> > > Koechlin, Charles: Music for Flute
Samstag, 10. April 2021

Koechlin, Charles - Music for Flute

Exquisite Kammermusik für Flöte


Label/Verlag: Hyperion
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Obwohl Charles Koechlin (1867-1950) ein sehr umfangreiches Werk hinterließ, finden seine Kompositionen nur selten den Weg in den Konzertsaal oder auf einen Tonträger. Das mag an seiner unakademischer Haltung liegen: Stilistisch passt seine Musik in keine Schublade, den Hörer irritiert sie häufig durch neuartige Klangfarben und Polytonalität. Zudem fordert namentlich die Kammermusik des Franzosen zum Teil ungewöhnliche Instrumentenkombinationen und kann deshalb nur von wenigen, entsprechend besetzten Ensembles realisiert werden, etwa die Nr. 10 der ‘11 Monodies pour instrumentes’ op. 216 für Oboe d´Amore, Klavier und Sopransaxophon.
Auch die Werke für Flöte auf der vorliegenden CD sind zum Teil ungewöhnlich besetzt: Zwar befinden sich drei Kompositionen für die Standardkombination Flöte und Klavier darunter, aber auch die Sonate für zwei Flöten (ohne Klavier) op. 75 und das höchst originelle ‘L´Album de Lilian’ op. 139 für Sopran, Flöte und Klavier in wechselnder Besetzung.
Zeitlich ist der Bogen der aufgenommenen Werke weitgespannt. Die Sonate op. 52 schrieb Kochelin kurz vor dem Ersten Weltkrieg, den ‘Morceau de lecture’ op. 218 im Jahr 1948.

Protagonist der CD ist der Flötist Fenwick Smith, der sich seit Jahren intensiv mit Koechlins Flötenkammermusik (die noch zwei weitere CDs füllen würde) auseinandersetzt. Die 14 Stücke op. 157b – das kürzeste dauert gerade einmal 22 Sekunden – interpretiert Smith zusammen mit seinem Klavierbegleiter Martin Amlin mit der richtigen Mischung aus Charme und Pathos. So begegnen die beiden wirkungsvoll dem Vorurteil, Kochelins Musik (oder gar französische Musik überhaupt) sei zu leicht, zu verspielt. Eher das Gegenteil ist der Fall: Die kompositorische Raffinesse dieser Miniaturen geht Hand in Hand mit musikalischer Tiefe. Smith und Amlin tun das ihre dazu, die Stücke im rechten Licht erscheinen zu lassen, auch wenn sich der Pianist sehr zurückhält. Smith beherrscht seine Flöte mit traumhafter Sicherheit.
Bei der Sonate für zwei Flöten op. 75wird er von Leone Buyse begleitet, die ihm technisch in nichts nachsteht. Der Titel ‘Sonate’ darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich auch hier um ein eher kleinformatiges Werk handelt, dessen drei Sätze zusammen kaum acht Minuten dauern. Das an zweiter Stelle stehende ‘Allegretto scherzando’ bietet hierbei mit seinen spielerischen Läufen dem Hörer die meiste Freude.

Umfangreicher ist die Sonate für Flöte und Klavier op. 52, ebenfalls dreisätzig, aber in origineller Abwandlung: Einem Adagio folgt ein parodierendes ‘Sicilienne’, das Finale ist ‘Animé et gai’ zu spielen. Koechlins Musik steht hier noch derjenigen Debussys nahe, die Flöte entfaltet freitonale Kantilenen über eine sparsamen Klavierbegleitung. Wiederum ist Smiths voller, warmer Ton zu loben.
Ohne Zweifel das individuellste Werk auf der CD ist das durch die Schauspielerin Lilian Harvey inspirierte ‘L´Album de Lilian’ op. 139, in dem sich die Sopranistin Jayne West zu Smith und Amlin gesellt und mit ihnen in den unterschiedlichsten Kombinationen musiziert: Klavier alleine, Flöte und Klavier, Sopran und Klavier, schließlich Sopran, Flöte und Klavier zusammen. Vier weitere Stücke aus jenem ‘Album’ schrieb Koechlin kurz darauf als op. 149, diesmal einheitlich für Flöte und Klavier. Alle Stücke werden von den Ausführenden vorbildlich dargeboten, namentlich Amlin, dessen Anteil am Gesamtgeschehen hier dem Smiths ebenbürtig ist, weiß zu überzeugen.
Der ‘Morceau de lecture’ op. 218 schließlich ist ein knappes Spätwerk, in dem der 81jährige Koechlin seine Kunst noch einmal kurz aufblitzen lässt.

Für Flötenfans eine unentbehrliche CD. Sie kann aber auch allen an Koechlins Werk interessierten Musikliebhabern empfohlen werden. Die Texte des Bookletts gibt es leider nur auf Englisch und Französisch.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Koechlin, Charles: Music for Flute

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
Hyperion
1
18.08.2003
66:10
1989
2003
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
0034571151076
CDH55107


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Koechlin, Charles


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Interpret(en):Smith, Fenwick (Flute)
Amlin, Martin (Piano)
West, Jayne (Soprano)
Buyse, Leone (Flute)


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Hyperion

Founded in 1980, Hyperion is an independent British classical label devoted to presenting high-quality recordings of music of all styles and from all periods from the twelfth century to the twenty-first. We have been described as 'Britain’s brightest record label'. In January 1996 we were presented with the Best Label Award by MIDEM's Cannes Classiques Awards. The jury was made up of the editors of most of the leading classical CD magazines in the world - Classic CD (England), Soundscapes (Australia), Répertoire (France), FonoForum (Germany), Luister (Holland), Musica (Italy), Scherzo (Spain), and In Tune (USA & Japan).

We named our label after an altogether splendid figure from Greek mythology. Hyperion was one of the Titans, and the father of the sun and the moon - and also of the Muses, so we feel we are fulfilling his modern role by giving the art of music to the world.

The repertoire available on Hyperion, and its subsidiary label Helios (Helios, the sun, was the son of Hyperion), ranges over the entire spectrum of music - sacred and secular, choral and solo vocal, orchestral, chamber and instrumental - and much of it is unique to Hyperion. The catalogue currently comprises nearly 1400 CDs and approximately 80 new titles are issued each year. We have won many awards.

Our records are easily available throughout the world in those countries served by our distributors. A list of the world's top Hyperion dealers, listed by country and city, can be found on our homepage. But if you have any difficulty please get in touch with the distributor in your territory. In Germany that is Note 1 Music Gmbh.


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