> > > Perpetual Twilight: The Choral Scholars of University College Dublin, Desmond Earley
Donnerstag, 1. Oktober 2020

Perpetual Twilight - The Choral Scholars of University College Dublin, Desmond Earley

Zwielichte Stimmungen


Label/Verlag: signum classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Über die vielfältigen gefühlsschwangeren Assoziationen, die Desmond Earley mit seinem Chor erzeugt, lässt sich streiten. Doch es handelt sich hier um konzeptionell schlüssige, feine Chormusik.

Elfenzauber wie in 'Der Herr der Ringe', Sonnenuntergangsromantik in den Weiten des Wilden Westens, Berggipfel-Erhabenheit zum Mondgesang des Solocello, Friedensappell oder Seligkeitsversonnenheit – vielfältig sind die gefühlsschwangeren Assoziationen, die Dirigent Desmond Earley und The Choral Scholars of University College Dublin mit ihrer zweiten CD beim Label Signum Classics in Gang setzen. 'Perpetual Twilight' wählten sie als Titel.

Von der Überwindung der Dunkelheit

'Perpetual Twilight' verweist auf einen Zustand des Übergangs zwischen Gewesenem und Kommendem, Zwielicht zwischen Dämmerung und Aufgang, ein Raum, in dem Nachklang und Vorahnung zusammentreffen, nicht wissend, wie es sich ergeben wird. Dichter schwärmen davon, dass das ewige Zwielicht die Dunkelheit überwindet. Dieses Naturphänomen hat die irische Kultur wesentlich geprägt. 1893 veröffentlichte der spätere Literaturnobelpreisträger William Butler Yeats 'The Celtic Twilight', eine Sammlung kurzer Prosastücke, die von Elfen, Träumen, Legenden und Volksweisheiten erzählen und um 1900 große Bedeutung erlangten, als sich die irische Nation neu erfand.

Bereicherung mit Neukompositionen

Um diese phantasiebeflügelnde Naturwelt und um das Phänomen des zauberhaften Zwielichts um Mitternacht ging es Desmond Earley, Initiator und künstlerischer Leiter der Choral Scholars of University College Dublin. Inspirationsquelle und Leitmotiv zog der Dirigent aus einem Text von Galileo Galilei. Die zentrale Aussage ‚we had perpetual twilight and never darkness‘ inspirierte ihn zur Eigenkomposition mit dem Titel 'Body of the Moon' und zur Auswahl sieben weiterer Werke auf Texte von James Joyce aus der Feder von Komponistinnen und Komponisten, die vor allem im Filmmusikgeschäft oder in der Lehre tätig sind. Die originalen Chorsätze von Timothy Stephens, Natasa Paulberg, Bill Whelan, Eoghan Desmond, Ivo Antognini und Colin Mawby erklingen hier erstmals auf Tonträger. Dazwischen fügte Desmond Earley eigene Arrangements irischer und schottischer Volksweisen ein.

Chorklang mit Soli

Alle Chorsätze sind traditionell homophon gesetzt, jeder Chorsatz hat mindestens eine vokale Solopartie, gelegentlich ist eine kammermusikalische Besetzung beigefügt, Cello, Harfe, Klavier, ein Solohorn oder eine Klarinette. Die Unterschiede sind minimal, rein rhythmisch, gelegentlich kurze Sekundreibungen, aber flächig angelegt und darauf ausgerichtet, sich harmonisch in Wohlklang aufzulösen. Einheitlich dominiert Klangschönheit die Interpretationen. The Choral Scholars ist ein handverlesenes Ensembles junger Sänger mit entsprechender Stimmschulung. Desmond Earley hat sie zu einem Chor zusammengeführt, der durch eine perfekte klangliche Ausgewogenheit und Abstimmung besticht. Hinzu kommen eine klare Aussprache, homogene Dynamik und Intonationssicherheit, durchweg technische Grundlagen, die der Chor beherrscht. Das bewirkt, dass bei scheinbar einheitlicher Grundstimmung aller Chorsätze Differenzierungen hörbar sind und der Eindruck souveräner Beherrschung permanent bleibt.

Die sieben Neukompositionen, 'Body of the Moon' und die Arrangements werden passionierte Chöre nicht nur zum Hören inspirieren. Im ausschließlich englischsprachigen Booklet erklärt Desmond Earley seine Idee zur CD, bietet Hintergrundwissen zur Textdeutung und zur Bedeutung traditioneller Weisen. Anschließend folgen die Texte der Lieder. Über die sieben Komponisten erfährt man wenig bis gar nichts. Das würde man sich wünschen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Perpetual Twilight: The Choral Scholars of University College Dublin, Desmond Earley

Label:
Anzahl Medien:
signum classics
1
Medium:
EAN:

CD
635212055823


Cover vergössern

signum classics

Signum Records is fuelled by the passion to produce great music recorded with integrity and creativity at the highest level.

Signum is a privately-owned and steadily-growing record label that benefits from the commitment and services of its sister company, Floating Earth, the leading production and engineering specialist service provider in Europe.

Having started the label in 1997 Signum now boasts a catalogue of nearly 150 titles and many of which are award winners, nominees or five star review recipients from around the world.

The small Signum team strives to provide a first class service at all times with clients, artists, suppliers and colleagues. Signum works with new and emerging artists and composers through to established artists, making available much-loved areas of repertoire as well as previously unheard, innovative recordings.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag signum classics:

  • Zur Kritik... Adès spielt Beethoven anders als die andern: Die Beethoven-Symphonien 1 bis 3 in der Neueinspielung der Britten Sinfonia unter dem Dirigat von Thomas Adès zu hören heißt: einer Revolution zu lauschen. Weiter...
    (Dr. Kevin Clarke, )
  • Zur Kritik... Höchstmaß an Plastizität: Mit dem Aufführungsprojekt 'Shostakovich 15' gewann das Carducci String Quartet 2016 einen der Royal Philharmonic Society Music Awards. Die zweite Folge einer laufenden Studio-Einspielung der 15 Quartette unterstreicht die großen Qualitäten der Briten. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
  • Zur Kritik... Dvořák dystopisch: Turing-Test mit vier Streichern: Das Albion Quartet widmet sich Dvorak. Weiter...
    (Daniel Krause, )
blättern

Alle Kritiken von signum classics...

Weitere CD-Besprechungen von Christiane Franke:

  • Zur Kritik... Überraschend modern: Beispielhaft widerlegt das Szymanowski Quartett in seiner Besetzung von 2014 die Vorstellung, dass Volksmusik nur simpel adaptiert werden könne. Weiter...
    (Christiane Franke, )
  • Zur Kritik... Leuchtende Intensität der Klangfarben: Gäbe es den Begriff der altersweisen Interpretation, so träfe er das inspirierte Spiel des Hamlet Piano Trio. Weiter...
    (Christiane Franke, )
  • Zur Kritik... Einfachheit als Prinzip: Der Geist des Singens bewahrt den Menschen davor, zur Maschine zu werden - dieses Postulat bestimmt den Duktus der Werke von Zoltán Kodály für sein Lieblingsinstrument, das Cello. Julian Steckel geht diesem Phänomen auf den Grund. Weiter...
    (Christiane Franke, )
blättern

Alle Kritiken von Christiane Franke...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Düstere Beschwörungen: Pianist Frank Peters und Mezzosopranistin Ekaterina Levental beginnen eine Gesamteinspielung der ziemlich individuellen Lieder des Russen Nikolaj Medtner. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
  • Zur Kritik... Klänge des 21. Jahrhunderts: Das London Symphony Orchestra bietet zwölf jungen Komponistinnen und Komponisten eine freie Spielfläche. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Zwischen klassischem Klavierkonzert und Filmwalzer: Der Pianist Oliver Triendl und der Dirigent Ernst Theis werben auf einer schönen CD für die klassische Seite des Operettenkomponisten Oscar Straus. Weiter...
    (Karin Coper, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Jupiter

Anzeige

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (10/2020) herunterladen (3612 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich