> > > Rossini, Gioacchino: Petite Messe solennelle: Wiener Singakademie, Orchestre Philharmonique de Luxembourg, Gustavo Gimeno
Freitag, 4. Dezember 2020

Rossini, Gioacchino: Petite Messe solennelle - Wiener Singakademie, Orchestre Philharmonique de Luxembourg, Gustavo Gimeno

Herzensangelegenheit auf Italienisch


Label/Verlag: Pentatone Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Gioachino Rossinis neoklassisches Spätwerk 'Petite Messe solennelle' in einer vollblütigen Pentatone-Produktion mit der Wiener Sängerakademie und dem Orchestre Philharmonique du Luxembourg.

Pentatone bringt eine neue SACD mit Rossinis neoklassischem Spät- und Meisterwerk 'Petite Messe solennelle' aus den Jahren 1863-67, rund 82 Minuten Spielzeit. Es singt die Wiener Singakademie (Einstudierung: Tobias Berndt; er spielt auch das einfühlsame 'Preludio religioso' an der Orgel). Dazu musiziert das hervorragend aufgestellte Orchestre Philharmonique du Luxembourg unter der Leitung von Gustavo Gimeno. Insgesamt eine überzeugende Aufnahme, süffig-oratorienhaft im Sound, musikalisch durchdacht, rhythmisch immer präzise, in Nuancen tempomäßig zwar etwas breit angelegt (z. B. im 'Kyrie') und in punkto Solisten mit Eleonora Buratto (Sopran), Sara Mingardo (Mezzo), Kenneth Tarver und Luca Pisaroni etwas uneinheitlich besetzt, doch alles in allem eine sehr verdienstvolle Tat.

Insbesondere wer diese Messe, die Rossini während seines Sommeraufenthaltes 1863 in seiner Villa in Passy, einem Vorort von Paris, komponierte, noch nicht kennt, darf getrost zu dieser leidenschaftlich eingefärbten Interpretation greifen. Denn unzweifelhaft hat Gustavo Gimeno (*1976 in Valencia) hier sein spanisches Temperament auf die Wagschale geworfen, was bei Abschnitten wie 'Domine Deus' – herrlich gesungen vom amerikanischen Tenor Kenneth Tarver – sogleich ins Ohr fällt. Gimeno lernte von großen Meistern wie Mariss Jansons, dessen Assistent er in Amsterdam war, sowie bei Bernhard Haitink und Claudio Abbado. Der Chef in Luxembourg wechselt ab der nächsten Saison 2020/21 nach Toronto zum Toronto Symphonie Orchestra. Hier gibt er dirigentisch noch einmal alles, um bleibenden guten Eindruck zu hinterlassen, modelliert Kontraste und beschwört die Romantik, herzzerreißend gesungen im Duett 'Qui tollis' von Eleonora Buratto (Sopran) und Sara Mingardo (Mezzo-Sopran).

Manche Defizite

Das Maestro-Tempo im 'Kyrie' ('Andante maestoso') klemmt allerdings ein bisschen und an Durchhörbarkeit des Chorklangs mangelt es gelegentlich (dazu vergleiche der Hörer einmal das viel frischere Tempo von Ottavio Dantone mit dem Orchestre de Chambre de Paris und dem Accentus Chamber Choir). Doch sind hier, bei der Wiener Singakademie ‚nur‘ Laiensänger am Werk, was anerkennend zu registrieren ist, was aber zur Folge hat, dass eben auch manche Defizite zu Tage treten, wie zum Beispiel träge Alt-Tuttieinsätze im 'Et resurrexit'. Beim 'Christe' (a cappella) ist deshalb vielleicht die Intonation nicht ganz so perfekt, wie beispielsweise bei der Aufnahme von Chorus und Academy von St. Martin in the Fields (Philips 2006), die im Übrigen auch noch etwas mehr Charme rüberbringt. Auch wird dort deutlicher artikuliert.

Sehr triumphal-pathetisch schlägt Gimeno das 'Gloria' an, welches nach wenigen Tutti-Takten vom Soloquartett fortgesetzt wird. Der Klang ist hier opulent, wunderschön erschallt die herbe Stimme des Basses Luca Pisaroni, der den Anfang macht. Weich und sonor ertönt von ihm das 'Gratias'. Contraalto und Tenor forcieren aber im Folgenden etwas das Vibrato, was den Klang sehr in Richtung Oper rücken lässt.

Durch die verzwickte Fuge des 'Cum Sancto spiritu' schlagen sich die Sängerinnen und Sänger der Wiener Singakademie durchaus mit Anstand, wenngleich alles noch ein bisschen leichtfüßiger daher kommen könnte; die zweite Fuge 'Et Vitam Venturi' schwächelt dann aber schon hörbar. Der Tuttibass verschwindet da streckenweise nahezu im Off, weil das Tempo unnachgiebig flott bleibt. Welchen kompositorischen Pfiff die Messe hat, kann jeder am 'Credo' ablesen, das für Einwürfe des Solistenquartetts noch einmal ein Podium bietet: Alle vier Solisten überzeugen da mit lyrischer Stimmfülle und guter Intonationssicherheit, wobei sie alle die italienische Aussprache des Lateinischen anwenden. Einen süß-schmerzlichen Moment markiert das längere Sopransolo im 'Crucifixus'. Hier kann Eleonora Buratto nicht nur mit ihrer blühenden Stimme den Klang modellieren, sondern auch mit ihrer weiten Amplitude begeistern.

Rührend-sanft

Ein fantastischer, heroisch-dunkel getönter Bläsersatz und ein religiöses Orgelsolo (einfühlsam: Tobias Berndt) setzen noch einmal eine Zäsur vor 'Sanctus' (Chor und Solisten a cappella), 'O salutaris hostia' (Orchester und die feinnervig agierende Eleonora Buratto korrespondieren hier gut ausbalanciert) und finalem 'Agnus Dei' (leidenschaftlich-wehklagend: Mezzosopranistin Sara Mingardo). Auch der Chor findet hier noch einmal zu rührend-sanften Tönen im 'Dona nobis pacem'. Dass Rossini es sich nicht hat nehmen lassen, noch ein 8-taktiges Nachspiel anzufügen, welches die Stimmung von E-Moll-Traurigkeit in lebensbejahendes E-Dur zu vertauscht, zeugt von seiner so optimistischen, positiven Lebenseinstellung. Ein wundervolles Werk!

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Rossini, Gioacchino: Petite Messe solennelle: Wiener Singakademie, Orchestre Philharmonique de Luxembourg, Gustavo Gimeno

Label:
Anzahl Medien:
Pentatone Classics
1
Medium:
EAN:

CD SACD
827949079764


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Rossini, Gioacchino


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Pentatone Classics

PentaTone wurde im Jahr 2001 von drei ehemaligen Leitenden Angestellten der Philips Classics zusammen mit Polyhymnia International (dem ehemaligen Philips Classics-Aufnahmezentrum) ins Leben gerufen.
Die Gründer von PentaTone sind überzeugt, dass der 5-Kanal Surround-Sound allmählich den heute noch gängigen Stereo-Sound ersetzen wird, vor allem weil er die Hörerfahrung immens bereichert. Die Einführung der Super Audio-CD (SA-CD) durch Sony und Philips hat es dem Hörer ermöglicht, sich den Konzertsaal direkt ins eigene Wohnzimmer zu holen. Die SA-CD hat im Vergleich zur CD eine weitaus höhere Speicherkapazität und sie kann 5-Kanal-Informationen in hoher Auflösung aufnehmen. Deshalb bietet die SA-CD einen hochwertigen Surround Sound.
Alle PentaTone-Aufnahmen erscheinen auf sog. hybriden SA-CDs, die zwei miteinander verbundene Schichten haben. Die erste enthält das normale CD-Signal, während auf der zweiten das Surround-Sound-Signal abliegt. Diese hybriden Tonträger können mit Stereo-Effekt auf jedem normalen CD-Spieler abgespielt werden. Um den Surround Sound-Effekt zu erzielen, benötigt man einen SA-CD-Spieler.
PentaTone baut seit einigen Jahren mit den hervorragenden Aufnahmen von Polyhymnia International einen neuen Klassikkatalog auf, der die berühmtesten Werke der Musikgeschichte enthält, interpretiert von absoluten Weltklasseinterpreten. So wurden Symphonie-Zyklen von Beethoven, Bruckner, Schostakowitsch und Schumann begonnen. Ein Brahms-Zyklus mit Marek Janowski am Pult des Pittsburgh Symphony Orchestra ist bereits erschienen. Sämtliche Werke für Violine und Orchester von Mozart wurden mit Julia Fischer aufgenommen, dem "Gramophone Artist of the Year 2007". In seiner kurzen Geschichte hat PentaTone bereits zahlreiche renommierte Preise gewonnen, darunter einen Grammy, einen Gramophone Award, einen Preis der deutschen Schallplattenkritik, zwei Echos, zwei Diapason d'Ors de l'année und einen CHOC de l'année.
Neben den Neuaufnahmen veröffentlicht PentaTone auch historische Surround Sound-Aufnahmen auf SA-CD. Dafür hat PentaTone sämtliche, zwischen 1970 und 1980 von Philips Classics im Quadrophonie-Verfahren entstandenen Aufnahmen für die Herausgabe auf SA-CD lizenziert. Auf diesen Einspielungen sind die legendären Philips Classics-Künstler jener Epoche zu hören. Mit dem heutigen SA-CD-System kommen diese spektakulären und hochwertigen 4-Kanal-Aufnahmen so zur Geltung, wie man es ursprünglich geplant hatte. Die Serie trägt den Titel "RQR" (Remastered Quadrophonic Recordings).


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