> > > Händel, Georg Friedrich: The Recorder Sonatas: Stefan Temmingh, Wiebke Weidanz
Dienstag, 16. August 2022

Händel, Georg Friedrich: The Recorder Sonatas - Stefan Temmingh, Wiebke Weidanz

Dialogischer Händel


Label/Verlag: Accent
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Händel und die Blockflöte – das passt. Zusammen mit einem famosen Cembalo, muss man ergänzen. Stefan Temmingh und Wiebke Weidanz legen eine schöne Platte vor.

Die sechs Blockflötensonaten von Georg Friedrich Händel sind ein ungemein zugänglicher Zyklus – zur Präsentation instrumentalen Könnens ebenso geeignet wie zur noblen, aber niveauvollen musikalischen Unterhaltung. Mit letzterer Aussage tut man dem Rang dieses Werkkorpus sicher kein Unrecht: Hier krönt eine fassliche Flötenstimme ein Geschehen, das maßgeblich von einem lebendig sich ausformenden Cembalopart geprägt und getragen wird. Eine attraktive Mischung, die zu etlichen Aufnahmen geführt hat, mit prominenten Flötisten von Frans Brüggen und Hugo Reyne über Peter van Heyghen, Marion Verbruggen, Piers Adams und Michael Schneider bis zu Dan Laurin oder Erik Bosgraaf.

Die Bass-Sphäre wurde in früheren Aufnahmen gelegentlich reicher besetzt. In der aktuellen Version, die der Blockflötist Stefan Temmingh und die Cembalistin Weibke Weidanz jetzt bei Accent vorstellen, ist im Bass nur das Cembalo zu hören. Und das Instrument in dieser Konstellation mit Geschmack und Freiheit, mit Dezenz und Mut zu traktieren, ist die schöne Herausforderung, die eine Aufführung ohne weitere Continuo-Instrumente spannend macht. Interessant auch die jeweils den Sonaten vorgeschalteten Einleitungen verschiedener Herkunft und Faktur, die präludierend und in fantasievoller Freiheit ein Einstimmen, auch Sich-Einstimmen signalisieren und aus denen heraus die Sonaten entfaltet werden: Ein lohnende Idee, mit Überzeugung umgesetzt.

Auf Augenhöhe

Wiebke Weidanz nimmt sich ihrer Aufgabe temperamentvoll, virtuos und in affektiver Klarheit an. In den drei- bis siebensätzigen, formal also nicht sehr streng gebauten Sonaten lässt sie oft viel mehr als nur eine Begleitung hören: Immer wieder entsteht der Eindruck eines echten Trio-Satzes, so klar und eigenständig profiliert ist die rechte Hand. Weidanz füllt den Raum unterhalb der Blockflöte souverän aus, strukturbewusst und mit Klangsinn. Das erklingende Instrument ist ein von Matthias Griewisch realisierter Nachbau eines Pascal Taskin-Cembalos von 1769 und bietet ein konzentriertes Gesamtpaket von großer Homogenität und plastischer Klanggestalt.

Stefen Temmingh agiert natürlich virtuos, aber auf eine gelassen-unaufdringliche Weise, mit wachem Sinn für die Schönheit der im Grunde oft schlicht gebauten Linien. Er entfaltet einen elegant strömenden Ton von einiger Natürlichkeit. Auch in Sachen Geläufigkeit, Verzierungen und der Disposition des Notentexts zeigt er sich durchweg souverän. Die instrumentale Hauptlast trägt eine harmonisch tönende Altflöte, von Ernst Meyer nach einem Modell von Bressan gebaut, mit der Temmingh eine Klanggestalt von entspannter Schönheit formt. Eine höhere Tenorflöte in d, im Englischen als ‚Voice flute‘ bezeichnet, und eine Tenorflöte in c setzen diesen Klang nahtlos in tiefere Register fort, auch das erstaunlich elegant. Tempi werden konsequent variiert, aber nicht ins Extreme geweitet. Die musikalische Sprache wird lebendig durch den dezidierten Kontrast von klar artikulierter Kleinteiligkeit und weit sich ausschwingender Linearität. Klanglich gerät das Bild der Aufnahme intim und direkt mit Blick auf das Cembalo; die Blockflöte bezieht den Raum und seine Wirkungen deutlicher ein. Doch wird die Balance nie ungünstig verschoben, ist nie ein ‚unterlegenes‘ Cembalo zu beklagen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Händel, Georg Friedrich: The Recorder Sonatas: Stefan Temmingh, Wiebke Weidanz

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Accent
1
11.01.2019
Medium:
EAN:

CD
4015023243538


Cover vergössern

Händel, Georg Friedrich


Cover vergössern

Accent

Schon bei der Gründung des Labels 1979 durch Andreas Glatt war klar, dass ACCENT sich fast ausschließlich mit Alter Musik in historischer Aufführungspraxis beschäftigen würde. Die Künstler, die für ACCENT aufnehmen oder aufgenommen haben, gehörten von Anfang an zu den renommiertesten Interpreten der "Alte-Musik-Szene": darunter die Brüder Barthold, Sigiswald und Wieland Kuijken, René Jacobs, Jos van Immerseel, Maria Cristina Kiehr mit La Colombina, Paul Dombrecht, Marcel Ponseele mit seinem Ensemble Il Gardellino, aber auch jüngere Künstler wie Ewald Demeyere und sein Bach Concentus, das Ensemble Private Musicke mit Pierre Pitzl oder das Amphion Bläseroktett. Der ACCENT-Katalog möchte den neugierigen Musikfreund auf eine Reise durch die Welt der Alten Musik mitnehmen. Dabei wird er, neben ausgewählten Standardwerken, nicht selten Stücken begegnen, die kaum im Konzertbetrieb oder auf CD anzutreffen sind. Erstaunlicherweise stammen sie nicht nur von wenig bekannten Komponisten, sondern auch von so großen Namen wie Johann Sebastian Bach oder Georg Philipp Telemann. Diese Raritäten werden für ACCENT nicht allein um ihres Seltenheitswerts aufgenommen, sondern vielmehr, weil sie wichtige, bislang sträflich vernachlässigte Werke sind, deren Entdeckung zu einem persönlichen Anliegen der Interpreten wurde.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Accent:

  • Zur Kritik... Ein Oratorium von Johann Joseph Fux: Das selten verwendete Sujet der Verleugnung Christi durch Petrus wird in Musik gesetzt. Weiter...
    (Diederich Lüken, )
  • Zur Kritik... Elegant und kurzweilig: Arien und Duette aus österlichen Kantaten von Christoph Graupner: Musik an der Schwelle zur Eleganz, mit leichter Hand und in leuchtenden Farben gedeutet von Franz Vitzthum, Georg Poplutz und dem Main-Barockorchester. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Sächsische Eigentümlichkeiten: Das Ensemble Polyharmonique und das Wrocław Baroque Orchestra mit der qualitätvollen Deutung einer Franz Xaver-Vesper von Johann David Heinichen und einem vernehmlichen Plädoyer für diesen Komponisten. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle Kritiken von Accent...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Matthias Lange:

  • Zur Kritik... Noch immer avanciert: Das Chorwerk Ruhr und die Bochumer Symphoniker präsentieren Musik von Stockhausen und Kagel mit Überzeugung und Vermögen – als noch immer relevante Positionen und kennenswerte Etappen musikalischer Entwicklung. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Kammeroper in milder Dramatik: Roland Wilson hat mit seinen Ensembles einen so interessanten wie lohnenden Versuch unternommen, klingendes Leben in das Rätselraten um Heinrich Schütz' Oper 'Dafne' zu bringen. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Englische Madrigalkunst: So delikat möchte man sich gern unterhalten lassen: In kunstvollem Satz, emotional berührt, nobel in der Gesamtwirkung. I Fagiolini mit einem schönen, lohnenden Wilbye-Porträt. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Matthias Lange...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Mendelssohns Feuerwerkmusik aus Paris: Lars Vogt verpasst den beiden Mendelssohn-Klavierkonzerten eine dramatische Wucht, die den Werken eine überraschend düstere Aura geben. Weiter...
    (Dr. Kevin Clarke, )
  • Zur Kritik... Aufgetürmter Neubau: Telemanns Michaelis-Oratorium 1762 zeigt den Hamburger Komponisten auch in seinem letzten Lebensjahrzehnt auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Zwei Komponisten des Hochbarocks begegnen einander: Heinrich Ignaz Franz Biber und Georg Muffat lebten etwa zur selben Zeit und könnten sich in Salzburg begegnet sein. Dora Szilágyi und Flóra Fábri spüren Verwandtes und Unterschiede in der Kammermusik beider Komponisten auf. Weiter...
    (Diederich Lüken, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (7-8/2022) herunterladen (2500 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich