> > > Bach, Johann Sebastian: Toccatas, French Suites IV-VI: Lorenzo Ghielmi, Cembalo
Samstag, 20. Juli 2019

Bach, Johann Sebastian: Toccatas, French Suites IV-VI - Lorenzo Ghielmi, Cembalo

Stilistische Klarheit


Label/Verlag: Passacaille
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Der Cembalist Lorenzo Ghielmi vertraut der schier übermächtigen, alles Verschiedene zu etwas ganz und gar Eigenständigem formenden Kraft Johann Sebastian Bachs. Mit Recht, wie diese Aufnahme von dessen Toccaten und Französischen Suiten zeigt.

Mit Blick auf den Instrumentalkomponisten Johann Sebastian Bach das Italienische programmatisch mit dem Französischen zu verbinden, so wie sich beide Stile und ästhetischen Anschauungen in Bachs Werk selbst zu etwas Neuem, zu etwas vollkommen Eigenständigem verbanden – das ist schlüssig und überzeugt mehr, als jeweils reine Programme es könnten. Der italienische Organist, Cembalist und Ensembleleiter Lorenzo Ghielmi hat das vor einiger Zeit mit den ersten drei der 'Französischen Suiten' und dem 'Italienischen Konzert' getan, erfolgreich und mit Kritikerlob bedacht. Jetzt setzt er das beim belgischen Label Passacaille mit dem zweiten Teil der Suiten fort, die er mit zweien der Toccaten für Cembalo kombiniert. Letztere, drei- bis viersätzige Werke, geben sich in ihrer formalen Freiheit, in der Klarheit deutlich voneinander abgegrenzter Affekte nah manchen Vorbildern der norddeutschen Orgelschule, verweisen aber zugleich deutlich auf die Höhen der Tastenkunst Frescobaldis. In den Suiten folgte Bach der gängigen Satzfolge von Allemande, Courante, Sarabande und finaler Gigue, vor der er allerdings individuelle Ergänzungen aus dem Reigen von Menuett, Gavotte, Bourrée, Polonaise, Loure und Air einzuschieben pflegte. Diese Folgen sind in einem ästhetisch sehr viel eleganteren Bild gezeichnet. Und sie unterstreichen, wie vielschichtig Bachs Kenntnis der europäischen Musik seiner Zeit war.

Ein vielseitiger Experte

Lorenzo Ghielmi wählt diese programmatischen Kontraste nicht, um sie spielend dann wieder zu nivellieren. Das zeichnete schon die erste Folge aus, da noch unterstützt durch die Wahl zweier verschiedener Cembali. Hier spielt er alle Stücke auf einem von Keith Hill realisierten Nachbau eines anonymen deutschen Instruments aus dem 18. Jahrhundert. In dem in dieser Hinsicht viel zu knappen Booklet kann man keine Details zum Instruments nachlesen. Hören kann man aber, dass es über einen harmonischen Klang verfügt, mit einem Diskant, der nicht isoliert in seiner Wirkung ist, mit einer ausgesprochen kraftvollen Mittellage und einem klangvollen, doch konzentrierten, wohl eher sehnigen denn fülligen Bassfundament. Mit diesen Mitteln hantiert Ghielmi technisch unangefochten. Er transportiert die virtuose Rasanz der Toccaten in freier und ebenso präziser Geste.

Der französische Ton wirkt im Vergleich dazu nobler, mit noch mehr Aufmerksamkeit für Kontexte gesetzt. Und auch die edle, fein ausgezierte Linie kommt zu ihrem Recht. Für diese Effekte nutzt Ghielmi die Variationsmöglichkeiten des Instruments gekonnt, schafft zum Beispiel in den Toccaten schöne Registerkontraste, materialisiert kleinteilige Präzision bis hin zum für die Suiten schon angedeuteten, für das Cembalo kaum je ganz zu erreichenden Fall instrumentalen Singens. Ghielmi, dem Meister der barocken Tastenwelt – auch forschend eine respektable Größe, zugleich vielfach bewiesen bei Bach und Frescobaldi, vor allem bei beeindruckenden Händel-Orgelkonzerten – gelingt all das. Realisiert ist dies in einem vergleichsweise direkten Klangbild; voll in der Wirkung und mit plastischem Reichtum veredelt, klar und zugleich erwärmt, bietet es eine gelungene Szene. Lorenzo Ghielmi setzt auf stilistische Klarheit. Und er vertraut der schier übermächtigen, alles Verschiedene zu etwas ganz und gar Eigenständigem formenden Kraft Johann Sebastian Bachs. Mit Recht, wie das Ergebnis zeigt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bach, Johann Sebastian: Toccatas, French Suites IV-VI: Lorenzo Ghielmi, Cembalo

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Passacaille
1
11.01.2019
Medium:
EAN:

CD
5425004910585


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Bach, Johann Sebastian


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Passacaille

Das belgische Label PASSACAILLE wurde 1995 gegründet und sollte von Anfang an eine Plattform für hochrangige belgische Künstler der historischen Aufführungspraxis sein. Das Barockorchester il Fondamento mit seinem Leiter Paul Dombrecht und der Hammerklavierspezialist Jan Vermeulen gehörten zu den ersten, die für das Label aufnahmen. Später erweiterte sich der Künstlerkreis um weitere prominente Namen wie Wieland Kuijken oder das Ensemble Octophorus. Bald erhielten die Aufnahme internationale Preise, was als zusätzlicher Anreiz gesehen wurde, sich im künstlerischen Bereich auch internationalen Künstlern und Ensembles zu öffnen. Ab 2000 begann die Zusammenarbeit mit Künstlern aus verschiedenen europäischen und transatlantischen Ländern. 2006 übernahm der belgische Traversflötist und Musikwissenschaftler Jan de Winne das Label und erweiterte den Künstlerkreis des Labels erneut um international renommierte Künstler wie zum Beispiel Graham O'Reillys Ensemble Européen William Byrd und Lorenzo Ghielmis Ensemble La Divina armonia, das hier erst kürzlich eine fulminante Aufnahme von Händels Orgelkonzerte Op.4 vorgelegt hat. Als weitere Neuzugänge seien noch der brasilianische Cembalist Nicolau de Figueiredo, der Cellist Sergei Istomin und der Fortepianist Alexei Lubimov zu nennen. Im Rahmen der Neuorganisation des Labels möchte Jan de Winne den bewährten ursprünglichen Schwerpunkt Alter Musik in historischer Aufführungspraxis beibehalten, aber auch nach und nach Musik späterer Epochen in das Programm integrieren.


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