> > > Mahler, Gustav: Symphony No.7: Budapest Festival Orchestra, Ivan Fischer
Samstag, 15. Juni 2019

Mahler, Gustav: Symphony No.7 - Budapest Festival Orchestra, Ivan Fischer

Mit Bravour


Label/Verlag: Channel Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Iván Fischer dirigiert die Siebte – sicher einer der Höhepunkte seines Mahler-Zyklus mit dem Budapest Festival Orchestra.

Jetzt sind nur noch die Achte und eventuell die Zehnte übrig. Iváns Fischers gemessen (bloß nicht eilen!) voranschreitender Mahler-Zyklus mit ‚seinem‘ Budapest Festival Orchestra errichtet mit dieser hybriden SACD den Prüfstein, an dem sich jeder Mahler-Dirigent und jedes Orchester messen lassen müssen – nämlich die Siebte. Es dürfte kaum jemanden überraschen, dass ein Klangkörper mit dieser Interpretationskultur auch so eine Hürde spielend übersteht. Und zwar ‚mit Bravour‘, wie die Spielanweisung für das Paukensolo zu Beginn des Finales lautet. Iván Fischer selbst vermerkt im Booklet-Text, wie sehr die Siebte ihm am Herzen liegt und wie sehr er dieses Werk liebt. Das mag einer der Gründe gewesen sein, warum die Siebte erst jetzt, 15 Jahre (!) nach Beginn dieses Mahler-Zyklus, veröffentlicht wird. Auch wenn Fischer sicher nicht der einzige ist, dem das so geht, ist er doch einer der wenigen, der dank des Budapest Festival Orchestra diese Empfindung in eine klangästhetische Form gießen kann, die in allen Farben schillert. Und das sind extrem viele. Wer in die Partitur der Siebten blickt, stößt neben unermüdlicher durchbrochener Arbeit auch z. B. immer wieder auf unerwartete Parallelführungen, Celli und Flöten gehören da noch zu den gewöhnlicheren.

Orchestrale Klangbühne

Das Schöne ist, dass man das auf dieser Aufnahme alles auch hören kann. Vor allem im Surround-Modus entfaltet sich bereits mit dem ersten volltönenden Solo des Tenorhorns eine breite orchestrale Klangbühne, von der Piccoloflöte bis zum Kontrafagott, von den geteilten Soloviolinen bis zur Tuba, von der Gitarre und der Mandoline bis zum Glockenspiel. Im Vergleich mit der Aufnahme etwa der Dritten Sinfonie wirkt das Klangbild diesmal jedoch kompakter und im besten Sinne ‚gestauchter‘, sodass die Budapester vor allem in der Coda des Kopfsatzes tatsächlich wie ein außer Rand und Band geratener Spielmannszug klingen. Dieser Eindruck mag auf die genuine Klangästhetik der Siebten zurückzuführen sein oder auch darauf, dass dem Booklet zufolge für den Mastering-Prozess diesmal andere Boxen verwendet wurden (Grimm LS1 statt der B&W 803d Series). So oder so kommt das immer wieder staunenswerte Können der Musiker des Budapest Festival wunderbar zur Geltung. Alleine wie lebendig das Solohorn zu Beginn der ersten Nachtmusik die Anweisung ‚rufend‘ umsetzt, hat den Rezensenten mehrmals zurückspulen lassen. Und auch der aggressive Ton etwa der Streicherglissandi im Scherzo dürfte zu den zahlreichen Besonderheiten dieser Aufnahme gehören.

Somit wird anhand der Siebten mustergültig deutlich, dass es Iván Fischer bei Mahler nicht um eine Psychologisierung oder programmatische Ausdeutung der Musik Mahlers gehen dürfte, sondern um den rein musikalischen Reichtum. Dies mag zuweilen zulasten der Expressivität gehen, dafür aber hört man aber wirklich alle Stimmen – und vor allem, wie die Stimmen selbst aufeinander hören, um so ein grandios zerfasertes, widersprüchliches Ganzes zu bilden.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Mahler, Gustav: Symphony No.7: Budapest Festival Orchestra, Ivan Fischer

Label:
Anzahl Medien:
Channel Classics
1
EAN:

723385380191


Cover vergössern

Mahler, Gustav


Cover vergössern

Channel Classics

Channel Classics Records is a quality record label based in Holland. Director, producer and recording engineer is C. Jared Sacks. Having grown up in Boston Massachusetts, schooled at Oberlin Conservatory and the Amsterdam Conservatory of music with 15 years experience playing French Horn, Jared decided to make his hobby of recording a profession in 1987. The label started in 1990 with the name Channel Classics coming from the street he lived on in Amsterdam. (Kanaalstraat).
Jared and his Dutch wife Lydi Groenewegen together with a group of assistants work closely with distributors in 37 countries to promote the artists through the CD?s.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Channel Classics:

  • Zur Kritik... Exzellent interpretiert: Die Pianistin Anna Fedorova überzeugt mit Fantasien von Alexander Skrjabin, Frédéric Chopin, Robert Schumann und Ludwig von Beethoven. Weiter...
    (Michaela Schabel, )
  • Zur Kritik... Ungebremst theatralisch: Rachel Podger und Brecon Baroque legen eine Aufnahme italienischer Geigensonaten vor, die man gehört haben sollte. Weiter...
    (Gero Schreier, )
  • Zur Kritik... Aufgehellt: Thomas Hampson und die Amsterdam Sinfonietta mit einem Herzensprojekt, dem gelegentlich Ecken und Kanten fehlen. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von Channel Classics...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Aron Sayed:

  • Zur Kritik... Bruckner-Sternstunde: Wer Bruckner mag, wird diese Aufnahme der Dritten Sinfonie lieben. Weiter...
    (Dr. Aron Sayed, )
  • Zur Kritik... Abstrakte Gebete: Jaako Kuusisto spielt die Sonaten und Partiten von Johann Sebastian Bach so, als wären sie nicht von dieser Welt. Weiter...
    (Dr. Aron Sayed, )
  • Zur Kritik... Weite Räume: Edward Gardner dirigiert das Requiem von Berlioz – nicht nur klangräumlich eine beeindruckende Darbietung. Weiter...
    (Dr. Aron Sayed, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Aron Sayed...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Europäischer Sinfoniker: Der polnische Komponist Feliks Nowowiejski erweist sich auf diesem Tonträger als ein echter Geheimtipp. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Schwerfällige Maskenspiele: Diese 'Nacht in Venedig' schließt keine diskografische Lücke und glänzt auch nicht durch besonderen Charme. Das hätte es nicht zwingend auf CD gebraucht. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Eleganz und Glätte: Nikolaj Znaider und das London Symphony Orchester widmen sich Mozarts viertem und fünften Violinkonzert – fraglos kompetent, oft aber zu zurückhaltend. Weiter...
    (Dr. Dennis Roth, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (6/2019) herunterladen (3061 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Isabelle van Keulen im Portrait "Mir geht es vor allem um Zwischentöne"
Isabelle van Keulen im Gespräch mit klassik.com über ihre Position als Artist in Residence der Deutschen Kammerakademie Neuss am Rhein, historische Aufführungspraxis und das Spielen ohne Dirigent.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich