> > > Krouse, Ian: Armenian Requiem: UCLA Philharmonia, Neal Stulberg
Montag, 30. März 2020

Krouse, Ian: Armenian Requiem - UCLA Philharmonia, Neal Stulberg

Erlösung durch Musik und Glauben


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ian Krouses 'Armenian Requiem' setzt sich mit dem Völkermord an den Armeniern auseinander.

Als Erinnerung an den armenischen Genozid komponierte Ian Krouse sein 'Armenian Requiem'. Anlässlich des Gemetzels von 1 bis 2 Millionen Menschen im Ersten Weltkrieg wurde das Wort ‚Völkermord‘ geschaffen. Die Türkei verweigert indes immer noch ein öffentliches Gedenken, spricht von kriegsbedingten Deportationen. Gegen dieses Ignorieren kämpft Krouses Armenisches Requiem. In nur sechs Monaten hatte Krouse dieses Auftragswerk für das 100-jährige Gedenken des Völkermords zu komponieren. Er selbst bezeichnet die Komposition, die 2015 uraufgeführt wurde, als sein ‚ehrgeizigstes Werk‘. 

Krouse (*1956), einer der bedeutendsten zeitgenössischen armenischen Komponisten, wurde als Gitarrist und Pionier des Gitarrenquartetts sehr bekannt, wird jetzt zum großen Friedensstifter, denn die 95-minütige Chorsymphonie auf 2 CDs wird zwischen martialischer Wucht und inbrünstiger Andacht zum akustischen Mahnmal und gleichzeitig zur Botschaft für Völkerverständigung. Mit Streicherquartett, Orgel, Dudak, Trompete aus dem Off und mächtigen liturgischen solistischen und chorischen Gesängen erklingt der Untergang eines Volkes in höchster Not.

Nahendes Grauen

Dieses erste liturgische Requiem Armeniens basiert auf Texten armenischer Dichter. Sie bilden die Interludi zwischen den einzelnen liturgischen Gesängen und alternieren zwischen Vernichtung und Versöhnung, Ohnmacht und Hoffnung, umrahmt von Vorspiel und Epilog. Mit Vladimir Chernovs wuchtigem Bariton breitet sich bereits beim Eingangslied 'I Want to Die Singing' tiefste Trauer aus, die die Chöre und alle Solisten im 'Mystery Ground' zur polyphonen Klage weiten, während das Orchester schon das Nahen des Grauens ankündigt. Kraftvolle Chöre verhallen angesichts instrumentaler Schärfe, werden zu wimmernden, zitternden Toncollagen. In extrem tiefen und hohen Tonlagen bauen sich gleichzeitig Angst und Glaube auf. 

Aus dieser Polarität entwickelt sich zwischen liturgischen Chören und den Interludi ein gigantisches, zutiefst berührendes Klangepos. Das durchglühte Timbre der Solisten Garineh Avakians (Mezzo), Shoushik Barsoumian (Sopran), Yeghishe Manucharyan (Tenor) und Vladimir Chernov (Bariton) lassen menschliches Leid immer wieder von Neuem auflodern und vermittelt im Tutti von 'Moon of the American Tombs' die Angst der Menschen.

Engelhafter Chor

Der engelhafte Knabenchor, untermalt von subtilen Violinen, kündet in 'Supernal Jerusalem' von himmlischer Ruhe. Dunkel beschwört das Orchester das Unheil, die Dudak lässt armenische Kultur nur noch schwach anklingen. Bariton Chernov klagt in sonorer Tiefe 'Three Man Mass'. Der Chor verliert im Decrescendo seine Kraft, findet sie wieder zusammen mit dem Knabenchor im 'Praise the Lord, O Jerusalem', worauf ein wohltuendes 'We are' neue Hoffnung besingt. Bariton Chernov singt ehrerbietig-orthodox den Segen 'Blessed be the Lord Bless'. Allein der Glaube hilft im Inferno, doch das erlittene Unrecht bleibt unvergessen, so die Botschaft. Das 'Armenian Requiem' macht beides zutiefst erlebbar.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Krouse, Ian: Armenian Requiem: UCLA Philharmonia, Neal Stulberg

Label:
Anzahl Medien:
Naxos
1
Medium:
EAN:

CD
636943984628


Cover vergössern

Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Naxos:

  • Zur Kritik... Ideenarme Schwerfälligkeit: Unterschiedliche, teilweise noch unbekannte geistliche Werke von Giacomo Meyerbeer zeigen neue Facetten des Opernkomponisten. Die Preußische Philharmonie unter Dario Salvi vermag dieses Repertoire allerdings nur etwas nüchtern zu interpretieren. Weiter...
    (Lorenz Adamer, )
  • Zur Kritik... Feierliche Romreise: Das Buffalo Philharmonic Orchestra unter JoAnn Falletta widmet sich der 'Römischen Trilogie' von Ottorino Respighi. Weiter...
    (Lorenz Adamer, )
  • Zur Kritik... Schweres leicht gemacht: Neues von Beethoven auf der Höhe unserer Zeit. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von Naxos...

Weitere CD-Besprechungen von Michaela Schabel:

blättern

Alle Kritiken von Michaela Schabel...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Persönliche Sichtweise: Sir Simon Rattle und das London Symphony Orchestra überzeugen mit Bruckners Sechster Sinfonie. Weiter...
    (Michael Pitz-Grewenig, )
  • Zur Kritik... Ideenarme Schwerfälligkeit: Unterschiedliche, teilweise noch unbekannte geistliche Werke von Giacomo Meyerbeer zeigen neue Facetten des Opernkomponisten. Die Preußische Philharmonie unter Dario Salvi vermag dieses Repertoire allerdings nur etwas nüchtern zu interpretieren. Weiter...
    (Lorenz Adamer, )
  • Zur Kritik... Feierliche Romreise: Das Buffalo Philharmonic Orchestra unter JoAnn Falletta widmet sich der 'Römischen Trilogie' von Ottorino Respighi. Weiter...
    (Lorenz Adamer, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (3/2020) herunterladen (2910 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

George Antheil: Serenade No.2 for String Orchestra - Moderately fast - poco piu mosso

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Liv Migdal im Portrait "Man spielt mit den Ohren!"
Liv Migdal im Gespräch mit klassik.com.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich