> > > Schumann, Clara: Complete Songs: Miriam Alexandra, Peter Gijsbertsen, Jozef de Beenhouwer
Montag, 16. September 2019

Schumann, Clara: Complete Songs - Miriam Alexandra, Peter Gijsbertsen, Jozef de Beenhouwer

Alle Lieder von Clara Schumann


Label/Verlag: MDG
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ein Beitrag zum 200. Geburtstag von Clara Schumann, der nicht rundum überzeugt.

Gedenkjahre für Musiker, wenn sie denn einmal grundsätzlich als notwendig anerkannt sind, haben vielerlei Zwecke. Vor- und Fehlurteile können aus dem Weg geräumt werden. Nun gäbe es gerade bei unserer Jubilarin Clara Schumann, deren 200. Geburtstag wir am 13. September feiern können, in der Tat noch eine Menge aufzuarbeiten. Zu diesem Geburtstag haben nun Miriam Alexandra Sopran), Peter Gijsbertsen (Tenor) und Jozef de Beenhouwers (Klavier) alle Lieder von Clara Schumann, die zwischen 1831 und 1846 entstanden sind, in der Originaltonart eingespielt und geben damit einen faszinierenden Einblick in das erstaunlich vielfältige Liedschaffen dieser Komponistin, wobei die kompositorische Vielfalt, mit dem die Texte vertont wurden, überrascht.

Beim Anhören dieser Lieder drängt sich immer mehr der Gedanke auf, warum diese Komponistin bis heute von der Musikwissenschaft noch immer nicht besonders ernst genommen wird. Das ist umso schmerzlicher vor dem Hintergrund der Tatsache, dass Robert Schumann ihr das Komponieren zwar nicht verboten hat, aber kaum etwas dafür getan hat, dass sie aus seinem Schatten zu treten vermochte. Die vorliegende Einspielung ist schon allein aus diesem Grunde begrüßenswert. Das Urteil des Musikwissenschaftlers Thomas Synofzik – ‚Ich denke, dass Claras Kompositionen wirklich einen eigenen Stellenwert haben und so langsam auch anerkannt werden. Dass sie nicht nur bedeutende Kompositionen hinterlassen hat, weil sie eine der wenigen Frauen war, die im 19. Jahrhundert komponiert haben, sondern weil es einfach Sachen sind, die neben romantischen Komponisten der Zeit wunderbar bestehen können.‘ – wird durch die Lieder eindringlich belegt. 

Klare Diktion

Erstaunlich, mit welcher Reife Clara Schumann schon mit 12 Jahren den Text 'Der Wanderer' von Justinus Kerner musikalisch erfasst hat. Auch ihre Vertonung aus dem Jahre 1853 von 'Das Veilchen' nach dem gleichen Text, den Mozart vertont hat, ist eine Trouvaille. Die Sängerin Miriam Alexandra besitzt eine helle Sopranstimme, ihre glasklare Diktion und Phrasierung ist stets klar und verständlich, das lässt sie durchaus zu einer Fürsprecherin der Lieder Clara Schumanns werden. Aber leider werden alle Lieder mit der gleichen Intensität und Interpretationshaltung interpretiert. Man vermisst schmerzlich emotionale Flexibilität und klangfarbliche Vielfalt. Oftmals fehlt es an schwebenden Stimmungen, sphärischem Glanz – Ausdrucksmittel, die diese romantischen Lieder unwiderstehlich machen könnten.

Peter Gijsbertsen kann mit seinem flexiblen Tenor mehr überzeugen und den Liedern durch stimmliche Varietät Kontur verleihen. Bei ihm verbinden sich technische Souveränität und sichere Begehung des vielschichtigen kompositorischen Geländes. Nur so und vor dem Hintergrund einer subtilen Klanggestaltung können diese Lieder musikalisch überzeugend gestaltet werden. Jozef de Beenhouwers ist ein erfahrener Liederbegleiter, der sich trotz einzelner virtuoser Passagen, man vergleiche hierzu die Lieder op. 12 nach Rückert, nie in den Vordergrund drängt. Er erfasst die Musik als stets ausgewogen: Kontraste von Dynamik und Artikulation sind stets auf den Text bezogen. Lobend soll auch der Text im beiliegenden Booklet erwähnt werden, der ausführlich über das Liedœuvre der Komponistin berichtet.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Schumann, Clara: Complete Songs: Miriam Alexandra, Peter Gijsbertsen, Jozef de Beenhouwer

Label:
Anzahl Medien:
MDG
1
Medium:

CD SACD


Cover vergössern

Schumann, Clara


Cover vergössern

MDG

Die klangrealistische Tonaufnahme

»Den beim Sprechen oder Musizieren entstehenden Schall festzuhalten, um ihn zu konservieren und beliebig reproduzieren zu können, ist eine Idee, die seit langem die Menschen beschäftigte. Waren zunächst eher magische Aspekte im Spiel, die die Phantasie beflügelten wie etwa bei Giovanni deila Porta, der 1598 den Schall in Bleiröhren auffangen wollte, so führte mit fortschreitender Entwicklung naturwissenschaftlichen Denkens ein verhältnismäßig gerader Weg zur Lösung...« (Riemann Musiklexikon)

Seit Beginn der elektrischen Schallaufzeichnung ist der Tonmeister als »Klangregisseur« bei der Aufnahme natürlich dem Komponisten und dem Interpreten, aber auch dem Hörer verpflichtet. Die Mittel zur Tonaufzeichnung sind hinlänglich bekannt. Die Kriterien für ihren Einsatz bestimmt das Ohr. Deshalb für den Hörer hier eine Beschreibung unserer Hörvorstellung.

Lifehaftigkeit

In der Gewißheit, daß der Konzertsaal im Wohnzimmer (leider) nicht realisierbar ist, konzentriert sich unser Bemühen darauf, die Illusion einer Wirklichkeit zu vermitteln. Die Musik soll im Hörraum so wiedererstehen, daß spontan der Eindruck der Unmittelbarkeit entsteht, das lebendige Klanggeschehen mit der ganzen Atmosphäre der »Lifehaftigkeit« erlebt wird. Da wir praktisch ausschließlich menschliche Stimmen und »klassische« Instrumente - auch sie haben ihren Ursprung im Nachahmen der Stimme - aufnehmen, konzentriert sich unsere Klangvorstellung auf natürliche Klangbalance und tonale Ausgeglichenheit im Ganzen, und instrumentenhafte Klangtreue im Einzelnen. Darüber hinaus natürliche, ungebremste Dynamik und genaueste Auflösung auch der feinsten Spannungsbögen. Weitestgehend bestimmend für die Illusion der Lifehaftigkeit ist auch die Ortbarkeit der Klangquellen im Raum: freistehend, dreidimensional, realistisch.

Musik entsteht im Raum

Um diesen »Klangrealismus« einzufangen, ist bei den Aufnahmen von MDG eine natürliche Akustik unbedingte Voraussetzung. Mehr noch, für jede Produktion wird speziell in Hinblick auf die Besetzung und den Kompositionsstil der passende Aufnahmeraum ausgesucht. Anschließend wird »vor Ort« die optimale Plazierung der Musiker und Instrumente im Raum erarbeitet. Dieser ideale »Spielplatz« ermöglicht nun nicht nur die akustisch beste Aufnahme, sondern inspiriert durch seine Rückwirkung die Musiker zu einer lebendigen, anregenden Musizierlust und spannender Interpretation. Können Sie sich die Antwort des Musikers vorstellen auf die Frage, ob er lieber in einem trockenen Studio oder in einem Konzertsaal spielt?

Die Aufnahme

Ist der ideale Raum vorhanden, entscheidet sich der gute Ton an den Mikrofonen - verschiedene Typen mit speziellen klanglichen Eigenheiten stehen zur Auswahl und wollen mit dem Klang der Instrumente im Raum in Harmonie gebracht werden. Ebenso wichtig für eine natürliche Abbildung ist die Anordnung der Mikrofone, damit etwa die richtigen Nuancen in der solistischen Darstellung oder die Kompensation von Verdeckungseffekten realisierbar werden. Das puristische Ideal »nur zwei Mikrofone« kann selten den komplexen Anforderungen einer Aufnahme mit mehreren Instrumenten gerecht werden. Aber egal wie viele Mikrofone verwendet werden: Stellt sich ein natürlicher Klangeindruck ein, ist die Frage nach dem Zustandekommen des »Lifehaftigen« zweitrangig. Entscheidend ist, es klingt so, als wären nur zwei Mikrofone im Spiel.

Ohne irgendwelche »Verschlimmbesserer« wie Filter, Limiter, Equalizer, künstlichen Hall etc. zu benutzen, sammeln wir die Mikro-Wellen übertragerlos in einem puristischen Mischpult und geben das mit elektrostatischem Kopfhörer kontrollierte Stereosignal linear und unbegrenzt an den AD-Wandler und zum digitalen Speicher weiter. Dadurch bleiben auch die feinsten Einschwingvorgänge erhalten. Auf der digitalen Ebene wird dann ohne klangmanipulierende Eingriffe mit dem eigenen Editor in unserem Hause das Band zur Herstellung der Compact Disc für den Hörer erstellt, für Ihr hoffentlich großes Hörvergnügen.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag MDG:

  • Zur Kritik... Legendäre Schumann-Interpretation: Ein würdiges Memento für Jörg Demus ist diese Schumann-Platte, die leider zu kurz geraten ist. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Intime Virtuosität: Felix Blumenfelds Klaviermusik in vorbildlicher Wiedergabe auf einem frühen Steinway-Flügel. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Dienerin der Meister: Jozef De Beenhouwer ergänzt seine Diskografie der Klaviermusik Clara Schumanns um Klaviertranskriptionen von Kompositionen anderer. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von MDG...

Weitere CD-Besprechungen von Michael Pitz-Grewenig:

  • Zur Kritik... Virtuosität und Avantgarde: Sabine Liebner gibt faszinierende Einsichten in das Klavierwerk von Karlheinz Stockhausen. Weiter...
    (Michael Pitz-Grewenig, )
  • Zur Kritik... Leben und Werk: Alban Bergs Biografie, kompetent erzählt von der Musikwissenschaftlerin Barbara Meier. Weiter...
    (Michael Pitz-Grewenig, )
  • Zur Kritik... Entschlackter Beethoven: Lars Vogt und das Royal Northern Sinfonia entwickeln einen spannenden Zugang zu Beethoven. Weiter...
    (Michael Pitz-Grewenig, )
blättern

Alle Kritiken von Michael Pitz-Grewenig...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Besonderes Erlebnis: Auf ihrem Debüt-Album kann Moné Hattori ihr immenses Talent voll ausspielen. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
  • Zur Kritik... Starke Crossover-Platte: Das WDR Funkhausorchester Köln serviert drei Symphonic-Jazz-Leckerbissen für Klarinette und Orchester. Weiter...
    (Manuel Stangorra, )
  • Zur Kritik... Formexperimente: Piet Kuijken bietet ein überzeugendes Plädoyer für Johann Ladislav Dussek. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (8/2019) herunterladen (3670 KByte) Class aktuell (3/2019) herunterladen (8670 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Cipriano de Rore: Missa Vivat Felix Hercules & Motets - Sanctus, Benedictus

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Christian Euler im Portrait "Melancholie ist die höchste Form des Cantabile"
Bratschist Christian Euler im Gespräch mit klassik.com über seine Lehrer, seine neueste SACD und seine künstlerische Partnerschaft zum Pianisten Paul Rivinius.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich