> > > Händel, Georg-Friedrich: Acis und Galatea HWV49a: The Sixteen, Harry Christophers
Samstag, 15. Juni 2019

Händel, Georg-Friedrich: Acis und Galatea HWV49a - The Sixteen, Harry Christophers

Delightful


Label/Verlag: Coro
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Diese Aufnahme von 'Acis and Galatea' macht einfach Freude und lässt im Rahmen der klar lesbaren Intention keine Wünsche offen.

Georg Friedrich Händels Pastoral-Oper 'Acis and Galatea' – nicht zu verwechseln mit der italienisch-sprachigen Kantate 'Aci, Galatea e Polifemo' – liefert kurzweilige Unterhaltung mit zauberhafter Musik, wie es das Publikum um 1718 in London gerne mochte. Die ins Gewand eines Schäferspiels gekleidete Geschichte aus Ovids 'Metamorphosen' ist beileibe kein Actionreißer und auch kein aufwendiges Zaubertheater (wie kurz zuvor Händels 'Rinaldo'), aber sie bietet dankbare Situationen und Affekte für die drei Hauptcharaktere und zwei Nebenfiguren: Der Schäfer Acis liebt die Wassernymphe Galatea. Doch ihre Liebe wird vom polternden Zyklopen Polyphem bedroht und die Geschichte endet tragisch mit Acis‘ Tod. Jedoch nicht ganz – er verwandelt sich in eine Quelle und wird somit Teil der Natur, in der Galatea lebt. 'Acis and Galatea' ist Händels erste Oper in englischer Sprache und sein einziges Bühnendrama, das zu seinen Lebzeiten vollständig veröffentlicht wird.

Dieses 'Pastoral Entertainment', wie die Oper im Untertitel lautet, ist wohl am treffendsten mit ‚delightful‘ zu beschreiben – und das gilt ebenso für die Neueinspielung beim Label Coro mit dem auf Barockmusik spezialisierten Ensemble The Sixteen unter der Leitung von Harry Christophers. Die Einspielung vom Juni 2018 ist in allen Belangen ein absoluter Glücksfall, wenn nicht gar hart an der Grenze zur Perfektion (vom nur englischsprachigen Beiheft einmal abgesehen). Mit viel Charme und Fachwissen präsentieren die bestens aufeinander eingespielten Musiker 90 Minuten Händel-Magie mit Leichtigkeit und Raffinesse. Freilich ertönt da auch nichts maßlos Überraschendes, keine mutigen Grenzgänge oder extreme Lesarten. Das muss es aber auch nicht. Vielmehr kommen einem Begriffe wie geschmackvoll, erbaulich oder bezaubernd in den Kopf. Damit sind Harry Christophers und seine Musiker extrem nahe an der Intention des Werks, das bei aller dramatischen Grundlage keine aufwühlende Kost, sondern klug kalkulierte Unterhaltung mit gut platzierten Rührungsmomenten und fein dosierter Komik ist.

Kunstvolle Ausgelassenheit

Die allesamt aus dem Ensemble The Sixteen rekrutierten Solisten beweisen bis ins letzte Detail beneidenswerte Stilsicherheit. Grace Davidson intoniert als Galatea glasklar und verschmilzt aufgrund ihres völlig vibratofreien Soprans immer wieder mühelos mit dem Instrumentarium. Besonders persönlichkeitsstark klingt Davidsons Stimme zwar nicht, aber sie passt hervorragend ins Konzept der vorliegenden Aufnahme, die eben keine große Oper zelebriert. Als Acis wartet Jeremy Budd mit schlankem, hellem Tenormaterial auf, das er mit traumwandlerischer Sicherheit beherrscht. Seine Arie 'Love in her eyes sits playing' ist eine Lehrstunde in Phrasierung und Tonschönheit und im Duett 'Happy we!' mit Davidson zeigen beide Sänger, wie kunstvoll sich Ausgelassenheit herstellen lässt, ohne den Rahmen des ‚Schicklichen‘ und Kontrollierten zu verlassen.

Die weite Tessitura des Polyphem ist beim Bassisten Stuart Young in besten Händen. Seine Gefährlichkeit sowie seine Komik bezieht er nicht aus gestalterischer Effekthascherei, sondern aus seiner vokalen Souveränität, mit der er Händels Komposition bewältigt. Auch hier könnte man sich kraftvollere oder herbere Töne vorstellen, aber dann würde der Polyphem nicht mehr ins Gesamtbild passen. Die kleineren Tenorpartien sind mit dem markanten Damon von Mark Dobell und mit Simon Berridge in der oft gestrichenen Rolle des Coridon bestens besetzt.

Chorische Sahnehäubchen

Bei allen solistischen Glanzleistungen sind es aber vor allen Dingen die Chöre, die in dieser Neueinspielung beeindrucken. Wie schon zu Zeiten der Uraufführung lässt Harry Christophers die Chorpassagen von den Solisten bestreiten. Und hier zeigt sich, in welcher Perfektion die Sänger musikalisch miteinander kooperieren. Diese Ausgewogenheit, die Agogik und spielerische Leichtigkeit, mit der alle fünf Solisten agieren, lässt nur noch staunen. Nicht minder glanzvoll, virtuos und farbenreich werfen sich die Instrumentalisten von The Sixteen ins Zeug. Das hat Stil und Eleganz und nebenbei eine unüberhörbare Spielfreude. Diese Aufnahme von 'Acis and Galatea' macht einfach Freude und lässt im Rahmen der klar lesbaren Intention keine Wünsche offen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Händel, Georg-Friedrich: Acis und Galatea HWV49a: The Sixteen, Harry Christophers

Label:
Anzahl Medien:
Coro
2
EAN:

828021616921


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Händel, Georg Friedrich


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Coro

CORO is the lively and successful record label of Harry Christophers and The Sixteen. Formed in 2001 Coro has re-mastered, re-packaged and re-issued recordings of The Sixteen that were for a short time available on Collins Classics and now releases most of the ensemble?s new recordings. The label also features artists such as The Hilliard Ensemble, Elin Manahan Thomas and Sarah Connolly as well as a ?Live? series and young artists focus. It has recently launched the Acoustic World series of discs which epitomize CORO?s values of excellence of performance, authentic instruments, brilliance of sound and world class musicians.

Celebrated releases include Allegri?s Mierere, Tallis?s Spem in Alium and the complete Eton Choirbook Collection. More recently CORO has released brand new recordings by The Sixteen of Handel?s Coronation Anthems and Fauré?s Requiem with the Academy of St Martin in the Fields. The ensemble?s recording of Handel?s celebrated oratorio, Messiah, with an all-star soloist line-up: Carolyn Sampson, Catherine Wyn-Rogers, Mark Padmore and Christopher Purves, was awarded the prestigious MIDEM Classical Award 2009.

The Sixteen is recognised as one of the world?s greatest ensembles. Comprising both choir and period instrument orchestra, The Sixteen's total commitment to the music it performs is its greatest distinction. A special reputation for performing early English polyphony, masterpieces of the Renaissance, bringing fresh insights into Baroque and early Classical music and a diversity of twentieth-century music, is drawn from the passions of conductor and founder, Harry Christophers.

At home in the UK, The Sixteen are "The Voices of Classic FM", TV Media Partner with Sky Arts, and Associate Artists of Southbank Centre, London. The group promotes an annual series at the Queen Elizabeth Hall as well as The Choral Pilgrimage, a tour of our finest cathedrals bringing music back to the buildings for which it was written. The Sixteen has recently featured in the highly successful BBC Four television series, Sacred Music, presented by actor Simon Russell Beale.

The Sixteen tours throughout Europe, Japan, Australia and the Americas and has given regular performances at major concert halls and festivals worldwide, including the Barbican Centre - London, Bridgewater Hall - Manchester, Concertgebouw - Amsterdam, Sydney Opera House, Tokyo Opera City and Vienna Musikverein and also at the BBC Proms, the festivals of Granada, Lucerne, Istanbul, Prague and Salzburg.

Bringing together live concerts and recording plans has allowed The Sixteen to develop a glittering catalogue of releases, containing music from the Renaissance and Baroque through to great works of our time.


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