms erreichten eben nur wenige Tondichter. So verhält es sich auch mit der 78. Folge der Serie, in der Shelley in seiner bewährten Doppelfunktion als Pianist und Dirigent zusammen mit dem Tasmanischen Symphonie-Orchester agiert.

Dass er dies ohne übergroße Anstrengungen tun kann – also dirigieren und Klavier spielen –, ermöglichen die vier hier versammelten Werke durch ihre traditionelle Struktur. Weder im Konzertstück von Ferdinand Hiller als auch im 'Rondo de concert' von Henri Herz und in Friedrich Kalkbrenners 'Le Rêve' werden die Orchestermusiker überfordert. Ist die (meist kurze) Einleitung einmal absolviert, können sie sich auf Begleitaufgaben beschränken. Allenfalls Clara Schumanns Konzert op. 7 räumt dem Orchester ein gewisses Mitspracherecht ein, zumal in im kantablen Cello-Solo des zweiten Satzes. Es ist auch dieses Konzert, das die anderen drei Konzertstücke deutlich in den Schatten stellt, obwohl vor allem Herz‘ Rondo einige nette melodische Akzente setzen kann. Doch gerade im direkten Vergleich wird die Fallhöhe zwischen Clara Schumanns Werk und den anderen drei Stücken recht deutlich.

Mangelnde Substanz

Vielleicht liegt es auch an der eher durchschnittlichen Qualität dieser drei Stücke, dass der Gesamteindruck dieser CD nur mittelprächtig ausfällt. Shelley ist ohne Zweifel ein untadeliger Pianist, der allen Kompositionen manuell vollauf gerecht wird und vor allem durch sein makelloses Legato brillieren kann. Doch wenn sich Hillers Konzertstück pseudo-marschmäßig dahinschleppt, können auch die besten Interpreten die mangelnde Substanz nicht kompensieren; hier macht sich über gut zwanzig Minuten gepflegte Langeweile breit. Vielleicht wäre hier mit etwas strafferem Tempo, etwas mehr dynamischer Ausdifferenzierung mehr herauszuholen gewesen? Wie auch immer, das Urteil der Musikgeschichte – oft sehr ungerecht – erscheint in Hillers Fall nachvollziehbar. Er ist verständlicherweise in Vergessenheit geraten.

Etwas besser sieht es bei Kalkbrenner und Herz aus, die vor allem mit der Qualität ihrer Melodien punkten können. Die beiden Stücke wirken zudem mit je ungefähr elf Minuten Dauer deutlich kompakter und schlüssiger als Hillers ausuferndes Werk. Shelley steht hier klar im Vordergrund, auch klanglich, was durchaus der Intention der Komponisten entsprechen dürfte. Einen bleibenden Eindruck hinterlassen die Kompositionen aber dennoch nicht, zumal wenn man sie mit den ‚richtigen‘ Konzerten ihrer Schöpfer vergleicht. Deshalb ist es vor allem Clara Schumanns op. 7, das mit der Dramatik seines Kopfsatzes und Shelleys zupackender Pianistik diese CD insgesamt dann doch hörenswert macht. Zwar gibt es mittlerweile mehrere Aufnahmen des jahrzehntelang kaum gespielten Werkes, doch nicht zuletzt aufgrund der guten Klangqualität können sich Shelley und das Tasmanische Symphonie-Orchester hier mühelos behaupten.

Durchaus möglich also, dass mit dieser Folge Nr. 78 das Feld der spektakulären Wiederentdeckungen im riesigen Konzert-Repertoire der Romantik und Spätromantik allmählich abgegrast ist. Doch auch das eine oder andere zweitklassige Werk kann ja immer noch – frei nach Mozart – angenehm in den Ohren sein. Vielleicht nicht die Qualität der Werke selbst, aber die der klanglichen Wiedergabe und der Dokumentation im Beiheft genügen jedenfalls den gewohnt hohen Hyperion-Standards.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    The Romantic Piano Concerto: Howard Shelley, Tasmanian Symphony, Howard Shelley

Label:
Anzahl Medien:
Hyperion
1
Medium:
EAN:

CD
034571282404


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Herz, Henri
Hiller, Ferdinand
Kalkbrenner, Friedrich
Schumann, Clara


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Hyperion

Founded in 1980, Hyperion is an independent British classical label devoted to presenting high-quality recordings of music of all styles and from all periods from the twelfth century to the twenty-first. We have been described as 'Britain’s brightest record label'. In January 1996 we were presented with the Best Label Award by MIDEM's Cannes Classiques Awards. The jury was made up of the editors of most of the leading classical CD magazines in the world - Classic CD (England), Soundscapes (Australia), Répertoire (France), FonoForum (Germany), Luister (Holland), Musica (Italy), Scherzo (Spain), and In Tune (USA & Japan).

We named our label after an altogether splendid figure from Greek mythology. Hyperion was one of the Titans, and the father of the sun and the moon - and also of the Muses, so we feel we are fulfilling his modern role by giving the art of music to the world.

The repertoire available on Hyperion, and its subsidiary label Helios (Helios, the sun, was the son of Hyperion), ranges over the entire spectrum of music - sacred and secular, choral and solo vocal, orchestral, chamber and instrumental - and much of it is unique to Hyperion. The catalogue currently comprises nearly 1400 CDs and approximately 80 new titles are issued each year. We have won many awards.

Our records are easily available throughout the world in those countries served by our distributors. A list of the world's top Hyperion dealers, listed by country and city, can be found on our homepage. But if you have any difficulty please get in touch with the distributor in your territory. In Germany that is Note 1 Music Gmbh.


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