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Sonntag, 27. September 2020

Futurism and early italian avantgarde - Steffen Schleiermacher, Klavier

Italienische Avantgarde


Label/Verlag: MDG
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Der Pianist Steffen Schleiermacher widmet sich der italienischen Moderne der 1910er Jahre.

Die Zeit ab etwa 1910 war für die italienische Musik von besonderem Interesse – und nicht im Bereich der Oper. Der sogenannte ‚Futurismo‘ suchte nach neuen musikalischen Wegen in der Kunst, und vor allem in der Klaviermusik gelten die Ergebnisse als besonders überzeugend. Bekannt geworden sind die entsprechenden Werke aber kaum – zu groß war (und ist) die Popularität der opulenten Symphonik etwa eines Ottorino Respighi. Obschon die Idee eines ‚Futurismus‘ (durchaus nicht in einheitlicher Ausprägung – dafür waren die Komponistenpersönlichkeiten und ihre musikalischen Neigungen allzu unterschiedlich) natürlich einem internationalen Bestreben nach neuen Wegen entstammte, werden die entsprechenden Komponisten diesseits und jenseits des Ozeans bislang viel zu wenig zueinander in Beziehung gesetzt (damit haben wir einen eindeutigen ‚Wissensverlust‘ über die vergangenen hundert Jahre).

Umso verdienstvoller ist die hier vorgelegte Sammlung von sechs Werken von fünf Komponisten, von denen wenigstens zwei den Schallplattenkatalogen (auch mit ihrer Klaviermusik) keineswegs unbekannt sind – Alfredo Casella und Gian Francesco Malipiero, mithin die beiden eher musikalisch konservativeren Vertreter auf der vorliegenden CD. Weniger geläufig sind die Namen Francisco Balilla Pratella, Alberto Savinio (der Bruder Giorgio de Chiricos) und Silvio Mix (eigentlich Silvio de Re). Die Kraft italienischer Instrumentalmusik beweist etwa Pratellas 'La Battaglia' (1913) aus dem Zyklus 'La Guerra' (ursprünglich für Orchester – diese Fassung des Triptychons gilt aber als verschollen).

Kompromisslose Klangsprache

Dem Futurismo gehören zwei hier eingespielte Werke eigentlich nicht an – Casellas umfangreiches, harmonisch schwülheiß changierendes ‚Poema musicale‘ 'La notte alte' (1917) einerseits und Malipieros vier eher impressionistisch-melancholische Welten erkundende 'Preludi autunnali' aus dem Jahr 1914 andererseits. Im selben Jahr entstanden Savinios 'Les chants de la Mi-Mort' mit dem Titel 'Scènes dramatiques' – veritable ‚Futuristenmusik‘ (schon zehn Jahre zuvor war Savinios kurzzeitiger Lehrer Max Reger als Hypermodernist in München verteufelt worden, 1911 erlebte Savinio in München in einem Konzert mit eigenen Werken, in denen er auch als Interpret auftrat, einen umfassendes Debakel, vernichtete seine Kompositionen und verließ München – Reger hatte es ihm 1907 schon vorgemacht). Savinios Klangsprache ist noch kompromissloser als die eines anderen Reger-Schülers, Ervín Schulhoff. Über den 1927 frühverstorbenen, teilweise eher dem symphonisch reichen Stil Respighis und anderer Zeitgenossen näherstehenden Silvio Mix wissen wir heute fast nichts, die hier zu hörenden zwei kurzen 'Stati d‘animo' und das 'Profilo sintetico musicale di F. T. Marinetti' (mithin eines Hauptexponenten des italienischen Futurismus) scheinen teilweise vor Ironie zu triefen.

Steffen Schleiermacher hat sich auf einem Steinway-Flügel des Jahres 1901 die vorgestellten Werke ganz zu eigen gemacht – seine pointierten Einlassungen im Booklet zeigen seine klare, einigermaßen skeptische Sicht vor allem auf den theoretischen Unterbau des Futurismo. Vielleicht verstellen sie so aber ein wenig den unmittelbaren Blick auf eine von verschiedenen Spielarten der ‚Suche nach Neuem‘, der jedes Mittel recht war – Polytonalität, Mikrotonalität, Atonalität und Polymetrik.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Futurism and early italian avantgarde: Steffen Schleiermacher, Klavier

Label:
Anzahl Medien:
MDG
1
Medium:
EAN:

CD
760623211220


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Casella, Alfredo
Malipiero, Gian Francesco


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MDG

Die klangrealistische Tonaufnahme

»Den beim Sprechen oder Musizieren entstehenden Schall festzuhalten, um ihn zu konservieren und beliebig reproduzieren zu können, ist eine Idee, die seit langem die Menschen beschäftigte. Waren zunächst eher magische Aspekte im Spiel, die die Phantasie beflügelten wie etwa bei Giovanni deila Porta, der 1598 den Schall in Bleiröhren auffangen wollte, so führte mit fortschreitender Entwicklung naturwissenschaftlichen Denkens ein verhältnismäßig gerader Weg zur Lösung...« (Riemann Musiklexikon)

Seit Beginn der elektrischen Schallaufzeichnung ist der Tonmeister als »Klangregisseur« bei der Aufnahme natürlich dem Komponisten und dem Interpreten, aber auch dem Hörer verpflichtet. Die Mittel zur Tonaufzeichnung sind hinlänglich bekannt. Die Kriterien für ihren Einsatz bestimmt das Ohr. Deshalb für den Hörer hier eine Beschreibung unserer Hörvorstellung.

Lifehaftigkeit

In der Gewißheit, daß der Konzertsaal im Wohnzimmer (leider) nicht realisierbar ist, konzentriert sich unser Bemühen darauf, die Illusion einer Wirklichkeit zu vermitteln. Die Musik soll im Hörraum so wiedererstehen, daß spontan der Eindruck der Unmittelbarkeit entsteht, das lebendige Klanggeschehen mit der ganzen Atmosphäre der »Lifehaftigkeit« erlebt wird. Da wir praktisch ausschließlich menschliche Stimmen und »klassische« Instrumente - auch sie haben ihren Ursprung im Nachahmen der Stimme - aufnehmen, konzentriert sich unsere Klangvorstellung auf natürliche Klangbalance und tonale Ausgeglichenheit im Ganzen, und instrumentenhafte Klangtreue im Einzelnen. Darüber hinaus natürliche, ungebremste Dynamik und genaueste Auflösung auch der feinsten Spannungsbögen. Weitestgehend bestimmend für die Illusion der Lifehaftigkeit ist auch die Ortbarkeit der Klangquellen im Raum: freistehend, dreidimensional, realistisch.

Musik entsteht im Raum

Um diesen »Klangrealismus« einzufangen, ist bei den Aufnahmen von MDG eine natürliche Akustik unbedingte Voraussetzung. Mehr noch, für jede Produktion wird speziell in Hinblick auf die Besetzung und den Kompositionsstil der passende Aufnahmeraum ausgesucht. Anschließend wird »vor Ort« die optimale Plazierung der Musiker und Instrumente im Raum erarbeitet. Dieser ideale »Spielplatz« ermöglicht nun nicht nur die akustisch beste Aufnahme, sondern inspiriert durch seine Rückwirkung die Musiker zu einer lebendigen, anregenden Musizierlust und spannender Interpretation. Können Sie sich die Antwort des Musikers vorstellen auf die Frage, ob er lieber in einem trockenen Studio oder in einem Konzertsaal spielt?

Die Aufnahme

Ist der ideale Raum vorhanden, entscheidet sich der gute Ton an den Mikrofonen - verschiedene Typen mit speziellen klanglichen Eigenheiten stehen zur Auswahl und wollen mit dem Klang der Instrumente im Raum in Harmonie gebracht werden. Ebenso wichtig für eine natürliche Abbildung ist die Anordnung der Mikrofone, damit etwa die richtigen Nuancen in der solistischen Darstellung oder die Kompensation von Verdeckungseffekten realisierbar werden. Das puristische Ideal »nur zwei Mikrofone« kann selten den komplexen Anforderungen einer Aufnahme mit mehreren Instrumenten gerecht werden. Aber egal wie viele Mikrofone verwendet werden: Stellt sich ein natürlicher Klangeindruck ein, ist die Frage nach dem Zustandekommen des »Lifehaftigen« zweitrangig. Entscheidend ist, es klingt so, als wären nur zwei Mikrofone im Spiel.

Ohne irgendwelche »Verschlimmbesserer« wie Filter, Limiter, Equalizer, künstlichen Hall etc. zu benutzen, sammeln wir die Mikro-Wellen übertragerlos in einem puristischen Mischpult und geben das mit elektrostatischem Kopfhörer kontrollierte Stereosignal linear und unbegrenzt an den AD-Wandler und zum digitalen Speicher weiter. Dadurch bleiben auch die feinsten Einschwingvorgänge erhalten. Auf der digitalen Ebene wird dann ohne klangmanipulierende Eingriffe mit dem eigenen Editor in unserem Hause das Band zur Herstellung der Compact Disc für den Hörer erstellt, für Ihr hoffentlich großes Hörvergnügen.


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