> > > Schütz, Heinrich: Ressurection of Christ: La Petite Bande, Sigiswald Kuijken
Mittwoch, 29. Januar 2020

Schütz, Heinrich: Ressurection of Christ - La Petite Bande, Sigiswald Kuijken

Schütz, schlicht und klar


Label/Verlag: Accent
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Sigiswald Kuijken wendet sich einer der Wurzeln seiner jahrzehntelangen hochinspirierten musikalischen Arbeit zu: Heinrich Schütz wird mit schlichter, auf Klarheit zielender Geste lebendig gemacht.

Der große Musiker und Ensembleleiter Sigiswald Kuijken begeht in diesem Jahr seinen 75. Geburtstag – Zeit also, auf sein üppiges interpretatorisches Schaffen zurückzuschauen. Viele können das ganz leicht im heimischen Plattenschrank tun, anhand der üppigen Produktionen von La Petite Bande, also jenes Ensembles, das Kuijken seit 1972 bis heute begleitet. Manches wird gewiss wiederveröffentlicht werden. Und es gibt auch aktuelle musikalische Lebenszeichen des auf vielen Streichinstrumenten heimischen Kuijken. Aktuell ist es eine beim Label Accent erschienene Platte mit Werken von Heinrich Schütz, die der Passions- und Osterzeit zuzurechnen sind.

Schlichte Geste und opulente Wirkungen

Einleitend gibt es eine exquisite Folge von Motetten, aus verschiedenen Werkschichten Schütz‘ stammend. Der älteste Beitrag ist SWV 35 'Singet dem Herrn ein neues Lied' aus den 1618 erschienenen 'Psalmen Davids'. Dazu kommt der Oster-Dialog 'Weib, was weinest du?' SWV 443 und die Motette 'Ich bin die Auferstehung und das Leben' SWV 464, beide wohl aus den 1620er Jahren stammend. Schließlich 'Ich weiß, dass mein Erlöser lebt' aus der 'Geistlichen Chormusik' von 1648. Damit durchmessen Kuijken und seine Mitstreiter den weiten Raum verschiedener Schaffensperioden ebenso wie das gleichfalls weite Feld zwischen betont schlichter Geste und durchaus opulenten Wirkungen.

Kern des Programms ist aber Schütz' Opus 3, seine 1623 entstandene 'Historia der fröhlichen und siegreichen Auferstehung unsers einigen Erlösers und Seligmachers Jesu Christi'. Dieses Werk ist nicht nur zeitlich klar getrennt von den späten Historienvertonungen: Hier, im Werk des reifenden Komponisten, geht die Musik, bei aller Schlichtheit der Haltung, doch deutlich über die fast schon karge Sphäre jener Alterswerke hinaus. Es gibt durchgehende instrumentale Anteile, die chorischen Partien sind reicher und effektvoller. Als Beispiel mag die siegesgewisse Conclusio dienen, die alle Kräfte vereint und in deutlicher Verwandtschaft zur Klangwelt der 'Psalmen Davids' steht. Dennoch haben wir es über weite Strecken, etwa im an Schmuck armen, freilich von einem zarten Gambengewebe umgebenen Evangelistenbericht, mit einer Welt reduzierter Wirkungen zu tun, strukturklar und durchscheinend, von zarter Farbigkeit und behänder Geste.

Inspiriert

Diesen Duktus greifen Sigiswald Kuijken und La Petite Bande sehr gelungen auf. Das Vokalconsort besteht aus den Sopranistinnen Anna Gschwend, Yeree Suh und Marie Kuijken, dazu kommen die Tenöre Sören Richter, Baltazar Zuñiga und Daniel Schreiber. Letzterer ist übrigens auch als strahlkräftiger hoher Tenor oder Altus zu hören – mit einer Stimme, die sich ohne Mühen und Makel in lichte Höhen erhebt. Dazu tritt als weiterer Tenor Stephan Scherpe, der den Evangelisten singt. Bariton ist Jens Hamann, Bass Stefan Vock. Die neun Vokalisten ergeben ein wirklich schlankes, bewegliches Ensemble, das feine Linien spinnt, dazu rhythmisch prägnant agiert: eine insgesamt harmonische und ausgeglichene Präsentation. Stephan Scherpe gelingt mit der Evangelisten-Partie ein feiner Vortrag, natürlich wirkend im Parlando der großen Textmenge, mit unangestrengter Diktion – eine Grundhaltung, aus der er eine milde Expressivität und Dringlichkeit gewinnt. Instrumental ist das Geschehen gleichfalls konzentriert. In der Auferstehungshistorie sind es die den Evangelisten-Part umrankenden Gamben, die einigen Eindruck machen, auch in solistischer Besetzung hochwirksam, dennoch dezent. Dazu tritt eine schlichte Orgel – eine Konstellation, die trotz dieser reduzierten Charakteristik differenzierte Wirkungen, gar einen gewissen klanglichen Reichtum ermöglicht.

Sigiswald Kuijken lässt die Musik deutlich in Bewegung geraten, hört feine dynamische Nuancen aus – gattungs- und besetzungsgemäß sind keine großen Kontraste zu verzeichnen – und leitet das Ensemble zu intonatorischer Reinheit von fast gläserner Klarheit an. Zugleich: Mehr Sprachinspiration als hier ist kaum möglich, so viel naturnahes Sprechen und davon inspiriertes Singen sind zu hören. All das ist in einem betont klaren, edel balancierten und struktursatten Klangbild realisiert, durchscheinend beinahe, aber dennoch mit Saft und Kraft.

Sigiswald Kuijken wendet sich einer der Wurzeln seiner jahrzehntelangen hochinspirierten musikalischen Arbeit zu: Heinrich Schütz wird mit schlichter, auf Klarheit zielender Geste lebendig gemacht. Das ist eindringlich und aktuell. Und es wirkt aus sich selbst heraus überzeugend.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Schütz, Heinrich: Ressurection of Christ: La Petite Bande, Sigiswald Kuijken

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Accent
1
08.03.2019
Medium:
EAN:

CD
4015023243552


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Schütz, Heinrich


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Accent

Schon bei der Gründung des Labels 1979 durch Andreas Glatt war klar, dass ACCENT sich fast ausschließlich mit Alter Musik in historischer Aufführungspraxis beschäftigen würde. Die Künstler, die für ACCENT aufnehmen oder aufgenommen haben, gehörten von Anfang an zu den renommiertesten Interpreten der "Alte-Musik-Szene": darunter die Brüder Barthold, Sigiswald und Wieland Kuijken, René Jacobs, Jos van Immerseel, Maria Cristina Kiehr mit La Colombina, Paul Dombrecht, Marcel Ponseele mit seinem Ensemble Il Gardellino, aber auch jüngere Künstler wie Ewald Demeyere und sein Bach Concentus, das Ensemble Private Musicke mit Pierre Pitzl oder das Amphion Bläseroktett. Der ACCENT-Katalog möchte den neugierigen Musikfreund auf eine Reise durch die Welt der Alten Musik mitnehmen. Dabei wird er, neben ausgewählten Standardwerken, nicht selten Stücken begegnen, die kaum im Konzertbetrieb oder auf CD anzutreffen sind. Erstaunlicherweise stammen sie nicht nur von wenig bekannten Komponisten, sondern auch von so großen Namen wie Johann Sebastian Bach oder Georg Philipp Telemann. Diese Raritäten werden für ACCENT nicht allein um ihres Seltenheitswerts aufgenommen, sondern vielmehr, weil sie wichtige, bislang sträflich vernachlässigte Werke sind, deren Entdeckung zu einem persönlichen Anliegen der Interpreten wurde.


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