> > > Schütz, Heinrich: Madrigale & Hochzeitsmusiken: Dresdner Kammerchor, Hans-Christoph Rademann
Mittwoch, 17. Juli 2019

Schütz, Heinrich: Madrigale & Hochzeitsmusiken - Dresdner Kammerchor, Hans-Christoph Rademann

Ertragreiche Seitenwege


Label/Verlag: Carus
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Gesamteinspielungen schreiten auch Seitenwege ab – mit einigem Ertrag. Das unterstreicht diese vorletzte Platte der der Schütz-Reihe, die Hans-Christoph Rademann mit seinen bewährten Kräften bei Carus vorgelegt hat.

Gesamteinspielung heißt auch bei Heinrich Schütz: Man kommt neben all dem sattsam bekannten Kanonischen früher oder später in Bereiche, denen wenig oder gar keine Aufmerksamkeit geschenkt wird. In dieser 19. und damit vorletzten Folge der Schütz-Gesamteinspielung, die Hans-Christoph Rademann mit dem Dresdner Kammerchor und einer erstaunlich stabilen Gruppe von Vokalisten und Instrumentalisten seit einigen Jahren bei Carus realisiert, ist das unter dem Titel 'Madrigale & Hochzeitsmusiken' eine Sammlung von Sätzen, die an der Grenze von geistlichen Anlässen und weltlicher Prägung siedeln.

Eingeleitet wird das Programm mit dem fantastisch qualitätvollen 'Siehe, wie fein und lieblich ist‘s' SWV 48, das Schütz zur Hochzeit seines Bruders Georg schrieb. Der zweite Satz ist als Ersteinspielung der ebenfalls feine Satz 'Saget den Gästen' SWV 459, der ebenfalls eine Hochzeitssituation nahelegt und durch einen subtilen dramaturgischen Aufbau überzeugt. Insgesamt 15 überwiegend hochkarätige Stücke sind so versammelt, farbige Ausarbeitungen über das Hohelied darunter – auf Texte des schlesischen Großdichters Martin Opitz. Dazu kommen weitere Oden und Gesänge, die teils madrigalisch charakterisiert sind, jedenfalls fruchtbar als Spiegel verschiedener Schaffensphasen gehört und verstanden werden können. Vor allem zeigen sie Heinrich Schütz als einen dem Leben zugewandten, kraftvollen, alles andere als zergrübelten oder gar hinfälligen Mann: Den gibt es im Hinterkopf vieler Rezipienten auch dank der Prägekraft des Spetner-Bildnisses, das den 75jährigen Schütz zeigt – ein Umstand, den Oliver Geisler in seinem gewohnt klugen und gedankenreichen Essay fruchtbar durchdenkt. Jedenfalls begegnet uns Schütz hier, auf diesem Nebenweg des Repertoires, als Mann von einigem Temperament und ebensolchem Selbstbewusstsein, lebensfroh und unterhaltsam.

Gewohnt kundig

Diesem farbigen Programm stellt sich eine potente Riege von Vokalisten, angeführt von der Sopranistin Dorothee Mields. Dazu kommen die Sopranistin Isabel Schicketanz, der Altus David Erler, die Tenöre Georg Poplutz und Tobias Mäthger sowie der Bass Felix Schwandtke – eine junge, inzwischen aber ungemein profilierte Gruppe, deren Akteure nicht nur mit Schütz‘ Idiom intim vertraut sind, sondern sich auf dem Weg zum Finale der Gesamteinspielung souverän und selbstsicher auch in entlegenem Repertoire bewegen, mit Ausstrahlung und individuellen Akzenten in diesen weitgehend unbekannten Sätzen. Auch intrikate, technisch fordernde Momente, die Schütz textdeutend immer wieder in das Geflecht einbindet, werden mit Klasse und sicherem Zugriff gemeistert. Die Artikulation ist auf eine selbstverständliche, alles andere als demonstrative Art und Weise textgezeugt, ohne je lineare Schönheit zu missachten oder in trockene Rechthaberei zu verfallen: schöner Gesang allenthalben und im besten Sinne. Intoniert wird makellos; individuell und in allen denkbaren Konstellationen gelingt das beglückend. Schwung und Tempo bekommt die Musik immer wieder aus diminuierten Linien, die ein Moment des Virtuosen andeuten. Auch dynamisch reich gezeichnete Mehrchörigkeit wird fruchtbar eingebracht. Gerade hier bringt sich der Dresdner Kammerchor sehr gelungen ein, in direkter ästhetischer Fortsetzung der vokalsolistischen Sphäre.

Verschiedene instrumentale Besetzungen mit Violinen, Gamben, Zinken, Posaunen, Dulzian, Theorbe, Laute, Violone und Orgel grundieren edel und setzen zudem manches Glanzlicht, das auch längere Sätze schlichterer Faktur nobilitiert. Das gut organisierte Klangbild zeigt sich ansprechend balanciert und wird in plastischer Anmutung präsentiert, wie stets bei den Produktionen der Reihe in einem gelungenen Verhältnis von detailreichem Kern und maßvoller räumlicher Noblesse.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Schütz, Heinrich: Madrigale & Hochzeitsmusiken: Dresdner Kammerchor, Hans-Christoph Rademann

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Carus
1
11.01.2019
Medium:
EAN:

CD
4009350832770


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Schütz, Heinrich


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Carus

Der Name Carus steht weltweit als ein Synonym für höchsten Anspruch und Qualität auf dem Gebiet geistlicher Chormusik. Dies betrifft nicht nur unsere zuverlässigen Noteneditionen vieler zu Unrecht in Vergessenheit geratener Werke. Es ist uns ein besonderes Anliegen, gerade diese Werke - oft als Weltersteinspielungen - auch in exemplarischen Interpretationen durch hochrangige Interpreten und Ensembles auf CD vorzulegen. Der weltweite Erfolg unseres Labels führte zur Erweiterung unseres Katalogs: Neben der Chormusik, die weiterhin den Schwerpunkt des Labels bildet, haben gerade in den letzten Jahren einige Aufnahmen barocker Instrumentalwerke internationale Beachtung gefunden. Unsere Zusammenarbeit mit erstklassigen Interpreten führte zu einer hohen Klangkultur, die mit der Verleihung vieler internationaler Preise honoriert wurde (Diapason d'Or, Preis der Deutschen Schallplattenkritik, Gramophone - Editor's choice).


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