> > > Erlebach, Philipp Heinrich: Complete Trio Sonatas: L'Achéron, Francois Joubert-Caillet
Sonntag, 18. August 2019

Erlebach, Philipp Heinrich: Complete Trio Sonatas - L'Achéron, Francois Joubert-Caillet

Subtiler Erlebach


Label/Verlag: Ricercar
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Erlebachs Sonaten sind kultivierte, kunstfertige barocke Kammermusik auf der Höhe ihrer Zeit. L'Achéron und Jouber-Caillet verstehen sich auch auf Erlebach, das zeigt diese subtil gespielte Platte.

Das Werk des in Rudolstadt beim Grafen von Schwarzburg-Rudolstadt tätigen Philipp Heinrich Erlebach (1657–1714) ist zu einem großen Teil ein Raub der Flammen geworden, die das Schloss seines Dienstherrn nach Erlebachs Tod heimsuchten. So ist heute nur mehr wenig überliefert, in Abschriften oder den raren Drucken, die Erlebach lancierte. Dazu gehört ein Band mit Ouvertüren aus dem Jahr 1693. Im Jahr darauf gab er eine weitere Sammlung heraus, sechs Sonaten für Violine und Viola da gamba mit Basso continuo.

Mit diesen sechs Sonaten steht Erlebach in zwei Traditionslinien gleichermaßen: Italienisches bieten die Form der Sonate selbst und die Violine als Soloinstrument, Französisches die Viola da gamba und typischen Sätze der Suite. Auch expressiv sind beide Sphären erkennbar: Die gelegentliche Brillanz des Violinparts kontrastiert mit der einschmeichelnden Grundgeste der Gambe. Insgesamt ist es eine ungemein delikate Mischung, oft sanft und mild, jedenfalls ohne schroffe Härten oder affektive Haken und Ösen. Die Musik ist von einem ‚Wesen, in dem sich Zärtlichkeit mit einer leuchtenden Majestät mischt.‘ So schön drückt es François Joubert-Caillet in einem kleinen Text aus, der das ansprechende Booklet dieser Ricercar-CD seines Ensembles L‘Achéron beschließt. Es ist diese apollinische Qualität, die die Musik am Ende doch so ungemein französisch wirken lässt. Und natürlich trägt das Ensemble dazu bei, dass das Pendel in diese und keine andere Richtung ausschlägt.

Sensible Könner

Neben Joubert-Caillet sind das die Geigerin Marie Rouquié, der Cembalist und Organist Yoann Moulin, der Lautenist Miguel Henry und die Gambistin Sarah Van Oudenhove. Sie kultivieren einen weichen, luxuriösen, dabei nicht übertrieben großen Klang, der edel und warm ist, Details ebenso schätzt wie einen durchsonnten Gesamteindruck. Spieltechnische Fragen stellen sich hörbar nicht, zu gelassen und souverän agieren die Instrumentalisten. Die Satzcharaktere werden klar prononciert, jedoch nie mit Überdruck. Dynamisch prägen feine Nuancen das Bild, Kontraste werden aber auch gelegentlich mit Lust und Entschiedenheit angepackt. Intonatorisch ist der Befund bemerkenswert harmonisch, das Zeugnis fein hörender Ensemblekultur. Artikulatorische Basis ist eine geradezu singende Phrasierung ganz ohne Vokalstimmen: Details liebend, aber die Linie suchend, Musik nicht zerlegend, sondern als Ganzes begreifend.

All diese Qualitäten haben die Akteure von L‘Achéron schon bei Scheidt oder Johann Bernhard Bach demonstriert, bei Engländern wie Holborne oder Gibbons, dazu gemeinsam mit Vox Luminis in Requiemsvertonungen von Kerll und Fux. Und François Joubert-Caillet ist der Hauptakteur der vor einiger Zeit begonnenen Gesamteinspielung des Gamben-Werks von Marin Marais, von der Kritik in höchsten Tönen gelobt und in ihrer Fortsetzung ungeduldig erwartet. In diese delikate Diskografie passt Philipp Heinrich Erlebach unbedingt hinein. Erlebachs Sonaten sind kultivierte, kunstfertige barocke Kammermusik auf der Höhe ihrer Zeit. L‘Achéron und Jouber-Caillet verstehen sich auch auf Erlebach, das zeigt diese subtil gespielte Platte.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Erlebach, Philipp Heinrich: Complete Trio Sonatas: L'Achéron, Francois Joubert-Caillet

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Ricercar
1
11.01.2019
Medium:
EAN:

CD
5400439003934


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Erlebach, Philipp Heinrich


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Ricercar

Von Haus aus Musikwissenschaftler und Gambist (und hier immerhin Schüler von Wieland Kuijken), gründete der Belgier Jérôme Lejeune 1980 sein Label RICERCAR, das schnell zu einem der wichtigsten im Bereich der Alten Musik wurde. Das war nicht nur durch die musikwissenschaftliche Arbeit Lejeunes nahe liegend, sondern auch dem Umstand geschuldet, dass Belgien von je her zu den führenden Nationen im Bereich der historischen Aufführungspraxis gehörte. Die Künstler, die für RICERCAR aufnehmen bzw. aufgenommen haben, lesen sich ohne Übertreibung wie das Who-is-Who der Alten Musik-Szene: Hier machte zum Beispiel Philippe Herreweghe genauso seine allerersten Aufnahmen wie das Ricercar Consort, Jos van Immerseel oder Mark Minkowski (sowohl als Fagottist als auch als Dirigent). Zu den Künstlern und Ensembles, die derzeit dem Label verbunden sind, gehören so prominente Namen wie der Organist Bernard Foccroulle, die Sopranistin Sophie Karthäuser sowie die Ensemble La Fenice und Continens Paradisi. Nach wie vor bietet Lejeune dabei jungen Künstlern und Ensembles eine künstlerische Plattform und er beweist dabei stets ein besonders glückliches Händchen. Viele der nicht weniger als 250 Aufnahmen, die hier veröffentlicht wurden, waren klingende Lektionen in Musikgeschichte, die in mehrteiligen Reihen solche Themen wie Bach und seine Vorgänger, die franko-flämische Polyphonie oder Instrumentenkunde behandelten und so etwas wie zu einem Markenzeichen des Labels wurden. Das erstaunliche dabei war auch, dass nahezu alle Produktionen des Labels von Lejeune sowohl wissenschaftlich als künstlerisch und technisch betreut wurden.


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