> > > Drang in die Ferne: Benedikt Kristjansson, Tillmann Höfs, Alexander Schmalcz
Samstag, 21. September 2019

Drang in die Ferne - Benedikt Kristjansson, Tillmann Höfs, Alexander Schmalcz

Weite und Ruhe


Label/Verlag: Genuin
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Der junge isländische Tenor Benedikt Kristjánsson kombiniert auf seiner ersten Solo-CD isländische Volkslieder mit Liedern von Franz Schubert.

Der junge isländische Tenor Benedikt Kristjánsson verwebt in seiner ersten Solo-CD seine musikalische Herkunft mit den Werken von Franz Schubert. 21 Werke setzen sich zusammen aus ungefähr einem Drittel isländischer Volkslieder, die meist unbegleitet gesungen sind, und circa zwei Dritteln unterschiedlichster Lieder von Schubert. Die isländischen Weisen geben jeweils den Charakter der nachfolgenden Schubert-Lieder an, beziehen sich in ihrer Tonart aber auf die nachfolgenden Werke. Es entsteht dadurch ein homogener Fluss mit diversen Wendungen. Inhaltlicher Ausgangspunkt ist der Drang in die Ferne, aber auch die Auseinandersetzung mit Natur und Land. Am Ende des Programms wird dieser Kreis geschlossen, nachdem Kristjánsson den Pfad zu Liebes-, Wiegen- und Abschiedsliedern gegangen ist.

Die im Ambitus überschaubaren Volkslieder werden ergänzt durch die oft etwas lebhafteren und ausgreifenderen Kunstlieder. Die Volkslieder verbreiten eine große Ruhe, was aber auch an der Interpretation des Sängers liegt. Kristjánsson gestaltet sie sehr natürlich, sehr unaufgeregt, zwingt seinen Tenor zu nichts, lässt Sprache und ruhig fließende Melodie zur Einheit werden und traut sich hier ein Piano zu, welches er sich in manchen Werken von Schubert zu bewahren weiß. Besonders ansprechend gelingt ihm hier beispielweise – neben den isländischen Weisen, die ihm einfach in Sprache und Ausdruck hervorragend in der Kehle liegen – 'Der Neugierige' aus 'Die schöne Müllerin'.

Raum zur Entfaltung

Pianist Alexander Schmalcz trägt ihn, wie die gesamten Aufnahmen hindurch, auf Händen, lässt ihm jeden Raum zur Gestaltung, zur Entfaltung einer Linie. Kristjánsson nutzt den leisen, melancholischen Charakter des Liedes, um seinen leicht gängigen, nicht zu hellen Tenor sich in seinen Stärken entfalten zu lassen. Diese liegen eindeutig in der natürlichen Tongebung, der sehr textverständlichen Sprache und der Tatsache, dass er ohne Registerbrüche in die Höhe wie in die Tiefe gleiten kann. Auch die Interpretation von 'Erstarrung' gelingt ihm besonders gut. Über der unruhigen Klavierbegleitung baut er eine klare Linie in die Singstimme, phrasiert er darüber hinweg. Dass Kristjánsson einen schier unerschöpflichen Atem haben kann, beweist er im Wiegenlied 'Vogguvísa', dem einzigen isländischen Volkslied mit Klavierbegleitung. Eine leise, fast träge fließende Grundstimmung macht sich hier breit, die dann durch 'Der Jüngling an der Quelle' aufgebrochen wird.

So wohldurchdacht der junge Tenor auch die lebhafteren Werke gestaltet, so steht er stimmtechnisch doch noch nicht über jeder Schwierigkeit. Zu oft lässt er sich dazu hinreißen, in schnellen und etwas höheren Passagen den Druck der raschen Melodielinie oder der steigenden Dynamik, aber auch den gesteigerten Ausdruck in seine Stimme zu nehmen. Dadurch verliert er seine technische Mitte, sein vorne sitzender klangschöner Tenor rutscht nach hinten, verhärtet und wird knödelig. Wenn es ihm gelingt, in der weiteren Beschäftigung mit den Genre Lied diesen Druck anders zu kanalisieren, wird aus ihm ein erstklassiger Liedinterpret. Dass er auf seinem ersten Album noch Luft nach oben lässt bei so schwierigen Titeln wie 'Du bist die Ruh', dass er aber schon einen sehr eigenen und ansprechenden Gestaltungsstil hat, sowohl in Phrasierung und Dynamik wie auch in der Auswahl der Lieder, macht auf jeden Fall neugierig auf weitere Projekte und zeigt, dass eine weitere Beobachtung des Weges des jungen Tenors sehr interessant sein kann.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Drang in die Ferne: Benedikt Kristjansson, Tillmann Höfs, Alexander Schmalcz

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Genuin
1
05.04.2019
Medium:
EAN:

CD
4260036256451


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Schubert, Franz


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Genuin

Im Jahr 2002 standen die jungen Tonmeister von GENUIN vor einer wichtigen Entscheidung: Sollte man sich weiterhin lediglich auf das Aufnehmen und Produzieren konzentrieren, oder auf die zahlreichen Nachfragen und positiven Rückmeldungen von Musikern und Fachzeitschriften eingehen und ein eigenes Label ins Leben rufen? In einer Zeit, in der praktisch alle großen Klassik-Label ihre Produktion eingestellt oder zumindest stark gedrosselt hatten, fiel die Entscheidung nicht leicht – aber sie fiel einstimmig aus: zugunsten einer offiziellen Vertriebsplattform für die GENUIN-Aufnahmen. Und der Erfolg hat nicht lange auf sich warten lassen.

Das Label GENUIN hat sich in seinem zwölfjährigen Bestehen zu einem Geheimtipp unter Musikern und Musikliebhabern entwickelt. Schon vor dem Leipzig-Debüt im Oktober 2004, einem Antrittskonzert im Robert-Schumann-Haus mit Paul Badura-Skoda, wurden die CDs in den deutschlandweiten Vertrieb gebracht und von Fachpresse und Musikerwelt hochgelobt. Inzwischen werden GENUIN-CDs in den meisten Ländern Europas sowie in Japan, Süd-Korea, Hongkong und den USA vertrieben.

Das Erfolgsrezept von GENUIN: Die gesamte Produktion, also die Beratung der Künstler bei Aufnahmeraum und Repertoire, die Vorbereitung und Durchführung der Aufnahme selbst, der Schnitt mit allen notwendigen Korrekturen, generelle Entscheidungen beim Cover- und Bookletentwurf bis hin zur fertigen Veröffentlichung liegen in der Hand der Tonmeister. Nur so haben die Musiker den größtmöglichen Entfaltungsspielraum bei der Einspielung und Gestaltung ihrer CDs. Und gleichzeitig kann bis zuletzt eine gleichbleibend hohe Qualität garantiert werden.

GENUIN bietet auch abseits ausgetretener Pfade etablierten Künstlern genauso wie der Nachwuchsgeneration die Möglichkeit, Musik nach eigenen Vorstellungen zu verwirklichen. Das macht sich positiv bemerkbar für die Hörer der mittlerweile mehr als 300 GENUIN-CDs mit Interpreten wie Paul Badura-Skoda, Nicolas Altstaedt oder der Dresdner Philharmonie.


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