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Donnerstag, 12. Dezember 2019

Björk's Vespertine - A Pop Album as an Opera

Pop als Oper


Label/Verlag: OehmsClassics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


'Vespertine - A Pop Album as an Opera' überrascht durch eine poetische Synthese von Pop und Oper.

Ein Popalbum als Basis für eine Oper? Das Nationaltheater Mannheim wagte den innovativen Weg und erntete bei der Uraufführung 2018 begeisterten Beifall. Nun erschien bei Oehms die CD 'Vespertine – A Pop Album as an Opera', auch konzertant ein betörend schönes Musikerlebnis.

Initiator für die Inszenierung von 'A Pop Album as an Opera' war Jan Dvořák, der Chefdramaturg des Nationaltheaters Mannheim. Er wollte das Musiktheater für Innovationen öffnen. Björks Album, bereits 2001 erschienen und ein absoluter Überraschungscoup, schien ihm mit den sinfonischen Elementen, dramatischen Gesangslinien und den ätherischen Chören der ideale Ansatzpunkt, sich der Popmusik zu nähern. Die isländische Pop-Künstlerin Björk hatte mit 'Vespertine' ihr Debüt als orchestrale Komponistin einer Synthese von Pop und Oper präsentiert. Die Mannheimer Inszenierung eröffnete neue Opernhorizonte. Zusammen mit den extrem unterschiedlichen Komponisten Roman Vinuesa, der Filmmusik und Pop-Arrangements schreibt, und Peter Häublein, der von der Neuen Musik kommt und mit Jan Dvořák Teil des Komponisten-Kollektivs ‚Himmelfahrt Scores‘ ist, wurde das Album für Oper arrangiert, unter der Leitung von Matthew Toogood vom Orchester des Nationaltheaters Mannheim gespielt, gesungen von den Sopranistinnen Ji Yoon, Aki Hashimoto und dem Chor des Nationaltheaters Mannheim.

Poetische Bilderwelten

Inhaltlich kreisen Björks Album und entsprechend auch die Oper um die Liebe, die Verschmelzung zweier Menschen, und die Angst, die eigene Selbstständigkeit zu verlieren, allerdings rein atmosphärisch, ohne dramaturgische Handlung, weshalb man 'Vespertine' in Zusammenarbeit mit dem dänischen Künstlerhaus Hotel Pro Forma inszenierte, dessen Team um Regisseurin Kirsten Dehlholm durch die Kombination von neuen Kunstformen und Technologien innovative Wege inkubiert. Statt kleinstrukturierter Handlung setzt sie auf großformatige, sinnliche, sehr poetische Bilderwelten, die bestens zu Björks Musik passen. Auf Björks Sehnsucht, Lebensprozesse hörbar zu machen, reagiert Dehlholm mit der Visualisierung mikrobiologischer Prozesse. Sie lässt eine Wissenschaftlerin mit ihrer Doppelgängerin im hohen Norden forschen, wodurch sich eine hinreißende Synthese von Video- und Klangwelten ergibt. Ungeachtet dieser Metaebene mikroskopischer Form- und Farbwelten begeistert die konzertante Präsentation durch den faszinierenden Wohlklang dieser Musik.

Unplugged, also ohne elektronische Verstärkung, verwandelt das Orchester des Nationaltheaters Mannheim die musikalische Welt der Synthesizer in instrumentalsphärische Livemusik, u. a. mit Schlagwerken, Röhrenglocken und Idiophonen. Es entstehen Klangwelten mit faszinierend filigranen Klangstrukturen und irisierenden Klangfarben, in denen die asiatischen Sopranistinnen Ji Yoon und Aki Hashimoto die erratische Stimme Björks nicht nachahmen, sondern die Wissenschaftlerin und ihre Doppelgängerin mit großer Opernstimme und dennoch ungemein schlicht, liedhaft erstrahlen lassen. Sie werden von Bariton Raymund Ayers mit ausdrucksstark abgründiger Tiefe gefährlich kontrastiert, die sich in einem langgezogenen Pianissimo auflöst und von einem Jungensopran engelhaft überhöht. Mit den kraftvollen Knaben- und Frauenchören entsteht ein mystisch atmosphärisches Gesamtkunstwerk einer modern flirrend-exotischen Oper, das bei jedem weiteren Hören neue Facetten eröffnet und wie Popmusik immer wieder gehört werden will.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Björk's Vespertine: A Pop Album as an Opera

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
OehmsClassics
1
12.04.2019
Medium:
EAN:

CD
4260034869783


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OehmsClassics

Ein erfülltes Leben ist ohne Musik kaum denkbar. Musik spiegelt unsere Wahrnehmung der Umwelt und die Realität heutiger wie vergangener Zeiten. Gute Musik ist immer neu, immer frisch, immer wieder entdeckenswert. Deshalb bin ich überzeugt: Es gibt nicht -die- eine, definitive, beste Interpretation der großen Werke der Musikgeschichte. Und genau das macht klassische Musik so spannend: Jede Musikergenerationen experimentiert, entdeckt neue Blickwinkel, setzt unterschiedliche Schwerpunkte - derselbe Notentext wird immer wieder von anderen Strömungen belebt.

Deshalb ist ein Musikstück, egal aus welchem Jahrhundert, auch immer Neue Musik. OehmsClassics hat es sich zur Aufgabe gemacht, am Entdecken der neuen Seiten der klassischen Musik mitzuwirken.

Unser Respekt vor den künstlerischen Leistungen der legendären Interpreten ist gewiss. Unser Ziel als junges CD-Label sehen wir jedoch darin, den interpretatorischen Stil der Gegenwart zu dokumentieren. Junge Künstler am Anfang einer internationalen Karriere und etablierte Künstler, die neue Blickwinkel in die Interpretationsgeschichte einbringen - sie unterstützen wir ganz besonders und geben ihnen ein Forum, um auf dem Tonträgermarkt präsent zu sein.

Sie, liebe Musikhörer, bekommen damit die Gelegenheit, heute die Musikaufführung zu Hause nachzuvollziehen, die Sie gestern erst im Konzertsaal oder Opernhaus gehört haben. Wir laden Sie ein, gemeinsam mit uns die neuen Seiten der klassischen Musik zu erleben!


Ihr
Dieter Oehms


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