> > > Kahn, Robert: Works for Violoncello & Piano: Torleif Thedéen, Oliver Triendl
Sonntag, 8. Dezember 2019

Kahn, Robert: Works for Violoncello & Piano - Torleif Thedéen, Oliver Triendl

Attraktive Kammermusik


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Torleif Thedéen und Oliver Triendl brechen eine Lanze für Robert Kahns Kammermusik für Cello und Klavier.

Die Erkundung der Kammermusik von Robert Kahn (1865–1951) geht in die nächste Phase. Die Cellosonaten F-Dur op. 37 und d-Moll op. 56 entstanden 1902 bzw. um 1910; stilistisch sind beide Werke noch dem deutschen Kaiserreich zuzuordnen – die gründliche im Großen und Ganzen konservative Ausbildung Kahns zeigt einen Musiker, der sein Handwerk auf das Beste versteht, der musikalische Formen zu füllen versteht (beide Sonaten sind jeweils dreisätzig, verzichten auf ein Scherzo, bieten stattdessen substanzielle Mittelsätze), harmonisch attraktiv zu schreiben weiß, auch ein Meister der Liniengestaltung ist. Innovation ist von Kahn weniger zu erwarten – wohl aber attraktive Konzertmusik, die sicher nicht primär für das häusliche Musizieren geeignet ist.

Tiefe und Humor

Diesem Eindruck treten aber auch die Interpreten der vorliegenden Produktion entgegen – vehement entgegen, möchte man fast sagen, wäre Torleif Thedéens und Oliver Triendls Spiel nicht alles andere als pauschal. Vielmehr haben wir hier Musiker, die in jedem Takt Kahns Musik genau so viel Sorgfalt und musikalischen Ernst angedeihen lassen wie einer Sonate von Brahms oder Saint-Saëns. Die langsamen Sätze besitzen jene Dichte und interpretatorische Tiefe, die die Musik nur hergeben kann; dass auch der Humor nicht zu kurz kommt, beweisen die Musiker mit Leichtigkeit in ihrer exuberanten Wiedergabe des Schlusssatzes der ersten Sonate, während die zweite Sonate insgesamt von größerer Leidenschaftlichkeit geprägt ist. Hier ist jeder Schatten Schumanns oder Brahms‘ nun auch wirklich komplett vergessen, und wir haben einen Komponisten, den man sich auch mit einem Reger oder Pfitzner in einem Konzertprogramm vorstellen kann. Hörbar fühlen sich Thedéen wie Triendl in dem weiten Spektrum an Klangwelten, harmonischen Entwicklungen und musikalischen Vertracktheiten Kahns äußerst wohl. Es ist ihnen auch ein besonderes Anliegen, die Besonderheiten der drei Stücke op. 25 (1897 im Druck erschienen) herauszuarbeiten (nicht nur die humoristischen und sentimentalen – aber auch diese), die eben nicht in einer Traditionslinie Schumann-Brahms zu verstehen sind, sondern einen durchaus eigenen Ton erkunden, der mit zunehmender diskografischer Erschließung von Kahns kompositorischen Schaffen immer klarer zu Tage tritt. Bedarf es der Erwähnung, dass beste Deutschlandfunk-Aufnahmetechnik und ein ausführlicher Booklettext das Gesamtergebnis zu einer rundum gelungenen Sache machen?

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Kahn, Robert: Works for Violoncello & Piano: Torleif Thedéen, Oliver Triendl

Label:
Anzahl Medien:
cpo
1
Medium:
EAN:

CD
761203513925


Cover vergössern

Kahn, Robert
 - Sonata for Violoncello & Piano No.1 op.37 in F major - Allegro energico
 - Sonata for Violoncello & Piano No.1 op.37 in F major - Andante sostenuto
 - Sonata for Violoncello & Piano No.1 op.37 in F major - Allegro risoluto
 - Three Pieces for Cello & Piano op.25 - Romanze
 - Three Pieces for Cello & Piano op.25 - Serenata
 - Three Pieces for Cello & Piano op.25 - Capriccio
 - Sonata for Violoncello & Piano No.2 op.56 in D minor - Allegro
 - Sonata for Violoncello & Piano No.2 op.56 in D minor - Andante tranquillo
 - Sonata for Violoncello & Piano No.2 op.56 in D minor - Allego energico


Cover vergössern

Interpret(en):Triendl, Oliver
Thedéen, Torleif


Cover vergössern

cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Von Dr. Jürgen Schaarwächter zu dieser Rezension empfohlene Kritiken:

  • Zur Kritik... Musik vor der Katastrophe: Der hochengagierte Einsatz des Kölner Hyperion Trios für Robert Kahns Klaviertrios ist geradezu exemplarisch. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, 15.06.2014)
  • Zur Kritik... Entdeckerfreude gefragt!: Einmal mehr wird Musik eines Komponisten wiederentdeckt, der nach der Machtergreifung der Nazis auswandern musste und anschließend in Vergessenheit geriet. Dass die Werke von Robert Kahn dies nicht verdient haben, zeigt diese CD mit Kammermusikwerken. Weiter...
    (Christian Starke, 28.03.2013)
  • Zur Kritik... Eklektiker und Romantiker: Eine interpretatorisch runde Doppel-CD mit Elina Vähälä (Violine) und Oliver Triendl (Klavier) zielt auf eine Neubewertung des Schaffens von Robert Kahn. Weiter...
    (Prof. Dr. Stefan Drees, 15.08.2016)

Weitere Besprechungen zum Label/Verlag cpo:

  • Zur Kritik... Kammermusik im Biedermeierstil: Englische Landschaften, ein spanisch angehauchtes Viola-Duo und virtuose Klaviertrio-Musik von mehr oder weniger belangloser Art. Weiter...
    (Manuel Stangorra, )
  • Zur Kritik... Sturm im Wasserglas: Das Gesamtwerk für Klavier von Jacques Offenbach Weiter...
    (Michael Pitz-Grewenig, )
  • Zur Kritik... Kurzlebiger Schweizer: Der heute vergessene Friedrich Theodor Fröhlich erweist sich als 'innerer Revolutionär' auf dem Gebiet des Streichquartetts. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von cpo...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Jürgen Schaarwächter:

  • Zur Kritik... Wohlig-warm: Brahms in Altmodisch von Jukka-Pekka Saraste und dem WDR Sinfonieorchester. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Christbaumflitter und echte Devotion: Populäres und Qualitätvolles in einem Weihnachtsprogramm aus Oxford. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Wie in einer anderen Welt: Äußerst variabel in der Klangqualität, hervorragend in der Interpretation: Sviatoslavs Richters Liszt, Chopin und Szymanowski. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Jürgen Schaarwächter...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Wohlig-warm: Brahms in Altmodisch von Jukka-Pekka Saraste und dem WDR Sinfonieorchester. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Schumann reloaded: Das groß angelegte Schumann-Projekt des Klavierduos Eckerle biegt auf die Zielgerade ein. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
  • Zur Kritik... Luft nach oben: Auf einer neuen Naxos-Platte spielen Charles Wetherbee und David Korevaar die drei Violinsonaten von Paul Juon. Auf eine wirklich befriedigende Interpretation muss man weiter warten. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (11/2019) herunterladen (4454 KByte) Class aktuell (4/2019) herunterladen (4308 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Allan Pettersson: Vox Humana

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Liv Migdal im Portrait "Man spielt mit den Ohren!"
Liv Migdal im Gespräch mit klassik.com.

weiter...
Alle Interviews...


Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich