> > > Mozart Symphonies No. 13, 16, 29, 40: Folkwang Kammerorchester Essen, Johannes Klumpp
Dienstag, 20. August 2019

Mozart Symphonies No. 13, 16, 29, 40 - Folkwang Kammerorchester Essen, Johannes Klumpp

Junge Könner


Label/Verlag: Genuin
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die jungen Musiker des Folkwang Kammerorchesters verbinden herausragendes technisches Können mit musikalischem Engagement und vor allem Liebe zu dem, was sie tun. Mit ihrem Dirigenten Johannes Klumpp haben sie damit ein hohes Niveau erreicht.

Man merkt vom ersten Ton an, dass das Folkwang Kammerorchester Mozart nicht nur so nebenher spielt. Seit fünf Jahren ist Johannes Klumpp der Chef des Orchesters. Er hat Mozart in das Zentrum der Orchesterarbeit geholt und gestaltet in jeder Saison eine ganze Konzertreihe um ihn herum. Die intensive Beschäftigung mit Mozart trägt hörbar Früchte – umso mehr ist das zu bewundern, wenn man in Rechnung stellt, dass die Musiker jeweils nur wenige Jahre dabei sind, weil das Orchester für junge gut ausgebildete Streicher gedacht ist, die dort Erfahrung sammeln, bevor sie in das ‚normale‘ Berufsleben einsteigen.

Die vorliegende CD zeigt einen Querschnitt dieser Arbeit, beginnend mit zwei frühen Sinfonien aus der italienischen Reisezeit des jungen Komponisten 1771/72. Die Sinfonie Nr. 29 entstand zwei Jahre später in einem geänderten Kontext. Und dann folgt als Prüfstein die g-Moll-Sinfonie von 1788, eine aus der Trias der drei großen letzten Sinfonien, die es in unzähligen renommierten Aufnahmen auf dem Plattenmarkt gibt.

Neckische Schäferszene

Mozarts Entwicklung als Komponist von Sinfonien lässt sich an diesen vier Werken auch anhand der Interpretation gut nachvollziehen. Die beiden ersten – ganz auf den italienischen Stil ausgerichtet in der Absicht, sie auf den Reisen nach Italien als Empfehlung zu nutzen – klingen leicht, spritzig, unterhaltsam, ja buffonesk, wie es die Italiener damals in der Instrumentalmusik schätzten. Das gefällige Andante in der Sinfonie Nr. 13 kommt richtig spitzbübisch daher – man meint, eine neckische Schäferszene mitzuerleben. Dass die Tempi schnell sind, aber trotzdem alles aufs Kleinste stimmt und selbst im 'Molto allegro' niemand der jungen Musiker ‚aus der Kurve fliegt‘, lässt den Hörer entspannt genießen.

Bei der Sinfonie Nr. 29 aus dem Jahr 1774 reichert sich der unbeschwerte Hörgenuss bereits mit intellektuellen Ansprüchen an. Was der Komponist in diesen zwei Jahren für eine Entwicklung durchgemacht hat, hört man genau: Die Dynamik wird ausgefeilter, das Tempo zwar noch flott, aber nicht mehr sportlicher Selbstzweck, die Bläser werden in ihrer neuen Eigenständigkeit hervorgehoben, ebenso auch die unteren und mittleren Streicherstimmen, wenn sie im Geflecht der thematischen Verarbeitung etwas zu sagen haben, und die Tremoli unterstützen die innere Dramatik – kurz: Die anspruchsvollere kompositorische Arbeit wird bei jedem Ton deutlich, ohne dass der natürliche Fluss der Musik darunter leidet oder gar der pädagogische Zeigefinger erhoben würde.

Natürlichkeit

Das Konzept der Natürlichkeit trägt auch die g-Moll-Sinfonie. Wieder besticht der Wechsel von Bläsern zu Streichern, die häufig eher zurückgenommene Dynamik, die dann die Fortestellen umso bedeutungsvoller, dramatischer werden lässt. Die Beweglichkeit im kleinen Streicherapparat (Kammerorchester mit 16 Musikern) ist vielen großen Besetzungen überlegen, sowohl was die Klangfarbenwechsel als auch die Rolle jedes einzelnen Instruments betrifft, das mit eigenem Motiv hervortreten darf und so die Struktur des Ganzen mit seinen Wiederholungen, Veränderungen, thematischen Seitenwegen und anderem plastisch hervorhebt – in einer kammermusikalischen Besetzung kommt es eben auf jeden einzelnen Musiker an. Johannes Klumpp schafft es, alles aus seinen jungen Könnern herauszuholen, was nur funktioniert, weil er ihnen in der Reihe der Mozart-Konzerte vermitteln konnte, wie bedeutend für unsere Musikgeschichte dieser geniale Klassiker bis heute noch ist.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Mozart Symphonies No. 13, 16, 29, 40: Folkwang Kammerorchester Essen, Johannes Klumpp

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Genuin
1
11.01.2019
Medium:
EAN:

CD
4260036256369


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Mozart, Wolfgang Amadeus


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Genuin

Im Jahr 2002 standen die jungen Tonmeister von GENUIN vor einer wichtigen Entscheidung: Sollte man sich weiterhin lediglich auf das Aufnehmen und Produzieren konzentrieren, oder auf die zahlreichen Nachfragen und positiven Rückmeldungen von Musikern und Fachzeitschriften eingehen und ein eigenes Label ins Leben rufen? In einer Zeit, in der praktisch alle großen Klassik-Label ihre Produktion eingestellt oder zumindest stark gedrosselt hatten, fiel die Entscheidung nicht leicht – aber sie fiel einstimmig aus: zugunsten einer offiziellen Vertriebsplattform für die GENUIN-Aufnahmen. Und der Erfolg hat nicht lange auf sich warten lassen.

Das Label GENUIN hat sich in seinem zwölfjährigen Bestehen zu einem Geheimtipp unter Musikern und Musikliebhabern entwickelt. Schon vor dem Leipzig-Debüt im Oktober 2004, einem Antrittskonzert im Robert-Schumann-Haus mit Paul Badura-Skoda, wurden die CDs in den deutschlandweiten Vertrieb gebracht und von Fachpresse und Musikerwelt hochgelobt. Inzwischen werden GENUIN-CDs in den meisten Ländern Europas sowie in Japan, Süd-Korea, Hongkong und den USA vertrieben.

Das Erfolgsrezept von GENUIN: Die gesamte Produktion, also die Beratung der Künstler bei Aufnahmeraum und Repertoire, die Vorbereitung und Durchführung der Aufnahme selbst, der Schnitt mit allen notwendigen Korrekturen, generelle Entscheidungen beim Cover- und Bookletentwurf bis hin zur fertigen Veröffentlichung liegen in der Hand der Tonmeister. Nur so haben die Musiker den größtmöglichen Entfaltungsspielraum bei der Einspielung und Gestaltung ihrer CDs. Und gleichzeitig kann bis zuletzt eine gleichbleibend hohe Qualität garantiert werden.

GENUIN bietet auch abseits ausgetretener Pfade etablierten Künstlern genauso wie der Nachwuchsgeneration die Möglichkeit, Musik nach eigenen Vorstellungen zu verwirklichen. Das macht sich positiv bemerkbar für die Hörer der mittlerweile mehr als 300 GENUIN-CDs mit Interpreten wie Paul Badura-Skoda, Nicolas Altstaedt oder der Dresdner Philharmonie.


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