> > > Prélude: Karim Shehata, Klavier
Sonntag, 8. Dezember 2019

Prélude - Karim Shehata, Klavier

Sensibles Vorspiel


Label/Verlag: Genuin
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Karim Shehata interpretiert 15 kurze Charakterstücke mit großer Sensibilität und schafft so ein abwechslungsreiches und in sich stimmiges Programm.

Ein Prélude (oder Präludium) war ursprünglich dazu da, auf ein größeres Musikstück oder einen musikalischen Abend einzustimmen. Daraus resultierte später seine sehr freie Form und sein Weg zum Charakterstück. Dieses ist es, was das Album 'Prélude' des Pianisten Karim Shehata ausmacht: Es ist ein großangelegtes Charakterstück, bestehend aus 15 einzelnen kurzen Werken. Das Programm ist abwechslungsreich, die Werke ergänzen sich oft durch reiche Kontraste. Die Kompositionen entstammen drei Jahrhunderten und es finden sich illustre Namen darunter wie Bach, Prokofiev, Rachmaninoff, Ravel, Respighi, Fauré, Chopin, Martinů. Debussy, Messiaen und Scriabin. Diese werden ergänzt von zu ihrer Zeit sehr bekannten, heute aber kaum noch im Gedächtnis befindlichen Komponisten wie Anton Arensky, Samuil Feinberg, Sergei Taneyev oder Felix Blumenfeld. Warum diese Komponisten heute weniger zu hören sind als ihre Zeitgenossen, lässt sich zumindest anhand der Werke auf dem vorliegenden Album nicht nachvollziehen. Die kurzen Charakterstücke sind genauso tiefgründig, vielschichtig und wunderschön wie die der großen Vertreter der Komponistenzunft.

Wechselbad der Emotionen

So gut diese erklingenden Kompositionen gewählt sind, so sehr sie sich im Ausdruck aufeinander beziehen, so sehr braucht es einen Pianisten, der dem bunten Programm eine Handschrift verleiht. Mit Karmi Shehata befindet sich ein sehr sensibler, aber doch zupackender Pianist am Flügel. Er entlockt dem Instrument, das einen klaren, fast kristallenen Klang und eine gehaltvoll grollende Tiefe aufweist, weiche und doch transparente Klangnuancen mit ebenso leichten Fingern wie volltönende Klangbilder. Das Erstaunliche an der Vielseitigkeit, die Shehata unter Beweis stellt, ist die Tatsache, dass er, egal wie donnernd und virtuos ein Werk gespielt werden muss, stets einen Weg zurück zum leisen, gefühlvollen Moment findet. Er lässt sich Zeit, schlägt weich an, um im nächsten Moment wieder mit einem Kontrast loszubrechen und sich selbst in die Komposition zu werfen. Ganz besonders gelingt ihm dieses sich ergänzende Wechselbad der Emotionen beispielsweise im zweiten von Ottorino Rhespighis 'Tre preludi sopra melodie gregoriane'.

Besondere Highlights im Ausdruck sind die Lento- und Andante-Stücke, die immer gefühlvoll und oft melancholisch interpretiert sind, die aber nie in den Kitschverdacht geraten. Ob es sich dabei um Bachs Präludium in h-Moll BWV 855a, Felix Blumenfelds Prélude op. 17 Nr. 14 oder um Faurés Prélude in F-Dur handelt, ist beinahe zweitrangig. Denn alle diese Werke werden zu kleinen Perlen, die in ihrer Individualität erfasst, musiziert und poliert werden, so dass sie gemeinsam eine Kette von sehr individuellem Klang ergeben. Diesem individuellen Klang stellt sich Shehata in den Dienst. Wie virtuos er auch musiziert, es geht doch nie ausschließlich darum, sein Können unter Beweis zu stellen, sondern den Werken durch genaues Hineinhorchen in ihren Charakter Leben einzuhauchen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Prélude: Karim Shehata, Klavier

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Genuin
1
05.04.2019
Medium:
EAN:

CD
4260036256536


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Arenski, Anton S.
Blumenfeld, Felix Mikhaylovich
Chopin, Frédéric
Debussy, Claude
Feinberg, Samuel
Rachmaninoff, Sergej


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Genuin

Im Jahr 2002 standen die jungen Tonmeister von GENUIN vor einer wichtigen Entscheidung: Sollte man sich weiterhin lediglich auf das Aufnehmen und Produzieren konzentrieren, oder auf die zahlreichen Nachfragen und positiven Rückmeldungen von Musikern und Fachzeitschriften eingehen und ein eigenes Label ins Leben rufen? In einer Zeit, in der praktisch alle großen Klassik-Label ihre Produktion eingestellt oder zumindest stark gedrosselt hatten, fiel die Entscheidung nicht leicht – aber sie fiel einstimmig aus: zugunsten einer offiziellen Vertriebsplattform für die GENUIN-Aufnahmen. Und der Erfolg hat nicht lange auf sich warten lassen.

Das Label GENUIN hat sich in seinem zwölfjährigen Bestehen zu einem Geheimtipp unter Musikern und Musikliebhabern entwickelt. Schon vor dem Leipzig-Debüt im Oktober 2004, einem Antrittskonzert im Robert-Schumann-Haus mit Paul Badura-Skoda, wurden die CDs in den deutschlandweiten Vertrieb gebracht und von Fachpresse und Musikerwelt hochgelobt. Inzwischen werden GENUIN-CDs in den meisten Ländern Europas sowie in Japan, Süd-Korea, Hongkong und den USA vertrieben.

Das Erfolgsrezept von GENUIN: Die gesamte Produktion, also die Beratung der Künstler bei Aufnahmeraum und Repertoire, die Vorbereitung und Durchführung der Aufnahme selbst, der Schnitt mit allen notwendigen Korrekturen, generelle Entscheidungen beim Cover- und Bookletentwurf bis hin zur fertigen Veröffentlichung liegen in der Hand der Tonmeister. Nur so haben die Musiker den größtmöglichen Entfaltungsspielraum bei der Einspielung und Gestaltung ihrer CDs. Und gleichzeitig kann bis zuletzt eine gleichbleibend hohe Qualität garantiert werden.

GENUIN bietet auch abseits ausgetretener Pfade etablierten Künstlern genauso wie der Nachwuchsgeneration die Möglichkeit, Musik nach eigenen Vorstellungen zu verwirklichen. Das macht sich positiv bemerkbar für die Hörer der mittlerweile mehr als 300 GENUIN-CDs mit Interpreten wie Paul Badura-Skoda, Nicolas Altstaedt oder der Dresdner Philharmonie.


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