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Samstag, 20. Juli 2019

Händel, Georg Friedrich: Rinaldo - Lautten Compagney Berlin

Armida stiehlt die Show


Label/Verlag: Arthaus Musik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Allein für die orchestrale Leistung und die Armida von Gesche Geier lohnt sich das Hören dieses Mitschnitts. Wirklich konkurrenzfähig ist dieser 'Rinaldo' vermutlich aber nicht.

Georg Friedrich Händel erzielte mit der 1711 für London komponierten Opera seria 'Rinaldo' seinen zu Lebzeiten größten Opernerfolg. Einige Male hat Händel den 'Rinaldo' umgearbeitet, Figuren hinzugefügt oder gestrichen, Stimmfächer gewechselt und damit auch Nummern ersetzt – aber im Opernalltag des 18. Jahrhunderts ist das nichts Ungewöhnliches. Seit einigen Jahrzehnten gehört 'Rinaldo' wieder zum festen Händel-Repertoire in Opernhäusern aller Größen, und das nicht erst im Zuge der boomenden Händel-Renaissance. Folglich liegen auch auf Tonträger einige lohnenswerte Einspielungen und Mitschnitte vor, die nicht selten vom Starrummel einzelner Mitwirkender zehren.

Solcherlei große Namen hat der bei Arthaus auf zwei CDs erschienene Mitschnitt vom Mai 2014 bei den Ludwigsburger Festspielen nicht zu verzeichnen. Das sagt nicht im Geringsten etwas über die qualitativen Leistungen der Solisten aus, aber es dürfte sich auf die Attraktivität der Veröffentlichung im Schatten der Christopher-Hogwood- oder René-Jacobs-Aufnahme auswirken. Hinzu kommt die Beobachtung, dass dieses CD-Set anscheinend bereits Teil der früheren DVD-Veröffentlichung dieses 'Rinaldos' war. Die in der Presse vielgelobte Aufführung mit Marionetten und den im Orchestergraben platzierten Sängern scheint sich auf DVD nicht überzeugend verkauft zu haben. Nun zieht das Label also mit der Tonspur nach.

Lebendigkeit und Spontaneität

Und was hier zu hören ist, überzeugt im Großen und Ganzen. Das Klangbild ist präsent und klar, die Livesituation sorgt für hörbare Lebendigkeit und theatrale Spontaneität. Besonders beeindruckend ist die Leistung der Lautten Compagney Berlin unter der Leitung von Wolfgang Katschner. Das ist virtuos musiziert, stets mit federnder Leichtigkeit und auf Transparenz bedacht. Alle Musiker agieren mit solistischer Prägnanz, fügen sich aber kongenial ins Ensemble. Schon die Ouvertüre packt den Hörer mit ihrer Sinnlichkeit und Spielfreude. Kleinere Einsätze des Schlagwerks würzen die Partitur geschmack- und effektvoll. So macht Händels Kreuzritter-Zauberoper im Orchestergraben unheimlich viel Spaß.

Das Sängerensemble wird von Antonio Giovannini als Rinaldo angeführt. Furchtlos stürzt er sich in die wildesten Verzierungen, findet seine besten Momente aber eher in den innigen Passagen, wie in 'Cara sposa' am Ende des ersten Aktes. Bei aller Souveränität vertrüge Giovanninis Interpretation aber noch eine Portion Brillanz und vokale Präsenz. Alle musikalischen Anforderungen sind wunderbar bewältigt – das Feuer der Begeisterung und Faszination entfacht dieser Rinaldo aber nicht. Ähnlich ergeht es dem Hörer mit Yosemeh Adjei als Goffredo, wenngleich dem Sänger mehr Farben zur Verfügung stehen und er vokal entschiedener zupacken kann. Wo sich Giovannini auf die Tonschönheit seines Countertenors verlassen kann, punktet Adjei mit Ausdruck. Der Eustazio von Owen Willetts dagegen besitzt beides: eine atemberaubend schöne Stimme und wohldosierte Expressivität. Schade, dass Eustazio verhältnismäßig wenig zu singen hat.

Bekenntnis zu lebendigem Musiktheater

Florian Götz stattet den Argante mit wohltönendem Bass und beeindruckend geläufiger Kehle aus, während Marie Friederike Schöder als Almirena vor allem durch die Zartheit und Reinheit ihres Gesangs besticht. Das klingt auf Dauer ermüdend schön, auch wenn die Arie 'Augelletti, che cantate' bezaubernd intoniert ist und das berühmte 'Lascia ch‘io pianga' seine Wirkung mitnichten verfehlt. Von ganz anderem Holz und damit auch am überzeugendsten ist die Sopranistin Gesche Geier als Armida. Sie ist im gesamten Ensemble diejenige, die wirklich ein vokales Bekenntnis zu lebendigem Operntheater zur Diskussion stellt. Nicht minder brillant wie ihre Kollegin rast sie durch die Koloraturketten, lässt Spitzentöne leuchten und versenkt sich in die Tiefen und Untiefen von Armidas Seelenleben. Mit Gesche Geier wertet eine fulminante barocke Operndiva im besten Sinn diesen Ludwigsburger 'Rinaldo' immens auf und begibt sich inhaltlich und energetisch auf ein Niveau mit Wolfgang Katschner und seiner Lautten Compagney Berlin.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Händel, Georg Friedrich: Rinaldo: Lautten Compagney Berlin

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Arthaus Musik
1
25.01.2019
Medium:
EAN:

CD
4058407093800


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Händel, Georg Friedrich


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Arthaus Musik

Arthaus Musik wurde im März 2000 in München gegründet und hat seit 2007 seinen Firmensitz in Halle (Saale), der Geburtsstadt Georg Friedrich Händels.

Das Pionierlabel für Klassik auf DVD veröffentlicht nunmehr seit 13 Jahren hochkarätige Aufzeichnungen von Opern, Balletten, klassischen Konzerten, Jazz, Theaterinszenierungen sowie ausgesuchte Dokumentationen über Musik und Kunst. Mit bis zu 150 Veröffentlichungen pro Jahr sind bisher über 1000 Titel auf DVD und Blu-ray erschienen. Damit bietet Arthaus Musik den weltweit umfangreichsten Katalog von audiovisuellen Musik- und Kunstproduktionen und ist seit Gründung des Labels international führender Anbieter in diesem Segment des Home Entertainment Marktes.

In vielen referenzgültigen Aufzeichnungen sind die größten Künstler unserer Zeit wie auch aus vergangenen Tagen zu hören und zu sehen. Unter den Veröffentlichungen finden sich Aufnahmen mit Plácido Domingo, Cecilia Bartoli, Luciano Pavarotti, Maria Callas, Jonas Kaufmann, Elīna Garanča; mit Dirigenten wie Carlos Kleiber, Claudio Abbado, Nikolaus Harnoncourt, Lorin Maazel, Pierre Boulez, Zubin Mehta; aus Opernhäusern wie der Mailänder Scala, der Wiener Staatsoper, dem Royal Opera House Covent Garden, der Opéra National de Paris , der Staatsoper Unter den Linden, der Deutschen Oper Berlin und dem Opernhaus Zürich.

Zahlreiche Veröffentlichungen des Labels wurden mit internationalen Preisen ausgezeichnet, darunter der Oscar-prämierte Animationsfilm ?Peter & der Wolf? von Suzie Templeton, die aufwändig produzierte ?Walter-Felsenstein-Edition? und die von Sasha Waltz choreographierte Oper ?Dido und Aeneas?, die beide den Preis der deutschen Schallplattenkritik erhielten. Mit dem Midem Classical Award wurden u. a. die Dokumentationen ?Herbert von Karajan ? Maestro for the Screen? von Georg Wübbolt und ?Celibidache ? You don?t do anything, you let it evolve? von Jan Schmidt-Garre ausgezeichnet. Die Dokumentation ?Carlos Kleiber ? Traces to nowhere? von Eric Schulz erhielt den ECHO Klassik 2011.

Mit der Tochterfirma Monarda Arts besitzt Arthaus Musik eine ca. 900 Produktionen umfassende Rechtebibliothek zur DVD-, TV- und Onlineauswertung. Seit 2007 entwickelt das Unternehmen kontinuierlich die Sparte Eigenproduktion mit der Aufzeichnung von Opern, Konzerten, Balletten und der Produktion von Kunst- und Musikdokumentationen weiter.

Arthaus Musik DVDs und Blu-ray Discs werden über ein leistungsfähiges Vertriebsnetz, u.a. in Kooperation mit Naxos Global Distribution in ca. 70 Ländern der Welt aktiv vertrieben. Darüber hinaus veröffentlicht und vertreibt Arthaus Musik die 3sat-DVD-Edition und betreut für den Buchhandel u.a. die Buch- und DVD-Edition über Pina Bausch von L’Arche Editeur, Preisträger des Prix de l’Académie de Berlin 2010.


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