> > > Schumann, Clara: Complete Songs: Miriam Alexandra, Peter Gijsbertsen, Jozef de Beenhouwer
Donnerstag, 14. November 2019

Schumann, Clara: Complete Songs - Miriam Alexandra, Peter Gijsbertsen, Jozef de Beenhouwer

Alle Lieder von Clara Schumann


Label/Verlag: MDG
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ein Beitrag zum 200. Geburtstag von Clara Schumann, der nicht rundum überzeugt.

Gedenkjahre für Musiker, wenn sie denn einmal grundsätzlich als notwendig anerkannt sind, haben vielerlei Zwecke. Vor- und Fehlurteile können aus dem Weg geräumt werden. Nun gäbe es gerade bei unserer Jubilarin Clara Schumann, deren 200. Geburtstag wir am 13. September feiern können, in der Tat noch eine Menge aufzuarbeiten. Zu diesem Geburtstag haben nun Miriam Alexandra Sopran), Peter Gijsbertsen (Tenor) und Jozef de Beenhouwers (Klavier) alle Lieder von Clara Schumann, die zwischen 1831 und 1846 entstanden sind, in der Originaltonart eingespielt und geben damit einen faszinierenden Einblick in das erstaunlich vielfältige Liedschaffen dieser Komponistin, wobei die kompositorische Vielfalt, mit dem die Texte vertont wurden, überrascht.

Beim Anhören dieser Lieder drängt sich immer mehr der Gedanke auf, warum diese Komponistin bis heute von der Musikwissenschaft noch immer nicht besonders ernst genommen wird. Das ist umso schmerzlicher vor dem Hintergrund der Tatsache, dass Robert Schumann ihr das Komponieren zwar nicht verboten hat, aber kaum etwas dafür getan hat, dass sie aus seinem Schatten zu treten vermochte. Die vorliegende Einspielung ist schon allein aus diesem Grunde begrüßenswert. Das Urteil des Musikwissenschaftlers Thomas Synofzik – ‚Ich denke, dass Claras Kompositionen wirklich einen eigenen Stellenwert haben und so langsam auch anerkannt werden. Dass sie nicht nur bedeutende Kompositionen hinterlassen hat, weil sie eine der wenigen Frauen war, die im 19. Jahrhundert komponiert haben, sondern weil es einfach Sachen sind, die neben romantischen Komponisten der Zeit wunderbar bestehen können.‘ – wird durch die Lieder eindringlich belegt. 

Klare Diktion

Erstaunlich, mit welcher Reife Clara Schumann schon mit 12 Jahren den Text 'Der Wanderer' von Justinus Kerner musikalisch erfasst hat. Auch ihre Vertonung aus dem Jahre 1853 von 'Das Veilchen' nach dem gleichen Text, den Mozart vertont hat, ist eine Trouvaille. Die Sängerin Miriam Alexandra besitzt eine helle Sopranstimme, ihre glasklare Diktion und Phrasierung ist stets klar und verständlich, das lässt sie durchaus zu einer Fürsprecherin der Lieder Clara Schumanns werden. Aber leider werden alle Lieder mit der gleichen Intensität und Interpretationshaltung interpretiert. Man vermisst schmerzlich emotionale Flexibilität und klangfarbliche Vielfalt. Oftmals fehlt es an schwebenden Stimmungen, sphärischem Glanz – Ausdrucksmittel, die diese romantischen Lieder unwiderstehlich machen könnten.

Peter Gijsbertsen kann mit seinem flexiblen Tenor mehr überzeugen und den Liedern durch stimmliche Varietät Kontur verleihen. Bei ihm verbinden sich technische Souveränität und sichere Begehung des vielschichtigen kompositorischen Geländes. Nur so und vor dem Hintergrund einer subtilen Klanggestaltung können diese Lieder musikalisch überzeugend gestaltet werden. Jozef de Beenhouwers ist ein erfahrener Liederbegleiter, der sich trotz einzelner virtuoser Passagen, man vergleiche hierzu die Lieder op. 12 nach Rückert, nie in den Vordergrund drängt. Er erfasst die Musik als stets ausgewogen: Kontraste von Dynamik und Artikulation sind stets auf den Text bezogen. Lobend soll auch der Text im beiliegenden Booklet erwähnt werden, der ausführlich über das Liedœuvre der Komponistin berichtet.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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    Schumann, Clara: Complete Songs: Miriam Alexandra, Peter Gijsbertsen, Jozef de Beenhouwer

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Anzahl Medien:
MDG
1
Medium:

CD SACD


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Schumann, Clara


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MDG

Die klangrealistische Tonaufnahme

»Den beim Sprechen oder Musizieren entstehenden Schall festzuhalten, um ihn zu konservieren und beliebig reproduzieren zu können, ist eine Idee, die seit langem die Menschen beschäftigte. Waren zunächst eher magische Aspekte im Spiel, die die Phantasie beflügelten wie etwa bei Giovanni deila Porta, der 1598 den Schall in Bleiröhren auffangen wollte, so führte mit fortschreitender Entwicklung naturwissenschaftlichen Denkens ein verhältnismäßig gerader Weg zur Lösung...« (Riemann Musiklexikon)

Seit Beginn der elektrischen Schallaufzeichnung ist der Tonmeister als »Klangregisseur« bei der Aufnahme natürlich dem Komponisten und dem Interpreten, aber auch dem Hörer verpflichtet. Die Mittel zur Tonaufzeichnung sind hinlänglich bekannt. Die Kriterien für ihren Einsatz bestimmt das Ohr. Deshalb für den Hörer hier eine Beschreibung unserer Hörvorstellung.

Lifehaftigkeit

In der Gewißheit, daß der Konzertsaal im Wohnzimmer (leider) nicht realisierbar ist, konzentriert sich unser Bemühen darauf, die Illusion einer Wirklichkeit zu vermitteln. Die Musik soll im Hörraum so wiedererstehen, daß spontan der Eindruck der Unmittelbarkeit entsteht, das lebendige Klanggeschehen mit der ganzen Atmosphäre der »Lifehaftigkeit« erlebt wird. Da wir praktisch ausschließlich menschliche Stimmen und »klassische« Instrumente - auch sie haben ihren Ursprung im Nachahmen der Stimme - aufnehmen, konzentriert sich unsere Klangvorstellung auf natürliche Klangbalance und tonale Ausgeglichenheit im Ganzen, und instrumentenhafte Klangtreue im Einzelnen. Darüber hinaus natürliche, ungebremste Dynamik und genaueste Auflösung auch der feinsten Spannungsbögen. Weitestgehend bestimmend für die Illusion der Lifehaftigkeit ist auch die Ortbarkeit der Klangquellen im Raum: freistehend, dreidimensional, realistisch.

Musik entsteht im Raum

Um diesen »Klangrealismus« einzufangen, ist bei den Aufnahmen von MDG eine natürliche Akustik unbedingte Voraussetzung. Mehr noch, für jede Produktion wird speziell in Hinblick auf die Besetzung und den Kompositionsstil der passende Aufnahmeraum ausgesucht. Anschließend wird »vor Ort« die optimale Plazierung der Musiker und Instrumente im Raum erarbeitet. Dieser ideale »Spielplatz« ermöglicht nun nicht nur die akustisch beste Aufnahme, sondern inspiriert durch seine Rückwirkung die Musiker zu einer lebendigen, anregenden Musizierlust und spannender Interpretation. Können Sie sich die Antwort des Musikers vorstellen auf die Frage, ob er lieber in einem trockenen Studio oder in einem Konzertsaal spielt?

Die Aufnahme

Ist der ideale Raum vorhanden, entscheidet sich der gute Ton an den Mikrofonen - verschiedene Typen mit speziellen klanglichen Eigenheiten stehen zur Auswahl und wollen mit dem Klang der Instrumente im Raum in Harmonie gebracht werden. Ebenso wichtig für eine natürliche Abbildung ist die Anordnung der Mikrofone, damit etwa die richtigen Nuancen in der solistischen Darstellung oder die Kompensation von Verdeckungseffekten realisierbar werden. Das puristische Ideal »nur zwei Mikrofone« kann selten den komplexen Anforderungen einer Aufnahme mit mehreren Instrumenten gerecht werden. Aber egal wie viele Mikrofone verwendet werden: Stellt sich ein natürlicher Klangeindruck ein, ist die Frage nach dem Zustandekommen des »Lifehaftigen« zweitrangig. Entscheidend ist, es klingt so, als wären nur zwei Mikrofone im Spiel.

Ohne irgendwelche »Verschlimmbesserer« wie Filter, Limiter, Equalizer, künstlichen Hall etc. zu benutzen, sammeln wir die Mikro-Wellen übertragerlos in einem puristischen Mischpult und geben das mit elektrostatischem Kopfhörer kontrollierte Stereosignal linear und unbegrenzt an den AD-Wandler und zum digitalen Speicher weiter. Dadurch bleiben auch die feinsten Einschwingvorgänge erhalten. Auf der digitalen Ebene wird dann ohne klangmanipulierende Eingriffe mit dem eigenen Editor in unserem Hause das Band zur Herstellung der Compact Disc für den Hörer erstellt, für Ihr hoffentlich großes Hörvergnügen.


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