> > > Copland, Aaron: Billy the Kid, Grohg: Detroit Symphony Orchestra, Leonard Slatkin
Montag, 14. Oktober 2019

Copland, Aaron: Billy the Kid, Grohg - Detroit Symphony Orchestra, Leonard Slatkin

Gruselmonster und Westernheld


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Leonard Slatkin und das Detroit Symphony Orchestra setzen ihre Reihe mit Einspielungen von Werken Aaron Coplands überzeugend fort.

Was haben der Vampir Nosferatu und der Revolverheld Billy the Kid gemeinsam? Eigentlich nichts, doch eine Verbindung gibt es. Der amerikanische Komponist Aaron Copland verarbeitete beide Figuren zu zwei einaktigen Balletten. Bei 'Grohg', so der Titel des ersten, handelt es sich um ein Frühwerk Coplands, das er während seiner Studienzeit als Schüler Nadia Boulangers in Paris schrieb. Inspirationsquelle war Friedrich Wilhelm Murnaus in den 20er Jahren Aufsehen erregender Stummfilm. Bei Copland heißt er Grohg und ist ein Magier, der Tote erwecken kann und zu einem Stilmix tanzt, der die musikalischen Einflüsse der damaligen Moderne von Stravinsky bis Satie, angereichert mit Jazzelementen, vereint. Die konzertante Uraufführung fand 1925 in einer vierhändigen Klavierfassung statt, erst 1992 wurde das Stück mit vollem Orchester gespielt, freilich wieder ohne Szene.

Nach der Rückkehr in die USA wandte sich Copland von seinen avantgardistischen Anfängen ab und einem gemäßigten, tonalen Stil zu. Sein Motto, so einfach wie möglich im Sinne des Publikums zu komponieren, verhalf ihm zu großer Popularität. Zu ihr trugen drei kurze Handlungsballette bei, die im weitesten Sinn den American Way of Life aufgreifen: 'Billy the Kid', 'Rodeo' und 'Appalachian Spring'. Die Bühne eroberte als erstes der legendäre Westernheld – 1938 war in Chicago Premiere, bei der der spätere Weltklassechoreograf Jerome Robbins eine kleine Rolle übernahm. Das Ballett umspannt wesentliche, teils historisch freie Lebensstationen des Outlaws, zeigt ihn auf der Flucht, beim entspannten Kartenspiel, im Gefängnis und endet mit seiner Erschießung durch den Sheriff Pat Garrett. Die Partitur beschwört anfangs tonmalerisch die Weite der Prärie und wechselt dann zu einer bildhaften Musik, die geprägt ist von folkloristischen Melodien und Tänzen.

Präzision und Brillanz

Leonard Slatkin und das Detroit Symphony Orchestra komplementieren mit den beiden vollständigen Balletten ihre mittlerweile dreiteilige Copland-Reihe. Der Dirigent bringt für die reizvolle Kombination aus dem expressionistischen, mit Formen experimentierenden Frühwerk und einem Hauptwerk, in dem der persönliche Stil schon ausgereift ist, jene Kompetenz mit, die sich aus der Vertrautheit mit Coplands Schaffen eingestellt hat. Das Orchester, dessen Chef Slatkin seit 2008 ist, ist blendend aufgelegt und spielt mit der gebotenen Präzision und Brillanz in den solistischen Passagen.

Das Booklet enthält einen sehr informativen Artikel in englischer Sprache. Für Copland- und Ballettmusikfans stellt diese preisgünstige, klanglich sehr gute Aufnahme eine Bereicherung dar, zumal es von 'Grohg' momentan alternativ nur die deutlich ältere Einspielung unter Leitung von Oliver Knussen gibt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Copland, Aaron: Billy the Kid, Grohg: Detroit Symphony Orchestra, Leonard Slatkin

Label:
Anzahl Medien:
Naxos
1
Medium:
EAN:

CD
636943986226


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Copland, Aaron


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Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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