> > > Telemann, Georg Philipp: Missa & Cantatas for Countertenor: Alex Potter, La Dolcezza, Veronika Skuplik
Sonntag, 15. Dezember 2019

Telemann, Georg Philipp: Missa & Cantatas for Countertenor - Alex Potter, La Dolcezza, Veronika Skuplik

Porträt mit Telemann


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Diese Platte ist zweierlei: Zunächst ein weiterer Beweis dafür, dass Telemann in allen Gattungen, denen er sich zuwandte, ganz hervorragend zu komponieren verstand und entsprechend reüssierte. Und sie ist ein schönes Recital von Alex Potter.

Die Musik Georg Philipp Telemanns ist an schierer Menge ebenso beeindruckend wie mit Blick auf die Qualität. Zudem bietet sie eine Vielfalt der Stile und Gattungen, wie sie bei kaum einem anderen Komponisten der Zeit zu finden sein dürfte. Und, damit ist man schon ein wenig im Bereich des Beklagenswerten, sie ist in mancher Dimension noch hinreichend unbekannt, um interessierten Künstlern Anregung zu sein für eigene Erkundungen. So, wie sie auf einer aktuell bei cpo erschienenen Platte der englische Altus Alex Potter unternimmt.

Exquisite Möglichkeiten

Gemeinsam mit dem von der Geigerin Veronika Skuplik geleiteten Ensemble la dolcezza widmet er sich zunächst der Kantate 'Ach Herr, strafe mich nicht mit deinem Zorn' TWV 7:1, die noch ganz dem Geist des ausgehenden 17. Jahrhunderts verpflichtet ist – affektiv in der Tradition des älteren Geistlichen Konzerts stehend und an Arbeiten zum Beispiel von Rosenmüller oder Buxtehude erinnernd. In Gliederung und Bau dagegen ist sie schon ganz Kantate, bietet mithin in vielgestaltiger Anlage exquisite Möglichkeiten für den Vokalsolisten. Weiterer Schwerpunkt ist eine Missa in h-Moll TWV 9:14, eine Missa brevis, wie sie in der lutherischen Tradition um 1700 noch durchaus üblich war; berühmtere und noch deutlich spätere Beispiele sind die entsprechenden Kyrie-Gloria-Messen Johann Sebastian Bachs. Bei Telemann entfaltet sich die Messe durchaus in formaler und affektiver Strenge; ältere satztechnische Substanz ist häufig im Instrumentalsatz verborgen, während der Vokalist mit linearer Schönheit punkten kann. Ganz dem theologischen und ästhetischen Geist dieser Messe entspricht dann die Kantate 'Me miserum! miserarium' TWV 1:1135 auf einen lateinischen Text von Erdmann Neumeister, ein harmonisch gebautes und ausdrucksstarkes Werk voller fein gezeichneter Charaktere. All das wird mit einigen Instrumentalwerken abgewechselt: Neben zwei ebenso knappen wie gewitzten Fugen, die das überkommene Prinzip geistvoll fruchtbar machen, steht eine schöne Violinsonate, die dem Prinzip der Sonata da chiesa folgt.

Ausgewogene Deutung

Ein interessantes, an Abwechslung reiches Programm also, das Alex Potter und la dolcezza durchmessen. Potter überzeugt mit einer wunderbar lyrischen Stimme als Meister der intensiv gestalteten Linie. Die Register sind ausgeglichen und fein ineinander verblendet. Dazu agiert der Altist auch technisch absolut sattelfest – in den anspruchsvollen Koloraturen wackelt nichts. Mit all diesem Rüstzeug zeichnet er sehr verschiedene vokale Szenen. Die werden auch geprägt von einer natürlichen, scharf konturierten Diktion: Sprache ist für Potter hörbar sehr viel mehr als ein Vehikel oder gar notwendiges Übel, das der Produktion schöner Töne im Wege stünde.

Das kleine Instrumentalensemble besteht aus vier Köpfen: Neben Veronika Skuplik spielt auch Catherine Aglibut Violine, dazu sind Felix Knecht am Violoncello und Michael Fuerst auf Orgel und Cembalo zu hören. Das ergibt eine feine Konstellation, die noble, perfekt ausgehörte Kammermusik garantiert – einerseits jederzeit in klar solistischer Geste, andererseits geprägt von wacher Interaktion in sehr verschiedenen Satzcharakteren. Und: Bei aller Sensibilität und Dezenz geht es im Grundsatz klangfreudig zu. Die Tempi sind überaus variabel gewählt und folgen Telemann, der stark auf Binnendifferenzierung und klare Gesten setzt. Und auch dynamisch ist der Befund – angesichts der schlanken Besetzung keine Selbstverständlichkeit – absolut erfreulich: Natürlich bestimmen feine Nuancen die Szene, doch ist das Bild insgesamt reich an Varianten, agieren die vier Instrumentalisten nicht schüchtern oder gar misstrauisch gegenüber dem frischen Klang.

Diese Platte ist zweierlei: Zunächst ein weiterer Beweis dafür, dass Telemann in allen Gattungen, denen er sich zuwandte, ganz hervorragend zu komponieren verstand und entsprechend reüssierte. Und sie ist ein schönes Recital von Alex Potter, das ihn in der ganzen Vielfalt seiner Möglichkeiten musikalisch porträtiert.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Telemann, Georg Philipp: Missa & Cantatas for Countertenor: Alex Potter, La Dolcezza, Veronika Skuplik

Label:
Anzahl Medien:
cpo
1
Medium:
EAN:

CD
761203519224


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Telemann, Georg Philipp


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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