> > > Saint-Saens, Camille: Piano Concertos 3, 4, 5: Alexandre Kantorow, Tapiola Sinfonietta, Jean-Jacques Kantorow
Freitag, 3. Juli 2020

Saint-Saens, Camille: Piano Concertos 3, 4, 5 - Alexandre Kantorow, Tapiola Sinfonietta, Jean-Jacques Kantorow

Glanzvoll und geistvoll


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Alexandre und Jean-Jacques Kantorow brillieren mit drei Klavierkonzerten von Camille Saint-Saëns zusammen mit der Tapiola Sinfonietta.

Wie sich Politik auf die Rezeption eines Komponisten auswirken kann, zeigen wenige Beispiele so deutlich wie das Schicksal der Musik von Camille Saint-Saëns in Deutschland. Deutsch-Französischer Krieg und Erster Weltkrieg verhinderten zu Lebzeiten des Franzosen, dass seine Musik hierzulande eine breite Rezeption erfahren konnte. Nach 1945 galt sein Werk zudem als antiquiert oder (bestenfalls) hoffnungslos altmodisch; auch so mancher Kritiker der älteren Generation hatte wohl noch die tief sitzenden, anti-französischen Reflexe des späteren 19. und frühen 20. Jahrhunderts weitergegeben. Fatales Ergebnis dieser historischen Lage war die jahrzehntelange vorurteilsbehaftete Ablehnung einer Musik, deren absolut erstrangige Qualität jedem auch nur einigermaßen kompetenten Musiker auffallen müsste – wenn er sich denn mit ihr beschäftigen würde.

Nehmen wir nur einmal die Klavierkonzerte. Bis heute sind es vor allem nicht-deutsche Pianisten, die sich mit ihnen auseinandersetzen bzw. auseinandergesetzt haben. Die (unvollständige) Liste liest sich wie ein 'Who is who' der Großmeister am Klavier: Artur Rubinstein, Sjatoslav Richter, Nelson Freire, Stephen Hough, Louis Lortie, Idil Biret haben einige (bevorzugt die Nummern 2 und 4) oder – seltener – alle Konzerte eingespielt. Auch auf der vorliegenden hybriden SACD ist es kein Deutscher, sondern der Franzose Alexandre Kantorow, der sich der Konzerte Nr. 3, 4 und 5 angenommen hat, zusammen mit der Tapiola Sinfonietta unter der Leitung seines Vaters Jean-Jacques Kantorow. Die Veröffentlichung ist der erste Teil einer geplanten Gesamt-Einspielung, die Konzerte Nr. 1 und 2 dürften also in nicht zu ferner Zukunft folgen.

Gegenseitige Durchdringung

Trotz der sehr unterschiedlichen formalen Anlage lassen sich alle drei Konzerte dahingehend zusammenfassen, dass vom traditionellen Virtuosen-Konzert, wie es in Frankreich vor Saint-Saëns gepflegt wurde, nicht mehr viel übriggeblieben ist. Virtuos sind die Stücke ohne Zweifel, doch das ist nur ein Aspekt; mit reiner technischer Brillianz kommt man hier nicht weit. Mindestens ebenso wichtig ist der Aspekt der gegenseitigen Durchdringung von Klavier und Orchester; auch wenn die Konzerte noch nicht ‚symphonisch‘ im Sinne von Brahms oder Reger sind, hat doch das Orchester erheblichen Anteil am Gesamtgeschehen und ist weit mehr als ein Begleitapparat. Entsprechend muss sich der Pianist auch einmal zurücknehmen können, wenn die Musik dies fordert.

Gleich der Beginn des dritten Konzertes zeigt dies exemplarisch: Der Pianist legt hier mit seinen Arpeggien die Grundlage für das Hauptthema, das vom Horn vorgetragen (und von der Klarinette 'beantwortet' wird). Hier ist viel pianistische Disziplin im Piano- und Pianissimo-Bereich gefordert, um die Bläser nicht zuzudecken. Alexandre Kantorow gelingt dies hervorragend; im weiteren Verlauf des Stückes kann er sich dann umso deutlicher in den Vordergrund spielen und zeigen, dass er über ebenso viel Kraft wie Sensibilität verfügt. Die fein nunancierten Dialoge des Pianisten mit dem Orchester (oder einzelnen Orchestergruppen) sind auch deshalb möglich, weil Jean-Jacques Kantorow das Ensemble wohldosiert anleitet, dort zur strahlenden Entfaltung bringt, wo es angemessen ist (etwa im Finale des vierten Konzertes), an anderen Stellen diskret zurückhält. Vor allem in den vergleichsweise selten zu hörenden Konzerten Nr. 3 und 5 erweist sich diese ‚Kantorow-Kombination‘ als Gewinn in jeder Hinsicht.

Zur erstklassigen Leistung von Solist und Dirigent gesellt sich mit der Tapiola Sinfonietta ein Ensemble mit längst internationalem Ruf, dessen Musiker sowohl einzeln (beispielsweise das Flötensolo im Kopfsatz des dritten Konzertes) als auch im Tutti brillieren. Da die akustische Qualität ebenfalls keine Wünsche offen lässt – selbst die höchst rasanten Finalsteigerungen in allen drei Konzerte wurden bestens ausgewogen eingefangen – kann ich diese CD uneingeschränkt allen Hörern ans Herz legen, die ihre eventuellen Zweifel an der Erstrangigkeit des Komponisten Saint-Saëns überprüfen möchten. Beide Kantorows unterstreichen die Meisterschaft des Franzosen mit einer ebenso glanzvollen wie geistvollen Interpretation, die Freude auf die noch ausstehenden Konzerte Nr. 1 und 2 macht.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Saint-Saens, Camille: Piano Concertos 3, 4, 5: Alexandre Kantorow, Tapiola Sinfonietta, Jean-Jacques Kantorow

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
BIS Records
1
03.04.2019
Medium:
EAN:

CD SACD
7318599923000


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Saint-Saens, Camille


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BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


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