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Sonntag, 15. Dezember 2019

An Enduring Voice - The Sixteen, Harry Christophers

Marianisches


Label/Verlag: Coro
Detailinformationen zum besprochenen Titel


The Sixteen im 40. Jahr seit der Gründung: Es wird vermutlich nicht die einzige Produktion bleiben. Und auch die anderen werden ähnlich überzeugend sein, das lässt die bislang hochklassige Diskografie vermuten.

Schmuckstücke des einzigartigen Eton Choir Book mit ambitionierten Kompositionen der Gegenwart zu verbinden und in lebendigen Austausch zu bringen, das ist schon seit langem ein Erfolgsrezept von Harry Christophers und seinem famosen Vokalensemble The Sixteen. Und es trägt auch jetzt, vierzig Jahre nach der Gründung der Formation, erstaunlich mühelos, in einem geradezu marianisch durchglühten Programm. Aus dem Eton Choir Book, das Christophers und sein profilierter Kammerchor schon einmal insgesamt maßstäblich eingesungen haben, sind nur wenige, dafür gewichtige Sätze vertreten: John Sheppard ist mit Gloria und Agnus Dei aus seiner Missa Cantate vertreten, dazu kommen Robert Fayrfax mit 'Eternae laudis lilium' und vor allem Robert Wylkynson mit dem ausgreifenden 'Salve Regina'. Das sind emotional durchschienene Architekturen von teils größtem Ausmaß, in denen sich das Ensemble hörbar zu Hause fühlt. Besonders Wylkynsons Mariengebet beeindruckt, wie es sich in neunstimmigem Kontrapunkt dicht und ungemein klangvoll verströmt.

Marianisch durchglüht

 

Die Stimmen der Gegenwart stammen von John Tavener, Eric Whitacre, Gabriel Jackson und James MacMillan und führen die Sphäre der Marienanbetung in die Gegenwart. Whitacre weitet in 'Sainte-Chapelle' die eingangs präsentierte gregorianische Einstimmigkeit in seine eigene, klangsensible und harmonisch attraktive Welt hinein – das führt zu durchaus komplexen Schichtungen und harmonisch ambitionierten Ballungen, die gleichwohl nie auf ganz schroffes Feld führen und vor allem ihre Wirkung auf den Hörer nie aus dem Blick verlieren. Außerdem ist die Musik des 2013 verstorbenen John Tavener mit drei Sätzen zu erleben: Am Beginn steht 'A Hymn to the Mother of God', später folgt die gleichfalls marianische 'Hymn für the Dormition of the Mother of God', ganz am Schluss des Programms dann noch als Beigabe der 'Song for Athene': Die beiden Mariensätze sind affektiv eher schlichte Anrufungen, die deutlich von Taveners orthodox inspirierter Klangästhetik profitieren und manch eindrucksvolle Tiefenwirkung hervorrufen. Gabriel Jacksons 'Ave Maria' ist tatsächlich ein sanftes, intimes Gebet. Das deutlichste Interesse erregt dann James MacMillan mit seinem 'O Virgo prudentissima': Dieses von der Genesis Foundation, der The Sixteen schon etliche hochkarätige Kompositionen der vergangenen Jahre zu verdanken hat, in Auftrag gegebene Stück basiert auf einem sechstaktigen Fragment, das im Eton Choir Book von der Hand Robert Wylkynsons überliefert und mit diesem Text verbunden ist. Daraus hat MacMillan eine raumgreifende Komposition von beinahe dreizehn Minuten Ausdehnung geschaffen, klangsinnlich und intensiv in der Textausdeutung, ambitioniert in den chorischen Anforderungen, gleichzeitig bemerkenswert konzise in ihrer ästhetischen Textur: MacMillan schafft verlässlich eigenständige Welten, die Eindruck machen.

Ein Ensemble von Klasse

All das ist für ein Ensemble solcher Klasse, wie sie The Sixteen seit vier Jahrzehnten ohne erkennbare Schwächen verkörpern, ungemein dankbares Repertoire. Die komplexen Linien der kontrapunktischen Sätze verlebendigen die Vokalisten glanzvoll, intensiv und substanzreich im Klang: Auch nach vierzig Jahren ist dieses Stammrepertoires des Ensembles sehr viel mehr als bloße Pflichtübung. Vielmehr wirkt es spezifisch inspiriert und von innen durchglüht. Und es zeigt sich hier sehr deutlich eine Eigenart, die zumindest kontinentaleuropäischen Vokalformationen im Repertoire der Renaissance eher abgeht: Auch im Kontrapunkt lassen sich kraftvolle Gesten so gestalten, dass sie keineswegs aufgesetzt wirken oder den Sätzen in ihrer grundsätzlichen Wirkung entgegenstünden.

Mit derselben Begeisterung stürzen sich The Sixteen in jedes moderne Abenteuer, mit subtilem Verständnis, mit wachen Ohren und der Überzeugung, Kunst zur Entfaltung zu verhelfen, die kostbar ist und reich an Substanz. Natürlich basiert all das auf Kernkompetenzen, die unhinterfragbar vorhanden sind: Fabelhaft profilierte Register, makellose Intonation auch da, wo es entweder wegen ausgreifender Architekturen oder heikler Akkordik eine besondere Herausforderung ist, in dieser Hinsicht zu reüssieren, dazu eine große Bandbreite an dynamischen Aussagen und die Fähigkeit, auch große Linien und ausgreifende Entwicklungen verlässlich so zu substantiieren, dass nie Spannung verloren geht. Und auch das gehört zu den Eigenarten des Ensembles: Der Diskant ist immer wieder etwas zu hart in seiner Wirkung, wirkt gelegentlich kristallin. Auch das Klangbild unterstreicht diesen Aspekt, mit Klarheit und Plastizität, hell ausgeleuchtet.

The Sixteen im 40. Jahr seit der Gründung: Es wird vermutlich nicht die einzige Produktion bleiben. Und auch die anderen werden ähnlich überzeugend sein, das lässt die bislang hochklassige und von gewaltiger Produktivität zeugende Diskografie mehr als nur vermuten.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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    An Enduring Voice: The Sixteen, Harry Christophers

Label:
Anzahl Medien:
Coro
1
Medium:
EAN:

CD
828021617027


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Coro

CORO is the lively and successful record label of Harry Christophers and The Sixteen. Formed in 2001 Coro has re-mastered, re-packaged and re-issued recordings of The Sixteen that were for a short time available on Collins Classics and now releases most of the ensemble?s new recordings. The label also features artists such as The Hilliard Ensemble, Elin Manahan Thomas and Sarah Connolly as well as a ?Live? series and young artists focus. It has recently launched the Acoustic World series of discs which epitomize CORO?s values of excellence of performance, authentic instruments, brilliance of sound and world class musicians.

Celebrated releases include Allegri?s Mierere, Tallis?s Spem in Alium and the complete Eton Choirbook Collection. More recently CORO has released brand new recordings by The Sixteen of Handel?s Coronation Anthems and Fauré?s Requiem with the Academy of St Martin in the Fields. The ensemble?s recording of Handel?s celebrated oratorio, Messiah, with an all-star soloist line-up: Carolyn Sampson, Catherine Wyn-Rogers, Mark Padmore and Christopher Purves, was awarded the prestigious MIDEM Classical Award 2009.

The Sixteen is recognised as one of the world?s greatest ensembles. Comprising both choir and period instrument orchestra, The Sixteen's total commitment to the music it performs is its greatest distinction. A special reputation for performing early English polyphony, masterpieces of the Renaissance, bringing fresh insights into Baroque and early Classical music and a diversity of twentieth-century music, is drawn from the passions of conductor and founder, Harry Christophers.

At home in the UK, The Sixteen are "The Voices of Classic FM", TV Media Partner with Sky Arts, and Associate Artists of Southbank Centre, London. The group promotes an annual series at the Queen Elizabeth Hall as well as The Choral Pilgrimage, a tour of our finest cathedrals bringing music back to the buildings for which it was written. The Sixteen has recently featured in the highly successful BBC Four television series, Sacred Music, presented by actor Simon Russell Beale.

The Sixteen tours throughout Europe, Japan, Australia and the Americas and has given regular performances at major concert halls and festivals worldwide, including the Barbican Centre - London, Bridgewater Hall - Manchester, Concertgebouw - Amsterdam, Sydney Opera House, Tokyo Opera City and Vienna Musikverein and also at the BBC Proms, the festivals of Granada, Lucerne, Istanbul, Prague and Salzburg.

Bringing together live concerts and recording plans has allowed The Sixteen to develop a glittering catalogue of releases, containing music from the Renaissance and Baroque through to great works of our time.


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