> > > Saint-Saens, Camille: Symphony No.3 "Organ Symphony"
Dienstag, 19. November 2019

Saint-Saens, Camille - Symphony No.3 "Organ Symphony"

Pointillierte Bilder


Label/Verlag: Pentatone Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Interpretation Edo de Waarts knüpft an den introvertierten Charakter einiger dieser ?Bilder? an: wuchtige Goldrahmen werden durch sachliche Fassungen ersetzt.

In der Reihe der Neuauflagen quadrophonischer Aufnahmen von Phillips durch das niederländische Label Pentatone classics ist nun eine neue Version der ‘Bilder einer Ausstellung’ von Modest Mussorgsky und der Orgelsymphonie von Camille Saint-Saëns erschienen: Interpreten sind die Musiker des Rotterdam Philharmonic Orchestra unter Edo de Waart. Die Veröffentlichung ist nicht nur in editorischer Hinsicht dankenswert, auch musikalisch fügt sie sich hervorragend in die Reihe ein, die fast durchgängig mit historischen Aufnahmen mit Referenzstatus besticht – und das auf klangtechnisch höchstem Niveau.

Kernstück der Aufnahme ist Mussorgskys Zyklus ‘Bilder einer Ausstellung’ in der Orchesterfassung von Maurice Ravel. Das 1874 vollendete Werk entstand innerhalb weniger Wochen unter dem starken Eindruck einer Gedenkausstellung für den im Jahr zuvor verstorben Maler Viktor Hartmann, mit dem Mussorgsky gut befreundet war. Dabei ist es aber nicht einfach eine programmatische Umschreibung des Gesehenen. Wassily Kandinsky schreibt 1955 über seine Eindrücke der Musik: ‘Das Werk besteht aus sechzehn Bildern. Die gemalten Bilder waren natürlich naturalistisch. Die Musik ist aber keineswegs Programmmusik geworden. Wenn sie etwas widerspiegelt, so sind es nicht die gemalten Bildchen, sondern die Erlebnisse Mussorgskys, die weit über den Inhalt des Gemalten stiegen und eine rein musikalische Form fanden.’

Die Urversion für Klavier erfuhr viele Bearbeitungen, die bedeutendste wohl durch Maurice Ravel, der daraus eine virtuos orchestrierte Version schuf, die in punkto Instrumentation kaum vergleichbares findet. Die feine Klavierversion, eine eher verinnerlichte Musik, ist so zu einem schillernden Tableau von unglaublicher Wucht geworden.

Die Interpretation Edo de Waarts knüpft an den introvertierten Charakter einiger dieser ‘Bilder’ an: wuchtige Goldrahmen werden durch sachliche Fassungen ersetzt. Die Bilder erscheinen so in wunderbar durchgehörter Art und Weise; auch den mächtigen Orchestertutti wohnt in gewisser Weise immer ein kammermusikalischer Moment inne. Hinzu kommt die Wahl der Tempi, die hier recht zügig geraten und so jeden Verdacht romantisierender Schwärmerei von sich weisen. Die Musiker des Rotterdam Philharmonic Orchestra ziehen in hervorragender Weise mit. Besonders das solistische Spiel ist zumeist über jeden Zweifel erhaben, auch wenn gerade in den langsameren Teilen gelegentlich ein langer Atem vermisst wird.

Bei dem anderen Werk dieser Produktion handelt es sich um die dritte Symphonie von Camille Saint-Saëns, die durch die Erweiterung des Klangkörpers durch die Orgel den Beinamen Orgelsymphonie erhalten hat. Zusammen mit Berlioz’ Symphonie fantastique zählt sie zu den wichtigsten Werken französischer Sinfonik. Saint-Saëns strebte in ihr eine Synthese von traditioneller symphonischer Viersätzigkeit und Lisztscher Themenmetamorphose an – so ist das Werk auch dem Gedenken Franz Liszts gewidmet. Alle thematischen Gestalten entstammen letztlich dem Mottothema des Viertonmotivs des Dies Irae der gregorianischen Totenmesse: in der jeweiligen Stimmung des Sätze erfährt es individuelle Ausprägungen. Das ohnehin große Orchesterinstrumentarium erweitert Saint-Saëns durch Klavier und Orgel. Auch dies mag ein Hinweis auf das Schaffen Franz Liszts sein.

Die Orgelsymphonie kommt – wie auch die ‘Bilder einer Ausstellung’ dieser Produktion – mit äußerst wenig romantischem Pathos aus. Zwar schwelgen die Streicher besonders im Dialog mit der gelungen registrierten Orgel im zweiten Satz (an der Orgel überzeugend: Daniel Chorzempa), doch bleibt eine kammermusikalische Durchhörbarkeit immer im Vordergrund. Edo de Waarts hat sich für eine eher sachlich-analytische Lesart der beiden Werke entschieden, was ihrer großartigen Wirkung jedoch keinen Abbruch tut. Durch das hervorragende Mastering und die Übertragung ins SACD-Format, das den Intentionen von Künstlern und Technikern der siebziger Jahre Rechnung trägt, ist diese Produktion auch klanglich nur als gelungen zu bezeichnen und darf jedem Hörer ans Herz gelegt werden.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Paul Hübner Kritik von Paul Hübner,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Saint-Saens, Camille: Symphony No.3 "Organ Symphony"

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
Pentatone Classics
1
01.01.2013
68:30
1976
2003
Medium:
EAN:
BestellNr.:

SACD
0827949011665
PTC 5186 116


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Mussorgsky, Modest
Saint-Saens, Camille


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Dirigent(en):Waart, Edo de
Orchester/Ensemble:Rotterdam Philharmonic Orchestra
Interpret(en):Chorzempa, Daniel (Organ)


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Pentatone Classics

PentaTone wurde im Jahr 2001 von drei ehemaligen Leitenden Angestellten der Philips Classics zusammen mit Polyhymnia International (dem ehemaligen Philips Classics-Aufnahmezentrum) ins Leben gerufen.
Die Gründer von PentaTone sind überzeugt, dass der 5-Kanal Surround-Sound allmählich den heute noch gängigen Stereo-Sound ersetzen wird, vor allem weil er die Hörerfahrung immens bereichert. Die Einführung der Super Audio-CD (SA-CD) durch Sony und Philips hat es dem Hörer ermöglicht, sich den Konzertsaal direkt ins eigene Wohnzimmer zu holen. Die SA-CD hat im Vergleich zur CD eine weitaus höhere Speicherkapazität und sie kann 5-Kanal-Informationen in hoher Auflösung aufnehmen. Deshalb bietet die SA-CD einen hochwertigen Surround Sound.
Alle PentaTone-Aufnahmen erscheinen auf sog. hybriden SA-CDs, die zwei miteinander verbundene Schichten haben. Die erste enthält das normale CD-Signal, während auf der zweiten das Surround-Sound-Signal abliegt. Diese hybriden Tonträger können mit Stereo-Effekt auf jedem normalen CD-Spieler abgespielt werden. Um den Surround Sound-Effekt zu erzielen, benötigt man einen SA-CD-Spieler.
PentaTone baut seit einigen Jahren mit den hervorragenden Aufnahmen von Polyhymnia International einen neuen Klassikkatalog auf, der die berühmtesten Werke der Musikgeschichte enthält, interpretiert von absoluten Weltklasseinterpreten. So wurden Symphonie-Zyklen von Beethoven, Bruckner, Schostakowitsch und Schumann begonnen. Ein Brahms-Zyklus mit Marek Janowski am Pult des Pittsburgh Symphony Orchestra ist bereits erschienen. Sämtliche Werke für Violine und Orchester von Mozart wurden mit Julia Fischer aufgenommen, dem "Gramophone Artist of the Year 2007". In seiner kurzen Geschichte hat PentaTone bereits zahlreiche renommierte Preise gewonnen, darunter einen Grammy, einen Gramophone Award, einen Preis der deutschen Schallplattenkritik, zwei Echos, zwei Diapason d'Ors de l'année und einen CHOC de l'année.
Neben den Neuaufnahmen veröffentlicht PentaTone auch historische Surround Sound-Aufnahmen auf SA-CD. Dafür hat PentaTone sämtliche, zwischen 1970 und 1980 von Philips Classics im Quadrophonie-Verfahren entstandenen Aufnahmen für die Herausgabe auf SA-CD lizenziert. Auf diesen Einspielungen sind die legendären Philips Classics-Künstler jener Epoche zu hören. Mit dem heutigen SA-CD-System kommen diese spektakulären und hochwertigen 4-Kanal-Aufnahmen so zur Geltung, wie man es ursprünglich geplant hatte. Die Serie trägt den Titel "RQR" (Remastered Quadrophonic Recordings).


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