> > > Musik auf Schloss Wolfenbüttel III: Weser-Renaissance Bremen, Manfred Cordes
Donnerstag, 23. Mai 2019

Musik auf Schloss Wolfenbüttel III - Weser-Renaissance Bremen, Manfred Cordes

Hört Selichius!


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Es ist großartige Musik von Daniel Selichius: würdig, gehört und gekannt zu werden. Zumal dann, wenn sie so gesungen und gespielt wird wie hier von Weser-Renaissance Bremen unter der Leitung von Manfred Cordes.

Seit einiger Zeit beleuchtet Manfred Cordes in einer eigenen cpo-Reihe unter dem Titel 'Musik aus Schloss Wolfenbüttel' die musikalischen Schätze jener Herrschaft. Eine erste Folge war dem wohl prominentesten Wolfenbütteler Protagonisten gewidmet: Lutherische Choralkonzerte von Michael Praetorius kamen zu Gehör. Dann waren es in einem zweiten Teil Geistliche Konzerte von Johann Rosenmüller, die zu überzeugen wussten. Und nun macht Cordes mit seinem Ensemble Weser-Renaissance Bremen auf Musik von Praetorius‘ Nachfolger aufmerksam: Auf das 1623 und 1624 erschienene 'Opus novum' des Daniel Selichius (1581–1626), der seit 1621 in Wolfenbüttel im Amt war. Mit dieser Sammlung Geistlicher Konzerte auf deutsche und lateinische Texte haben wir das Hauptwerk des schon 1626 jung verstorbene Komponisten vor uns. Und es ist, wenige Jahre nach Heinrich Schütz‘ 'Psalmen Davids' oder Praetorius‘ 'Polyhymnia caduceatrix', beide aus dem Jahr 1619, eine erstaunlich individuelle, innovative Musik, die da zu hören ist.

Selichius ist souverän im Umgang mit den Strukturen und Wirkungen der Mehrchörigkeit. Dazu hat er einen entschiedenen Zugriff auf die Instrumentalpartien, die er aus dem engen Rahmen reiner Begleithaltung und Stimmdopplung löst. Dazu erweist er sich als subtiler Textdeuter, der detailliert expliziert und in Tönen spricht. Besonders fein ist der Umgang mit der Vielfalt der Echo-Wirkungen. Daniel Selichius ist eine jener Stimmen, die allzu früh verstummt sind und von denen bei einem längeren schöpferischen Leben noch manches zu erwarten gewesen wäre – mithin eine historische Figur, der dann auch ein sehr viel prominenterer Rang in der Musikgeschichte zugekommen wäre. Doch hier ist kein Grund zur Klage, vielmehr zur Freude an diesen prächtigen Konzerten, denen ein Platz in der ersten Reihe vergleichbarer Sammlungen gebührt.

Starke Ensembles

 

Das wird sinnfällig dank der ebenso kundigen wie engagierten Interpretation durch Manfred Cordes und sein Ensemble Weser-Renaissance Bremen. Die Besetzung ist erlesen, mit den beiden Sopranistinnen Marie-Luise Werneburg und Verena Gropper, dem Altus David Erler, den Tenören Georg Poplutz, Mirko Ludwig und Manuel König, dazu dem Bass Dominik Wörner. Das ist eine ebenso erfahrene wie klangfrische Formation, harmonisch in der Gesamtwirkung und mit registertypischen Eigenheiten versehen. Wichtig ist die plastische, sinnfällige Sprachgestalt, die gemeinsam geformt wird – wenngleich Dominik Wörner als einer der unangefochtenen Meister auf diesem Gebiet mit all seiner beiläufig wirkenden Natürlichkeit noch einmal aus der positiven Ensemblebilanz herausragt. Nicht nur vollstimmige Wirkungen überzeugen, auch reduzierte Besetzungen werden in sehr charmanten Konstellationen gesungen. Vor allem Sopran und Tenor bekommen schöne Duette. Artikuliert wird ganz von Text und Sinn inspiriert, weitergeführt auf der instrumentalen Ebene.

 

Das Instrumentalensemble ist gleichermaßen hochklassig und farbig besetzt. Mit Violinen, Gamben, Zinken, Posaunen, Dulzian, Chitarrone und Orgel wird ebenso spiel- wie klangfreudig ein weites Panorama geöffnet, in einem plastischen Ensembleideal, das auch große Wirkungen nicht scheut: Vor allem die üppig angelegten Kontraste werden entschieden herausgearbeitet; doch auch die kleiner besetzten Stücke werden unter differenzierendem Zugriff lebendig. Intonatorisch entfalten sich in vollen Klang der großen Besetzungen Wirkungen von beglückender Sonorität. Die Stiftskirche Bassum erweist sich wie schon häufiger bei vergleichbarer Musik als ein Ort unbedingt zutreffender Räumlichkeit.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Musik auf Schloss Wolfenbüttel III: Weser-Renaissance Bremen, Manfred Cordes

Label:
Anzahl Medien:
cpo
1
EAN:

761203522323


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Selichius, Daniel
 - Opus Novum, Wolfenbüttel 1623/24 - Singet dem Herrn ein neues Lied à 7
 - Opus Novum, Wolfenbüttel 1623/24 - Wohl dem, der den Herren fürchtet
 - Opus Novum, Wolfenbüttel 1623/24 - Laudate pueri Dominum
 - Opus Novum, Wolfenbüttel 1623/24 - Der Herr erhöre Dich in der Not
 - Opus Novum, Wolfenbüttel 1623/24 - Laudate Dominum de caelis
 - Opus Novum, Wolfenbüttel 1623/24 - Ich freu mich des, dass mir geredt ist
 - Opus Novum, Wolfenbüttel 1623/24 - Gott sei uns gnädig
 - Opus Novum, Wolfenbüttel 1623/24 - Herr, wie lange willst Du mein so gar vergessen
 - Opus Novum, Wolfenbüttel 1623/24 - Jauchzet dem Herrn Ihr Völker
 - Opus Novum, Wolfenbüttel 1623/24 - Siehe, lobet den Herrn
 - Opus Novum, Wolfenbüttel 1623/24 - Herr, der du bist vormals gnädig gewest deinem Lande
 - Opus Novum, Wolfenbüttel 1623/24 - Freut Euch des Herren, Ihr Gerechten
 - Opus Novum, Wolfenbüttel 1623/24 - Preise, Jerusalem, den Herrn
 - Opus Novum, Wolfenbüttel 1623/24 - Deo dicamus gratias
 - Opus Novum, Wolfenbüttel 1623/24 - Gelobet sei der Herr


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Dirigent(en):Cordes, Manfred


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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