> > > Kahn, Robert: Works for Violoncello & Piano: Torleif Thedéen, Oliver Triendl
Samstag, 18. Januar 2020

Kahn, Robert: Works for Violoncello & Piano - Torleif Thedéen, Oliver Triendl

Attraktive Kammermusik


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Torleif Thedéen und Oliver Triendl brechen eine Lanze für Robert Kahns Kammermusik für Cello und Klavier.

Die Erkundung der Kammermusik von Robert Kahn (1865–1951) geht in die nächste Phase. Die Cellosonaten F-Dur op. 37 und d-Moll op. 56 entstanden 1902 bzw. um 1910; stilistisch sind beide Werke noch dem deutschen Kaiserreich zuzuordnen – die gründliche im Großen und Ganzen konservative Ausbildung Kahns zeigt einen Musiker, der sein Handwerk auf das Beste versteht, der musikalische Formen zu füllen versteht (beide Sonaten sind jeweils dreisätzig, verzichten auf ein Scherzo, bieten stattdessen substanzielle Mittelsätze), harmonisch attraktiv zu schreiben weiß, auch ein Meister der Liniengestaltung ist. Innovation ist von Kahn weniger zu erwarten – wohl aber attraktive Konzertmusik, die sicher nicht primär für das häusliche Musizieren geeignet ist.

Tiefe und Humor

Diesem Eindruck treten aber auch die Interpreten der vorliegenden Produktion entgegen – vehement entgegen, möchte man fast sagen, wäre Torleif Thedéens und Oliver Triendls Spiel nicht alles andere als pauschal. Vielmehr haben wir hier Musiker, die in jedem Takt Kahns Musik genau so viel Sorgfalt und musikalischen Ernst angedeihen lassen wie einer Sonate von Brahms oder Saint-Saëns. Die langsamen Sätze besitzen jene Dichte und interpretatorische Tiefe, die die Musik nur hergeben kann; dass auch der Humor nicht zu kurz kommt, beweisen die Musiker mit Leichtigkeit in ihrer exuberanten Wiedergabe des Schlusssatzes der ersten Sonate, während die zweite Sonate insgesamt von größerer Leidenschaftlichkeit geprägt ist. Hier ist jeder Schatten Schumanns oder Brahms‘ nun auch wirklich komplett vergessen, und wir haben einen Komponisten, den man sich auch mit einem Reger oder Pfitzner in einem Konzertprogramm vorstellen kann. Hörbar fühlen sich Thedéen wie Triendl in dem weiten Spektrum an Klangwelten, harmonischen Entwicklungen und musikalischen Vertracktheiten Kahns äußerst wohl. Es ist ihnen auch ein besonderes Anliegen, die Besonderheiten der drei Stücke op. 25 (1897 im Druck erschienen) herauszuarbeiten (nicht nur die humoristischen und sentimentalen – aber auch diese), die eben nicht in einer Traditionslinie Schumann-Brahms zu verstehen sind, sondern einen durchaus eigenen Ton erkunden, der mit zunehmender diskografischer Erschließung von Kahns kompositorischen Schaffen immer klarer zu Tage tritt. Bedarf es der Erwähnung, dass beste Deutschlandfunk-Aufnahmetechnik und ein ausführlicher Booklettext das Gesamtergebnis zu einer rundum gelungenen Sache machen?

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Kahn, Robert: Works for Violoncello & Piano: Torleif Thedéen, Oliver Triendl

Label:
Anzahl Medien:
cpo
1
Medium:
EAN:

CD
761203513925


Cover vergössern

Kahn, Robert
 - Sonata for Violoncello & Piano No.1 op.37 in F major - Allegro energico
 - Sonata for Violoncello & Piano No.1 op.37 in F major - Andante sostenuto
 - Sonata for Violoncello & Piano No.1 op.37 in F major - Allegro risoluto
 - Three Pieces for Cello & Piano op.25 - Romanze
 - Three Pieces for Cello & Piano op.25 - Serenata
 - Three Pieces for Cello & Piano op.25 - Capriccio
 - Sonata for Violoncello & Piano No.2 op.56 in D minor - Allegro
 - Sonata for Violoncello & Piano No.2 op.56 in D minor - Andante tranquillo
 - Sonata for Violoncello & Piano No.2 op.56 in D minor - Allego energico


Cover vergössern

Interpret(en):Triendl, Oliver
Thedéen, Torleif


Cover vergössern

cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Von Dr. Jürgen Schaarwächter zu dieser Rezension empfohlene Kritiken:

  • Zur Kritik... Musik vor der Katastrophe: Der hochengagierte Einsatz des Kölner Hyperion Trios für Robert Kahns Klaviertrios ist geradezu exemplarisch. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, 15.06.2014)
  • Zur Kritik... Entdeckerfreude gefragt!: Einmal mehr wird Musik eines Komponisten wiederentdeckt, der nach der Machtergreifung der Nazis auswandern musste und anschließend in Vergessenheit geriet. Dass die Werke von Robert Kahn dies nicht verdient haben, zeigt diese CD mit Kammermusikwerken. Weiter...
    (Christian Starke, 28.03.2013)
  • Zur Kritik... Eklektiker und Romantiker: Eine interpretatorisch runde Doppel-CD mit Elina Vähälä (Violine) und Oliver Triendl (Klavier) zielt auf eine Neubewertung des Schaffens von Robert Kahn. Weiter...
    (Prof. Dr. Stefan Drees, 15.08.2016)

Weitere Besprechungen zum Label/Verlag cpo:

  • Zur Kritik... Weihnachtswunder: Ein stilistisch weiter, sehr schön gesungener weihnachtlicher Bogen, der viel vom wunderbaren Geheimnis dieses Fests mitteilt und die illustre Diskografie des Sächsischen Vokalensembles ganz sicher bereichert. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Frisch gewagt: Michael Alexander Willens und die Kölner Akademie überzeugen mit Homilius. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Nicht ohne Formeln: Dem Sinfonieorchester Münster gelingt eine Ehrenrettung Volbachs, aber keine Interpretation, die jeder Freund sinfonischer Musik um 1900 unbedingt im Regal haben muss. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von cpo...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Jürgen Schaarwächter:

  • Zur Kritik... Tonal gebunden: Zwei Generationen von Klavierkonzertkomponistinnen eröffnen einen ungewohnten Blick auf die britische Musikgeschichte. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Zugänge zu Schumann: Sol Gabetta spielt Schumanns Kammermusik für Cello sowie sein Cellokonzert. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Mährisch-böhmisches Barock: Die Harmonious Society of Tickle-Fiddle Gentlemen setzt sich mit großer Überzeugungskraft für Musik jenseits der ganz großen Namen ein. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Jürgen Schaarwächter...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Palestrina ganz frisch: So ist die Tour durch das geistliche Werk Palestrinas ein echtes Vergnügen: Harry Christophers und The Sixteen mit einer wirklich gelungenen achten Folge ihrer Reihe. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Nie gehörter Schostakowitsch: Mark Fitz-Gerald dirigiert zwei bislang nie aufgenommene Partituren von Schostakowitsch, die er teilweise selbst rekonstruiert hat. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
  • Zur Kritik... Theaterluft aus jeder Pore: Diese von David Bates geleitete Aufführung von Glucks 'Orfeo ed Euridice' atmet Theaterluft aus jeder Pore und hat Energie und Musizierlust im Überfluss getankt. Dem kann man sich nicht entziehen. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (1/2020) herunterladen (2483 KByte) Class aktuell (4/2019) herunterladen (4308 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Isabelle van Keulen im Portrait "Mir geht es vor allem um Zwischentöne"
Isabelle van Keulen im Gespräch mit klassik.com über ihre Position als Artist in Residence der Deutschen Kammerakademie Neuss am Rhein, historische Aufführungspraxis und das Spielen ohne Dirigent.

weiter...
Alle Interviews...


Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich