> > > Saint-Saens, Camille: Symphony No.3, Bacchanale from Samson et Dalila: Utah Symphony, Thierry Fischer
Sonntag, 8. Dezember 2019

Saint-Saens, Camille: Symphony No.3, Bacchanale from Samson et Dalila - Utah Symphony, Thierry Fischer

Immer noch Entdeckungen!


Label/Verlag: Hyperion
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Thierry Fischer und Symphonieorchester aus Utah präsentieren auf ihrer spannenden Saint-Saens-CD das Vorzeige-Repertoire wie auch weniger Bekanntes mit durchaus eigenen Akzenten.

Als Visitenkarte der überraschend beeindruckenden Fähigkeiten eines normalerweise nicht in der ersten Weltklasse-Reihe firmierenden Orchesters sind Schlachtrösser wie die 'Orgel-Symphonie' von Camille Saint-Saëns – nebst der hier ebenfalls eher wunschkonzertgemäß erklingenden 'Danse bacchanale' aus der Oper 'Samson et Dalila' – durchaus beliebt. Um dem Programm angesichts der starken Konkurrenz zusätzlichen Repertoirewert zu verleihen, ergibt die Hinzufügung eines kaum gespielten Spätwerks Sinn: Schon Michael Plasson hatte 1997 einer strategisch vergleichbaren Aufnahme der 'Orgelsymphonie' mit ‚seinem‘ Orchestre du Capitol de Toulouse die aus der Bühnenmusik zu Eugène Brieux‘ Theaterstück 'La foi' für den Konzertgebrauch bearbeiteten drei 'Symphonischen Bilder' hinzugefügt (auf dem Label EMI), deren Qualitäten uns nun auch Thierry Fischer quasi als Vorspiel von Bacchanal und symphonischer Power zu Ohren führt.

Im Theaterstück von 1909 geht es offenbar um religiöses und politisches ‚Vertrauen‘ innerhalb eines altägyptischen Szenarios, wobei Saint-Saëns offenbar einige musikalische Notate seiner geliebten Ägypten-Reisen verwenden konnte. Und herausgekommen ist tatsächlich quasi eine dreisätzige Symphonie von halbstündiger Dauer, exotisch angehaucht gleich im langsameren, stimmungsvollen ersten Satz und dramatisch sich deutlich steigernd erst in einem besonders schönen, eingängigen Thema als finalem Höhepunkt: ein spürbar als Begleitmusik ausgerichtetes Werk, das die latenten Qualitäten des Komponisten mit Blick auf das gerade entstehende Genre der Filmmusik unterstreicht. Fischers amerikanisches Orchester zeichnen hier vor allem die in den lyrischen Passagen wunderbaren Holzbläser aus.

Dezente Exotismen und rasante Choral-Apotheosen

Mit dem im ziemlich gewagten Tempo virtuos und im Schlagwerk (Kastagnetten) apart abgestimmten Bacchanal hat dieses in den ersten beiden Bildern durchaus auch etwas langatmige Spätwerk natürlich das orientalische Parfüm gemein, mit der 'Orgel-Symphonie' vielleicht die Idee der hymnischen Apotheose. Und die gelingt dem Utah Symphony in der Tat ausgezeichnet. Das Orchester erreicht zwar nicht den prunkenden Breitwandsound, der die stärkste nordamerikanische Konkurrenz von Eugene Ormandy – in gleich drei Aufnahmen während seiner langen Regentschaft in Philadelphia – oder von Charles Dutoit mit dem Orchester aus Montréal so auszeichnet, dafür aber durch Thierry Fischers ganz eigenwilliges und engagiertes Aufführungskonzept eine Stringenz der finalen Steigerungen in geradezu kavalleriegemäßen Attacken (fast als eine ebenfalls geradezu cineastisch wirkende ‚Schlachtenmusik‘), wie sie in keiner anderen mir bekannten Aufnahme umgesetzt wird. Nach hinten hinaus kann man sich eine mitreißendere Aufführung kaum vorstellen, und der eher schlanke Orchesterklang erscheint dafür genau richtig. Die Qualität der Streicher und Blechbläser tritt auf dieser Ebene nicht der volltönenden Überwältigung, sondern durch beeindruckende rhythmische Prägnanz nicht zuletzt in den fugierten Partien deutlich und beeindruckend hervor.

Diese gerade auch in der Dramaturgie der abgestuften Lautstärken ganz souverän konzipierte Interpretation, an welcher natürlich auch der aufnahmetechnisch stimmig eingepasste Organist Paul Jacob seinen Anteil hat, macht oft überraschend ungeheuren Spaß und erlaubt, das Werk wieder einmal ganz anders und neu entdecken zu dürfen. Neben dem ‚Vertrauen‘ in das Randrepertoire ein starkes Pfund für eine solche hierzulande leicht zu übersehende und unterschätzte Neuproduktion!

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Saint-Saens, Camille: Symphony No.3, Bacchanale from Samson et Dalila: Utah Symphony, Thierry Fischer

Label:
Anzahl Medien:
Hyperion
1
Medium:
EAN:

CD
034571282015


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Saint-Saens, Camille


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Hyperion

Founded in 1980, Hyperion is an independent British classical label devoted to presenting high-quality recordings of music of all styles and from all periods from the twelfth century to the twenty-first. We have been described as 'Britain’s brightest record label'. In January 1996 we were presented with the Best Label Award by MIDEM's Cannes Classiques Awards. The jury was made up of the editors of most of the leading classical CD magazines in the world - Classic CD (England), Soundscapes (Australia), Répertoire (France), FonoForum (Germany), Luister (Holland), Musica (Italy), Scherzo (Spain), and In Tune (USA & Japan).

We named our label after an altogether splendid figure from Greek mythology. Hyperion was one of the Titans, and the father of the sun and the moon - and also of the Muses, so we feel we are fulfilling his modern role by giving the art of music to the world.

The repertoire available on Hyperion, and its subsidiary label Helios (Helios, the sun, was the son of Hyperion), ranges over the entire spectrum of music - sacred and secular, choral and solo vocal, orchestral, chamber and instrumental - and much of it is unique to Hyperion. The catalogue currently comprises nearly 1400 CDs and approximately 80 new titles are issued each year. We have won many awards.

Our records are easily available throughout the world in those countries served by our distributors. A list of the world's top Hyperion dealers, listed by country and city, can be found on our homepage. But if you have any difficulty please get in touch with the distributor in your territory. In Germany that is Note 1 Music Gmbh.


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