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Mittwoch, 15. Juli 2020

Enescu: Works for Violin and Piano - Duo Brüggen-Plank

Enescu neu entdeckt


Label/Verlag: Genuin
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Mit Sorgfalt und Können widmen sich die Geigerin Marie Radauer-Plank und die Pianistin Henrike Brüggen dem kammermusikalischen Schaffen des rumänischen Komponisten George Enescu.

2017 überraschte das Duo Brüggen-Plank mit ihrer ersten CD beim Label Genuin mit Sonaten und Bearbeitungen für Violine und Klavier des polnischen Komponisten Karol Maciej Szymanowski. Es war nicht nur ihr makelloses Spiel, sondern ihre Interpretation, die belegt, dass Henrike Brüggen am Klavier und Marie Radauer-Plank an der Violine miteinander auf Augenhöhe musizieren. Die intensive Auseinandersetzung mit dem Komponisten wie dem Werk ist für sie selbstverständliche Voraussetzung zur Interpretation. Zudem haben beide in der seit 2007 bestehenden Duo-Partnerschaft einen künstlerischer Reifegrad erreicht, der allen theoretischen Unterbau als natürlich gegeben vergessen lässt und die Aufmerksamkeit ausschließlich auf das jeweilige Werk konzentriert.

Auf ihrer zweiten CD porträtiert das Duo Brüggen-Plank nun den Rumänen George Enescu (1881-1955) mit seinen Violinsonaten Nr. 2 op. 6 und Nr. 3 op. 25, mit den 'Impressions d‘enfance' op. 28 und dem 'Impromptu concertant' aus dem Jahr 1903. Enescus Musik sei zu schwierig, um in den Konzertprogrammen eine Rolle zu spielen, stellt der Musikwissenschaftler und Komponist Pascal Bentoiu fest. Seit Jahrzehnten beschäftigt er sich mit seinem Landsmann Enescu, der im Reigen mit Fritz Kreisler und Jacques Thibeaud einer der berühmtesten Geiger seiner Zeit war. In gleichem Maße suchte Enescu die Anerkennung als Komponist.

Festgelegt auf den volkstümlichen Stil

Enescu war ein Wunderkind. Mit vier Jahren begann er das Violinspiel, mit fünf Jahren schrieb er sein erste Komposition. Während er als Virtuose dem Zeitgeschmack seinen Tribut zollte, entwickelte er als Komponist einen unvergleichlichen Personalstil. Als Student beschäftigte er sich zunächst intensiv mit rumänischer Folkloristik, die in den Werken jener Frühphase durchklingen. Das gilt u. a. für seine Violinsonate Nr. 3 op. 25, was ihm den Ruf des volkstümlichen Exoten einbrachte und ihn zeitlebens darauf festlegte. Das neoromantische 'Impromptu concertant' des 22-Jährigen stieß auf Desinteresse, wie viele weitere Werke, die er in wechselnden Stilen komponierte, als erfände er mit jedem Werk eine neue Ausrichtung.

Die Violinsonate Nr. 2 bezeichnete Enescu in einem Atemzug mit dem Streichoktett als jene Werke, in denen er fühlte, dass er er selbst wurde. Violine und Klavier beginnen unisono überaus bewegt in mäandernden Linien, die schließlich in ein kunstvolles polyphones Geflecht zweier völlig konträrer Individuen übergehen. Rhythmus und Harmonie lösen sich auf. Das führt zu Verwirrung und Orientierungslosigkeit.

Hochvirtuos angelegte Stimmungen

Verwirrung stellt sich auch bei den 'Impressions d‘enfance' ein, komponiert 1940. Zehn einzelne Sätze in unterschiedlicher Länge zwischen einer halben Minute und vier Minuten beschreiben programmatisch Kindheitserinnerungen, Begegnungen, Naturerscheinungen oder Stimmungen. Die einzelnen Sätze sind kompositorisch so angelegt, dass der Eindruck freier Improvisation latent ist, als zeichne der Komponist im Augenblick des Geschehens in Tönen seine Eindrücke.

Marie Radauer-Plank meistert diese hochvirtuosen Partien mit Bravour. Sie zaubert im Solo silbrig glitzerndes Vogelgezwitscher und im Zusammenspiel mit Henrike Brüggen Mondscheinatmosphäre. Die Portamenti, die Enescu bewusst auskomponierte, gelingen ihr kunstvoll und bemessen am Grad der Hörgewohnheiten des Gegenwartspublikums maßvoll austariert. Virtuosität beweisen sie nicht um ihrer selbst willen, sondern lassen glitzern und funkeln, was Enescu in rasanten Tempi auszudrücken ersann.

Im Booklet erzählen die Künstlerinnen von der Vielzahl an Hinweisen, die Enescu in die Partitur schrieb, um eine Aufführung nach seinen Vorstellungen zu ermöglichen. Was immer er auch angab, Marie Radauer-Plank und Henrike Brüggen setzen es mit Verve und musikalischer Tiefe um. So gelingt es ihnen, Vorbehalte gegenüber Enescus stilistischen Reichtum und expressive Klangsprache abzubauen und Begeisterung für seine Musik zu fördern. Längst ist das heutige Kammermusik-Publikum offen für diese mitreißende Musik.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Enescu: Works for Violin and Piano: Duo Brüggen-Plank

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Genuin
1
05.04.2019
Medium:
EAN:

CD
4260036256420


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Enescu, George


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Genuin

Im Jahr 2002 standen die jungen Tonmeister von GENUIN vor einer wichtigen Entscheidung: Sollte man sich weiterhin lediglich auf das Aufnehmen und Produzieren konzentrieren, oder auf die zahlreichen Nachfragen und positiven Rückmeldungen von Musikern und Fachzeitschriften eingehen und ein eigenes Label ins Leben rufen? In einer Zeit, in der praktisch alle großen Klassik-Label ihre Produktion eingestellt oder zumindest stark gedrosselt hatten, fiel die Entscheidung nicht leicht – aber sie fiel einstimmig aus: zugunsten einer offiziellen Vertriebsplattform für die GENUIN-Aufnahmen. Und der Erfolg hat nicht lange auf sich warten lassen.

Das Label GENUIN hat sich in seinem zwölfjährigen Bestehen zu einem Geheimtipp unter Musikern und Musikliebhabern entwickelt. Schon vor dem Leipzig-Debüt im Oktober 2004, einem Antrittskonzert im Robert-Schumann-Haus mit Paul Badura-Skoda, wurden die CDs in den deutschlandweiten Vertrieb gebracht und von Fachpresse und Musikerwelt hochgelobt. Inzwischen werden GENUIN-CDs in den meisten Ländern Europas sowie in Japan, Süd-Korea, Hongkong und den USA vertrieben.

Das Erfolgsrezept von GENUIN: Die gesamte Produktion, also die Beratung der Künstler bei Aufnahmeraum und Repertoire, die Vorbereitung und Durchführung der Aufnahme selbst, der Schnitt mit allen notwendigen Korrekturen, generelle Entscheidungen beim Cover- und Bookletentwurf bis hin zur fertigen Veröffentlichung liegen in der Hand der Tonmeister. Nur so haben die Musiker den größtmöglichen Entfaltungsspielraum bei der Einspielung und Gestaltung ihrer CDs. Und gleichzeitig kann bis zuletzt eine gleichbleibend hohe Qualität garantiert werden.

GENUIN bietet auch abseits ausgetretener Pfade etablierten Künstlern genauso wie der Nachwuchsgeneration die Möglichkeit, Musik nach eigenen Vorstellungen zu verwirklichen. Das macht sich positiv bemerkbar für die Hörer der mittlerweile mehr als 300 GENUIN-CDs mit Interpreten wie Paul Badura-Skoda, Nicolas Altstaedt oder der Dresdner Philharmonie.


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